Nachgefragt beim Leiter der Einrichtung


Greifswald gilt als „alte Stadt“, was sie historisch betrachtet auch zweifellos ist. Aber: Greifswald ist ebenfalls – mit Blick auf die Studierenden an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität – auch eine junge und dynamische Stadt.

Ob „alt“, ob „jung“… Die Universitäts- und Hansestadt ist vor allem auch ein Ort mit zahlreichen ambitionierten Einwohnern. Das beweisen die Erfolge junger Talente im Handwerk, im Sport, in der Kunst, an den städtischen Bildungseinrichtungen oder auch in der Kultur. Greifswald hat dabei auch eine Menge junger musikalischer Könnerinnen und Könner, so nicht zuletzt an der Musikschule Greifswald.

Wie lief es jedoch für diese in den bisherigen fast zwölf Monaten des Jahres 2015?!

Nachgefragt bei Carsten Witt, Leiter der Musikschule Greifswald

C.Witt über die Musikschule Greifswald

„Waren 2015 sehr erfolgreich…“

Frage: Das Jahr 2015 ist fast schon wieder Geschichte. Was waren die besonderen Höhepunkte an der Musikschule Greifswald?

Carsten Witt: Zu den Höhepunkten 2015 zählten der Wettbewerb „Jugend musiziert“, bei dem es unsere Schüler wieder einmal bis zum Bundesfinale in Hamburg schafften. Außerdem haben wir zahlreiche größere Konzerte gespielt, unter anderem bei wichtigen städtischen Veranstaltungen.

Besonders hervorheben kann ich neben dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ zum Beispiel das Orchester-Treffen im Juni in Neubrandenburg, bei dem unser Kammerorchester teilnahm.

Die Bigband hat bei der Festveranstaltung „20 Jahre Seebrücke Heringsdorf“ ein zweistündiges Konzert vor der Seebrücke gegeben.

Ein Zuschauermagnet ist auch immer unser Musikschulfest im Tierpark, zu dem jährlich rund 1000 Besucher kommen. Ganz besonders erfolgreich war in diesem Jahr auch der Austausch mit unserer schwedischen Partnerstadt Lund. So konnten wir das Musikschulorchester der Kulturschule Lund zur Kulturnacht im September einladen. Eine Woche später spielten unsere Swing Band und Bigband bei der Kulturnacht in Lund.

Im Oktober reiste unser Orchester nach Lund, um bei der Festveranstaltung „25 Jahre Städtepartnerschaft Greifswald – Lund“ mitzuwirken. Unser letztes großes Konzert gab es Anfang November in der Stadthalle Greifswald, wo Solisten und Ensembles der Musikschule ein zweieinhalbstündiges Programm aufführten.

Des Weiteren gestalteten wir wichtige Veranstaltungen mit, so zum Beispiel den Tag der Städtebauförderung, die Eröffnung der neuen Kollwitz-Grundschule, den Stadtempfang des Oberbürgermeisters und die feierliche Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters, Herrn Dr. Fassbinder.

Frage: Wie stellt sich die Nachwuchs-Situation im musikalischen Bereich aus Ihrer Sicht gerade in Greifswald dar?

Carsten Witt: Generell braucht man sich um den musikalischen Nachwuchs keine Sorgen machen. Allerdings wird es immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für die musikalische Spitzenförderung zu gewinnen. Einer der Hauptgründe ist mit Sicherheit die enorm gewachsene schulische Belastung der Schüler, denn der Unterricht geht oftmals bis 16 Uhr. Aber auch ein breites außerschulisches Angebot in Greifswald und dem Umland macht sich deutlich bemerkbar, da die Schüler häufig zwei bis drei verschiedenen Hobbys nachgehen.

Frage: An welchen weiteren Wettbewerben nahmen Absolventinnen und Absolventen der Musikschule Greifswald teil?

Carsten Witt: Wie bereits erwähnt nahmen unsere Schüler sehr erfolgreich beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Dieser Wettbewerb erstreckt sich über drei Wettbewerbsphasen, dem Regionalwettbewerb im Januar, dem Landeswettbewerb im März und schließlich dem Bundeswettbewerb zu Pfingsten, bei dem immerhin drei Teilnehmer aus unserer Schule vertreten waren.

Unser Kammerorchester nahm im Rahmen des Deutschen Orchesterwettbewerbes beim Orchestertreffen in Neubrandenburg teil. Alle Preisträger waren auch bei größeren Konzerten in Greifswald zu erleben.

Frage: Wie verläuft eigentlich die Zusammenarbeit mit anderen Musikschulen in M-V, zum Beispiel in Rostock, Schwerin oder Neubrandenburg?

Carsten Witt: Es erfolgt ein relativ reger Austausch zwischen den Lehrkräften aller Schulen, die unter anderem auch als Juroren bei Wettbewerben tätig sind, aber vor allen Dingen dadurch, dass einige Lehrerinnen und Lehrer auch an verschiedenen Musikschulen unterrichten.

Weiterhin gibt es zweimal im Jahr die Möglichkeit, sich bei gemeinsamen Fortbildungsprogrammen des Landesverbandes der Musikschulen weiterzubilden, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu pflegen. Gelegentlich spielen auch Schüler bei projektbezogenen Orchesterkonzerten im Orchester einer anderen Musikschule mit. Spätestens im Landesjugendorchester treffen dann alle Musikschulen mit ihren Sprösslingen aufeinander.

Frage: Gibt es auch Weihnachtskonzerte mit und an der Musikschule Greifswald? – Und: Welche wichtigen Veranstaltungen stehen 2016 für die Musikschule Greifswald auf dem Programm?

Carsten Witt: Ein direktes Weihnachtskonzert gibt es derzeit nicht an der Musikschule, das letzte liegt schon einige Jahre zurück. Hauptgrund hierfür ist ganz klar die angespannte Raumsituation in dieser Zeit, da die Raumkapazität an der Musikschule nicht vorhanden ist, Theater oder Stadthalle ausgelastet sind.
Wir sind mit unseren Schülern aber regelmäßig bei den Weihnachtskonzerten der Greifswalder Gymnasien (Jahn und Humboldt) vertreten und musizieren nicht zuletzt mit weihnachtlichen Programmen  bei Senioren-Weihnachtsfeiern, in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Wichtige Veranstaltungen im Jahr 2016 sind wieder der Wettbewerb „Jugend musiziert“, der Tag der offenen Tür, das Musikschulfest im Tierpark, unser Schuljahreskonzert vor den Sommerferien im Theater Vorpommern, die Kulturnächte in Greifswald und Lund. Hoffentlich gelingt es ebenfalls, auch noch ein Orchesterkonzert gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester in den Terminplan einzubinden.

Letzte Frage: Wie beurteilen Sie ansonsten den Stellenwert der Kultur in M-V? Immerhin finden hier im Sommer jede Menge Festivals und Festspiele statt …

Carsten Witt: Die Kultur in M-V braucht immer großzügige Unterstützung, um in dieser Vielfalt bestehen bleiben zu können. Erwähnt werden muss dabei auch, dass in M-V im bundesweiten Vergleich relativ großzügige finanzielle Mittel durch die Landesregierung ausgereicht werden.

Dennoch können die großen Festivals in M-V nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass die Gelder in den Städten und Kommunen für kulturelle Einrichtungen und Vereine immer knapper werden, da wir uns sehr häufig bei den sogenannten „freiwilligen Aufgaben“ bewegen, bei denen leider der Rotstift immer als erstes angesetzt wird.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für die Musikschule Greifswald sowie Ihnen und den Absolventen der Musikschule Greifswald ein erfolgreiches 2016!

Marko Michels