Erste Pläne des Wismarer Müther-Archivs restauriert

Mit einem thermoplastischen Klebstoff schließt die Restauratorin Susanne Grzimek die zahlreichen Risse in den handgezeichneten Plänen von der Messehalle in Rostock. Bild: Hochschule Wismar/Lisa Zorn

Dienstag, der 10. Juli 2018, ist ein weiterer Meilenstein für die Erschließung des Nachlasses von Ulrich Müther. Mitarbeiterinnen des Müther-Archivs in der Hochschule Wismar konnten 35 frisch restaurierte Architektur- und Konstruktionspläne des bekannten Bauingenieurs und Protagonisten im Bereich der Schalenbauten, Ulrich Müther, in Empfang nehmen. Die Berliner Papierrestauratorin Susanne Grzimek hat in den vergangenen Monaten die wertvollen handgezeichneten Pläne von zwei Projekten – der Messehalle in Rostock und der Bushaltestelle in Binz – bearbeitet. Diese können nun im Rahmen eines vom BMBF geförderten dreijährigen Projektes in Zusammenarbeit mit dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste Berlin weiter erschlossen und gelagert werden.

Schäden und deren schrittweise Behebung

Als die geknickten oder gerollten Architektur- und Konstruktionspläne aus dem Müther-Archiv in Wismar bei der Papierrestauratorin Susanne Grzimek in Berlin eintrafen, musste die Spezialistin ganz unterschiedliche Schäden aufnehmen. Zahlreiche Risse – meist an den Rändern – sowie einige Fehlstellen waren zu verzeichnen. Außerdem hatten alte Reparaturen mit ganz unterschiedlichen Selbstklebebändern ihre Spuren hinterlassen.

Ein Standard bei jeder Restaurierung ist die Trockenreinigung, der auch die Müther-Pläne in einem ersten Schritt unterzogen wurden. Besonderes Geschick erforderten dabei die Bleistiftzeichnungen und Notizen.

Die Hauptherausforderung war laut Susanne Grzimek die Entfernung der Selbstklebebänder vom Transparentpapier. Nach der Untersuchung, welche Klebebänder verwendet worden waren, mussten geeignete Lösungen für das Ablösen vom Transparentpapier entwickelt werden. Der Klebstoff wurde dafür teilweise mit Hitze aktiviert und Reststände zum Beispiel mit einem speziellen Radiergummi abgetragen.

In einem dritten Schritt konnten die Risse geschlossen werden. Hierbei kam Spezialpapier zum Einsatz, welches alterungsbeständig ist und eine hohe Reißfestigkeit hat. „Das verwendete Japanpapier ist sehr dünn und trotzdem sehr stabil. Da Transparentpapier eine sehr dichte Oberfläche hat und sehr wasserempfindlich ist, habe ich mit einem thermoplastischen Werkstoff gearbeitet, der auf das Papier aufgebügelt wird“, erläutert die Restauratorin ihr Vorgehen.

Der abschließende vierte Arbeitsschritt der Restaurierung war die teilweise Glättung der Pläne. Damit sich das Papier „entspannen“ konnte, wurde mit sehr geringer Feuchtigkeit und Gewichten gearbeitet.

Ausblick

Die 35 Pläne aus dem Müther-Archiv wurden in rund einem Monat reiner Arbeitszeit so restauriert, dass sie vor weiteren Schäden geschützt sind. Herkömmliche Alterungsspuren, wie zum Beispiel eine leichte Vergilbung, bleiben erhalten. „Unsere Hauptarbeit ist den Bestand, so wie er jetzt ist, zu sichern“, so Lisa Zorn, die als Projektmitarbeiterin in Berlin die Arbeit koordinierte. Die Pläne müssen nun liegend mit nur wenigen Blättern in einer Mappe gelagert werden. Im Zuge der Aufarbeitung des Nachlasses des innovativen DDR-Bauingenieurs können schrittweise weitere Pläne und Modelle restauriert werden.

Müther Archiv an der Hochschule Wismar

Seit April 2017 wird in Zusammenarbeit mit dem Baukunstarchiv der Akademie der Künste, Berlin, der an der Hochschule Wismar vorhandene Müthersche Nachlass in dem dreijährigen Verbundprojekt „Sonderbauten der DDR-Moderne“ zu einer nachhaltig nutzbaren Forschungs- und Lehreinrichtung entwickelt. Die systematische Erschließung des Archivs wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 470.000 Euro gefördert. Die Hochschule Wismar plant außerdem 250.000 Euro für Baumaßnahmen und Ausstattung einzusetzen. Die Projektergebnisse sollen Impulse für weitere Forschungen geben und das kulturelle Bewusstsein für die Nachkriegsmoderne – speziell für die DDR-Moderne – sensibilisieren.

Pressemitteilung der Hochschule Wismar