Schweriner gründeten ihren „RC § 11“ im Jahre 1871 …

Der Enthusiasmus für den Rudersport in Deutschland begründete sich aufgrund der Beziehungen zu England in Hamburg. Dort hatten sich 1830 Mitglieder der englischen Kolonie zum English Rowing Club zusammengetan. Bereits sechs Jahre später wurde nach diesem Vorbild – unter Teilnahme englischer Ruderer – der Hamburger Ruderclub gegründet. Im Jahr 1844 folgte dann die erste deutsche Ruderregatta. Ausgerichtet wurden jene Wettkämpfe von dem dafür extra ins Leben gerufenen Allgemeinen Alsterclub.

Die Streckenlänge betrug 4000 m – und die Sitze im Ruderboot waren noch fest. Die Ruderer selbst trugen Hemd und lange Hose sowie zumeist einen Strohhut. Übrigens mußten die Ruderer nicht nur ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen … Zudem waren die Regatten mit einem Fischerstechen und einer Entenjagd verbunden worden !

Erste Wettkämpfe zwischen deutschen und weiteren europäischen Rudersportlern gab es während der Weltausstellung 1867 in Paris; der „Germania-Ruderclub“ Hamburg, der dort die deutschen Farben vertrat, mußte allerdings noch viel Lehrgeld zahlen. Erst die „Germania Frankfurt“ konnte im Jahr 1874 bei Regatten in Rotterdam und in Amsterdam die ersten Siege gegen die europäische Konkurrenz erkämpfen. „Revolutionär“ für die weitere Entwicklung des Rudersportes in Deutschland war die Einführung der ersten englischen Ruderboote 1878 mit dem seit 1872 von Amerika her gebräuchlichen Rollsitz nach Berlin. Im gleichen Jahr entschlossen sich die deutschen Ruder-Funktionäre – erst 1883 wurde in Köln der Deutsche Ruderverband gegründet – die Ruder-Strecken auf 2000 m, wie auch international anerkannt, zu verkürzen.

Natürlich wurde ebenfalls die mecklenburgische Residenzstadt Schwerin von der allgemeinen Ruder-Begeisterung in Deutschland erfaßt. 1871 konstituierte sich hier der Rudersport: Der erste Verein war der „RC § 11“, der von den Herren Pagels, Joseph, Könecke, Lammers, Tesch, Lewerenz und Wiegels am 10.November 1871 begründet wurde. Nach dem Vorbild Hamburg wollte man ganz einfach „einen Ruderclub auf dem Schweriner See gründen“.

Das erste Ruder-Boot wurde vom Geheimen Kommerzienrat Francke auf „Helena“ getauft, welches mehrere Jahr vom Ruderclub genutzt wurde. Aufgrund des Zuspruchs unter den Schwerinern – bis 1872 zählte der Club 19 Mitglieder – wurde ein zweites Ruder-Boot, eine Zehnergig, in Wismar bestellt. Diese konnte 1873 geliefert werden. Als Vereinsvorsitzender fungierte der Zahnarzt Wilhelm Wiegels, der entscheidenden Anteil daran hatte, dass sich der Rudersport überhaupt in Schwerin organisierte.
 
Doch die Wismarer Zehnergig erwies sich für den Club als wenig brauchbar – und deshalb wurde sie bereits ein Jahr später an einige junge Schweriner, unter ihnen der Malermeister Otto Kemmer, verkauft, die daraufhin – 1874 – den Ruderverein „Schwerin“ gründeten.
Das „Erstboot“, die „Helena“, wurde ebenfalls verkauft. Die „Helena“ avancierte zum Stammboot des 1875 gegründeten Rudervereins „Vorwärts“, zu dessen Initiatoren wiederum Otto Kemmer, dazu der Ruderer Voß und weitere 6 Mitstreiter gehörten.

Im Frühjahr des Jahres 1875 erfolgte die Umbenennung des „RC § 11“ in „Obotrit“. Noch im gleichen Jahr wurde eine neue Zehnergig in Hamburg bestellt und nach Fertigstellung von Mitgliedern des Clubs von Hamburg durch die Elbe, Elde und den Störtal nach Schwerin gerudert.

RudernDie Ruderer und Ruderinnen waren auch in Schwerin nicht mehr „aufzuhalten“ …

M.Michels (M.Michels „Chronik des Schweriner Sportes von 1850 bis 1933, mit Dokumenten-Anhang und Fotos, Stadtsportbund Schwerin, 2000)

 

F.: Deutschland-Achter der Frauen 2008 mit der Rostockerin Nicole Zimmermann (A.: Nicole Zimmermann/privat)