Veranstaltung zur Wiedervernässung von Mooren in Salem

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neun Ländern diskutierten zwei Tage in Salem am Kummerower See über die Wiedervernässung von Mooren (Copyright: Universität Rostock/Franziska Schmacka)

In der vergangenen Woche diskutierten mehr als 50 Wissenschaftler in Salem am Kummerower See über die Ökologie wiedervernässter Moore. Der Workshop, der gemeinsam von den Universitäten Rostock, Aarhus und Greifswald, dem Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) sowie dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Müncheberg organisiert wurde, zog Experten der Moorforschung aus neun Ländern an.

Einstimmig kamen die Forscher zum Abschluss des Workshops überein, dass die positiven Effekte der Wiedervernässung von Mooren alle ungewollten Folgen überwiegen. Durch Wiedervernässung können die Kohlendioxidemissionen aus entwässerten Mooren sofort und dauerhaft gestoppt werden. Die anfänglich teilweise hohen Methanemissionen sinken mittelfristig wieder. Die Dauer hängt dabei von der jeweiligen Situation ab. Insgesamt geht Wiedervernässung daher mit einer deutlichen Senkung von Treibhausgasemissionen einher. Entgegen der bisherigen Vermutung zeigte sich, dass der Nährstoffaustrag aus wiedervernässten Mooren geringer ist, da die Nährstoffe entweder schnell umgewandelt oder fest gebunden werden. Wiedervernässte Moore tragen durch hohen Nitratrückhalt zur Verbesserung der Wasserqualität bei.

Es ist allgemein akzeptiert, dass es kaum möglich ist, den ursprünglichen Zustand, den die Moore vor der Entwässerung hatten, wiederherzustellen. Einst wurden Moore für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und zudem intensiv gedüngt.  Nach der Wiedervernässung entwickelte sich dann ein völlig neues Ökosystem. Während die prinzipiellen Prozesse und bestimmenden Faktoren dieser Ökosysteme bekannt sind, ist das Zusammenspiel dieser Faktoren in wiedervernässten Mooren und damit die Ausprägung des Prozessgeschehens noch weitgehend unerforscht.

Die Hydrologie in Bezug auf Stoffflüsse solcher Flächen muss, so ein weiteres Ergebnis des Workshops, genauer betrachtet werden. Die aufgrund von Sackung nach Entwässerung oft bei einer Wiedervernässung entstehenden flachen Seen, wie z.B. im nah gelegenen ehemaligen Polder Zarnekow im Peenetal werden mit Moorpflanzen zuwachsen und verlanden. Das massive Keimen und Schießen verschiedener Pflanzenarten im Polder Zarnekow und in anderen wiedervernässten Mooren weist darauf hin, dass Austrocknungsereignisse für die Entwicklung der Vegetation wichtiger sein könnten als bisher angenommen.

Wiedervernässte Moore bieten wegen ihrer hohen Wasserstände Rückzugsräume für viele Tiere. Besonders Vögel profitieren davon und nutzen solche Moore als Brut- und Rastplatz. Wiedervernässung muss aber land- und forstwirtschaftliche Nutzung nicht ausschließen. Paludikultur (z.B. das Ernten von Schilf und Rohrkolben) ist eine Möglichkeit, um wiedervernässte Moore produktiv zu nutzen und regionale Wertschöpfung zu erzielen. Die Wissenschaftler erwarten, dass damit sogar schneller der gewünschte Zielzustand erreicht werden kann. Denn Wiedervernässung gelingt am besten, wenn der Wasserstand gezielt reguliert wird, was sich eigentlich nur lohnt, wenn die Fläche auch genutzt wird.

„Moore sind Nahrung für unsere Seelen.“ sagte Holger Wandsleb vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, der die Forscher begrüßte. Er lobte den Ansatz des Projektes WETSCAPES, in dessen Rahmen der Workshop stattfand, Grundlagenforschung durchzuführen und die Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft zu transportieren. Dies erfolgt durch das Greifswald Moor Centrum, an dem der deutsche Moorschutzdialog und mehr als zehn Umsetzungsvorhaben für Wiedervernässung und Paludikultur durchführt werden. Die Wissenschaftler bilden mit ihren Erkenntnissen die Grundlage für Moor- und Klimaschutz sowie die nachhaltige Nutzung von Mooren. Das Projekt WETSCAPES ist Teil des Exzellenzforschungsprogrammes des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird mit 5 Millionen Euro für vier Jahre an den Universitäten Rostock und Greifswald gefördert.

Pressemitteilung der Universität Rostock