Auf das große schriftliche Kulturerbe verwies Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff anlässlich der 850-Jahr-Feier des ältesten Schriftdokuments in Mecklenburg am 18. Januar im Schweriner Schloss: „Unsere Archive sind reich bestückt. Allein das seit Jahrhunderten gewachsene Landeshauptarchiv gehört nicht nur zu den größten Archiven Norddeutschlands, sondern sogar des gesamten Ostseeraums“, sagte der Ministerpräsident.

Im Januar des Jahres 1158 wurde in Rom vom Papst Hadrian IV. und 20 Kardinälen ein feierliches Privileg unterschrieben, mit dem die Stiftung des Bistums zu Ratzeburg durch Herzog Heinrich den Löwen bestätigt wurde. Diese Urkunde ist das älteste hier erhaltene Schriftstück des Landes und befindet sich im Besitz des Landesarchivs.

„Die in den Archiven gesammelten Urkunden, Akten und sonstigen Schriftstücke sind wichtige Zeugen der Entwicklung unseres Landes. Sie sind Teil unserer Erinnerungskultur und dienen unserem kollektiven Gedächtnis. Aus diesen Dokumenten erschließt sich uns, wie frühere Generationen ihre Rechtsgeschäfte regelten, Handel betrieben und politisch agierten. Archive dienen auch dazu, dass Geschichte nicht nur aus subjektiv gefärbten Erinnerungen, Erzählungen und Mythen überliefert wird. Das ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, denn wuchernde Legenden haben gerade in der Geschichte des 20. Jahrhunderts eine brisante Rolle gespielt“, so Ringstorff weiter.

So seien Archivbestände für Historiker wahre Fundgruben. Längst vergangene Welt werde wieder lebendig. Dass das Interesse an Archiven groß ist, unterstreiche auch ein reger Publikumsverkehr. „Und deshalb ist es auch gut, dass sie sich auch als Dienstleister für Forschung und Bildung verstehen.“

Doch gehe die Bedeutung der Archive weit darüber hinaus: „Gerade bei der Aufarbeitung unserer jüngeren geschichtlichen Vergangenheit im Zusammenhang mit der Klärung offener Vermögensfragen, der Erstellung von Rentenbescheiden und Rehabilitationsverfahren haben die Archive eine sehr wichtige Arbeit geleistet.“

Der Ministerpräsident hob hervor, dass ein funktionierendes Archivwesen wichtig bleibt. „Deshalb ist auch die Landesregierung bemüht, insbesondere die Bedingungen für den Fachbereich Landesarchiv weiter zu verbessern. Seit den 90er Jahren wurde in mehreren Bauabschnitten der Gebäudekomplex in der Graf-Schack-Allee instand gesetzt. Allein für die Bauunterhaltung und die großen Baumaßnahmen wurden mehr als 2,6 Millionen Euro aufgewendet. In einem weiteren Bauabschnitt ist nun das traditionelle Verwaltungsgebäude an der Reihe. Das bedeutet alles in allem weitere rund drei Millionen Euro.“

Der Ministerpräsident forderte dazu auf, den Anlass nicht nur zu nutzen, um den Blick zurück in die lange und bewegte Vergangenheit unseres Landes zu richten: „Ebenso müssen wir den Blick nach vorn richten. Auch im Zeitalter der modernen Nachrichtentechniken, elektronischen Akten und sekundenschnellen Datenübermittlung ist es wichtig, Informationen für die Nachwelt zu erhalten.“ Hierin bestünde die besondere Aufgabe der jungen Archivarinnen und Archivare.