Ehrenpreis an Iris Berben

Der wichtigste Teil des 27.Filmkunstfestes 2017 vom 2.Mai bis 7.Mai ist vollbracht. Die einzelnen Preise wurde bei der Festveranstaltung am Abend des 6.Mai im CAPITOL Schwerin vergeben.

  1. Der Hauptpreis, der „Fliegende Ochse“, gestiftet von der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dotiert mit 10.000 Euro, geht an den deutschen Film

„Die Tochter“ (2017), Regie und Drehbuch: Mascha Schilinski

Inhalt: Nach 2 Jahren der Trennung entdecken Jimmy und Hannah wieder Gefühle füreinander – sehr zum Missfallen ihrer 7-jährigen Tochter Luca…

Begründung der Spielfilmjury (Heike Parplies, Annett Renneberg, Christian Schwochow, Lutz Seiler, Wolfgang Winkler): Ein Film, der uns alle stark berührt hat und den wir einstimmig mit dem Hauptpreis auszeichnen. Der Film „Die Tochter“ erzählt in spektakulären Bildern und eindringlichen Szenen die scheinbar alltägliche Geschichte eines Kindes nach der Trennung seiner Eltern. Das siebenjährige Mädchen wird auf herausragende Weise gespielt von Helena Zengel. Ihre Darstellung trägt diesen Film und lässt uns teilhaben an der Verletzlichkeit und den Ängsten eines Kindes nach dem Zerbrechen der gewohnten häuslichen Welt. Artemis Chalkidou als Mutter und Karsten Antonio Mielke als Vater verleihen den beiden Figuren des Elternpaars in authentischen, lebensechten Dialogen eine künstlerische Qualität, die uns überzeugt. Ein fulminantes Regiedebüt von Mascha Schilinski, die den Mut hatte, eine scheinbar unspektakuläre Thematik wie diese in ihrem Drehbuch aufzugreifen und in Szene zu setzen. Ein kluger Film, gezeichnet von hoher Beobachtungsgabe und besonderer Genauigkeit in der Figurenführung. Mascha Schilinski ist eine starke Erzählerin, von der wir uns noch viele Filme wünschen.

  1. Den NDR-Regiepreis, gestiftet vom Norddeutschen Rundfunk – NDR, dotiert mit 5.000 Euro, geht an die österreichisch-deutsche Koproduktion 

„Die beste aller Welten“ (2017), Regie und Drehbuch: Adrian Goiginger

Inhalt: Helga bedeutet ihr 7jähriger Sohn Adrian alles. Aber sie und ihre Clique sind abhängig – von Heroin. Eine schwierige, autobiografisch inspirierte Mutter- Sohn-Beziehung aus kindlicher Perspektive.

Begründung der Spielfilmjury: Der Film „Die beste aller Welten“, in der der Regiesseur Adrian Goiginger seine eigene Geschichte erzählt, begeistert uns mit seinem brillanten Darstellerensemble, allen voran der siebenjährige Jeremy Miliker. Der Film erzählt mit einer frappierenden Realitätsnähe von einer drogensüchtigen jungen Mutter, die alles versucht, ihrem Kind Inseln von Wärme und Geborgenheit zu schaffen. Was uns besonders beeindruckt, ist die Besetzung und präzise Schauspielführung bis in die kleinste Nebenrolle hinein und die Genauigkeit in allen gestalterischen Bereichen. Ein mit Film mit Sogwirkung! Lieber Adrian Goiginger, dein Film hat uns tief bewegt.

  1. Der Förderpreis der DEFA-Stiftung, dotiert mit 4.000 Euro, geht an den deutschen Film „Back for Good“ (2017), Regie und Drehbuch: Mia Spengler, Ko-Autorin: Stefanie Schmitz

Inhalt: Frisch nach dem Drogenentzug muss Trash-TV-Star Angie wieder zurück ins Provinzkaff zu ihrer Mutter. Ein Blick in die Welt der C-Prominenz.

Begründung der Spielfilmjury: „Back for Good“ erzählt vom Privatleben eines scheiternden Realitystars. Mit Angie erleben wir eine erschütternde Reise in eine Welt, die uns fremd und abstoßend erscheint – trotzdem gelingt es Mia Spengler uns für ihre Hauptfigur einzunehmen und ihre Geschichte nicht aus der Distanz, sondern mit großer emotionaler Anteilnahme zu erzählen. Wir haben geweint und gelacht und mit Angie gehofft, dass sie ihren Platz im Leben findet.

Mia Spengler ist ein eigenwilliger und mitreißender Film gelungen!

  1. Den Nachwuchsdarstellerpreis, gestiftet von den Stadtwerken Schwerin, dotiert mit 2.500 Euro, erhält Kim Riedle für ihre Rolle in dem deutschen Film „Back for Good“ (2017), Regie und Drehbuch: Mia Spengler, Ko-Autorin: Stefanie Schmitz

Begründung der Spielfilmjury: 

Eine kraftvolle Figur, die uns alle begeistert hat: Angie aus „Back for good“. Kim Riedle spielt in ihrer ersten Kinohauptrolle mit umwerfender Wandlungsfähigkeit und Virtuosität ein gescheitertes Reality-Starlet – stark geschminkt führt sie uns ganz ungeschminkt die Welt der C-Promis vor Augen. Ihr facettenreiches Spiel wechselt zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, auf ergreifende Weise verkörpert sie die Figur der Angie.

  1. Der Preis für die beste Musik- und Tongestaltung, gestiftet von Studio Mitte Filmpostproduktion mit Unterstützung von Steinberg Media Technologies GmbH (Sachleistungen im Wert von 4.000 Euro) geht an

Claudio Demel (Original-Ton, Sound-Editor), Bernhard Köpke (Ton) und Annagemina (Musik) für ihre Leistungen in dem deutschen Film „Die Tochter“ (2017), Regie und Drehbuch: Mascha Schilinski

Begründung der Spielfilmjury und Jörg Höhne (Beratung):

Die bild- und tongewaltige Exposition des Films „Die Tochter“ ergreift und entführt uns in die emotionale Welt eines Kindes, dessen Leben seit der Trennung seiner Eltern aus der Bahn geworfen wurde. Das Sounddesign des Teams um Claudio Demel und die Musik von Annagemina erzählen uns viel über den Seelenzustand eines kleinen Mädchens, ihren Verlustängsten und inneren Dämonen. Wir werden von der Musik und den Klängen ergriffen, die das großartige Spiel der Darsteller unterstützen und um eine eigenständige Ebene erweitern.

Der Preis geht an Mascha Schilinski, das Team um Claudio Demel und Annagemina.

  1. Den Publikumspreis, gestiftet von der Schweriner Volkszeitung, dotiert mit 2.500 Euro, erhält aus dem Spielfilmwettbewerb der Film „Die beste aller Welten“ (2017), Regie und Drehbuch: Adrian Goiginger

Der Film erhielt bei den Abstimmungen die beste Durchschnittsbewertung eines Spielfilms im Wettbewerb, nämlich 4,62 auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 5 (ausgezeichnet). Abgegebene Stimmen: 1434.

  1. Den FIPRESCI-Award (Internationale Filmkritikervereinigung; undotiert) erhält der deutsche Beitrag im Spielfilmwettbewerb „Back for Good“ (2017), Regie und Drehbuch: Mia Spengler, Ko-Autorin: Stefanie Schmitz

Begründung der FIPRESCI-Jury (Peter Holdener, Andreas-Parwis Wirwalski, Sabina Zeithammer): Hinter handgestrickten Stars und ihren Internetprofilen verbergen sich normale Menschen mit ihren alltäglichen Sorgen. In ihrem Langfilmdebüt schildert die Regisseurin die Sehnsucht nach Erfüllung und Anerkennung. Ihre präzise Beobachtungsweise ohne moralischen Zeigefinger beeindruckt durch drei berührende Frauenschicksale, verkörpert durch drei grandiose Schauspielerinnen. Mit den Mitteln der Doku-Fiction entsteht ein klischeefreies und dichtes Sozialporträt. Für diese Leistung vergibt die FIPRESCI-Jury ihren Preis an „Back for Good“ von Mia Spengler.

  1. Der LEO-Kinder und Jugendpreis, dotiert mit 7.500 Euro, gestiftet vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für den besten Beitrag im Jugendfilmwettbewerb geht an den österreichischen Film

„Maikäfer, flieg!“ (2016), Regie und Drehbuch: Mirjam Unger. Ko-Autorin: Sandra Bohle

Inhalt: Wien 1945. Das Ende des 2. Weltkriegs ist für die 9-jährige Christl ebenso Schrecken wie Abenteuer. Verfilmung des Romans von Christine Nöstlinger.

Begründung der Jugendjury Simaf Peiro, Emily Carabut, Karolina Zyczyriska, Svea Lillge, Johanna Taube, Cassedy Meier, Antonia Schernau: Was uns am Preisträgerfilm besonders überzeugt hat, ist die unglaublich mitreißende Geschichte, welche sehr emotional war, und die realistische und anschauliche Umsetzung des ziemlich schwierigen, ernsten Themas.

Ein großes Lob geht auch an die überzeugenden Schauspieler und Schauspielerinnen, welche den Film besonders authentisch wirken ließen. Besonders durch die kindliche Perspektive sowie die beeindruckend realitätsnahen Kulissen, übertrugen sich die Emotionen der Figuren besonders echt und nachvollziehbar. Unser persönlicher Favorit ist „Maikäfer, flieg!“ von Regisseurin Mirjam Unger.

Der LEO-Preis wurde von Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, übergeben.

  1. Preise im Dokumentarfilm-Wettbewerb:

Die Dokumentarfilmjury Grit Lemke, Helke Misselwitz, Britta Wauer spricht für folgende Filme Lobende Erwähnungen aus:

„Als Paul über das Meer kam“ (Deutschland 2017, Regie und Drehbuch: Jakob Preuss)

„Mirr“ (Schweiz 2016, Regie und Drehbuch: Mehdi Sahebi)

„Ohne diese Welt“ (Deutschland/Argentinien 2017, Regie und Drehbuch: Nora Fingscheidt)

Der Preis für den besten Dokumentarfilm im Wettbewerb, gestiftet von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, dotiert mit 5.000 Euro, geht an den deutschen Beitrag:

„Liebes Ich,“ (2017) Regie und Drehbuch: Luise Makarov Inhalt: „Schreib dir selbst den Brief, den du schon immer bekommen wolltest“, lautete der öffentliche Aufruf der Regisseurin, auf den sie über 100 Briefe erhielt…

Begründung der Jury: Schönheit entsteht durch Wahrhaftigkeit. Der Film erzählt mit Leichtigkeit und Tiefgang von einer Reise zu uns selbst. Die Regisseurin überrascht uns mit Offenherzigkeit, Respekt, Anstand, Sinnlichkeit, Geduld und Zärtlichkeit den Menschen gegenüber, denen Sie begegnet. Sie dreht in Situationen, die man gewöhnlich im Spielfilm herstellt. Dabei ist sie immer allein mit dem Gegenüber, dreht mit einer kleinen Kamera und nimmt den Ton auf. Verzauberung, Komik und Schmerz, die wir beim Betrachten empfinden, bewirkt auch die kluge Montage, die das Material musikalisch strukturiert, das Zeitvergehen mühelos erscheinen lässt und durch Auslassungen und Wiederbegegnungen einen eigenwilligen Rhythmus schafft. An einer Stelle des Films sagt die Regisseurin „Je mehr Menschen und Geschichten ich kennenlerne, umso mehr bekomme ich Lust auf mein eigenes Leben.“ Wir auch.

  1. Der Preis für den Besten Kurzfilm im Wettbewerb, gestiftet von der Landeshauptstadt Schwerin, dotiert mit 4.000 Euro, geht an

„PIX“. Österreich, 2017 (10 Minuten). Regie und Drehbuch: Sophie Linnenbaum

Inhalt: Babyfotos, Urlaubsbilder, Hochzeitsfotos – unser Leben ist eine endlose Abfolge fotogener Momente…

Begründung der Kurzfilmjury (Susanne Bormann, Odine Johne, Alexander Lahl): Der Film, den wir auszeichnen möchten, ist eine Jagd. Eine Jagd nach dem besten Bild. Ein Leben rauscht vorbei, blitzschnell. Geburt, Kindergeburtstag, Einschulung, Hochzeit und so fort. Teilnahmslos hecheln die Protagonisten von einem Beweisfoto zum nächsten, um sich des persönlichen Glücks zu versichern. Das eigentliche Leben verschwindet dahinter, die Inszenierung bedeutet alles.

Technisch raffiniert und trickreich thematisiert der Film nicht nur die Flut, sondern vor allem die Gleichförmigkeit unserer Bildgewohnheiten. Er eröffnet Raum über die Frage nachzudenken: Wie konstruieren wir unsere Erinnerung? Was bleibt, wenn wir unser Leben auf eine Aneinanderreihung inszenierter Glücksmomente komprimieren?

Ein feiner philosophischer Film in einer sehr eigenen künstlerischen Form.

Der Ehrenpreis des 27. FILMKUNSTFESTs Mecklenburg-Vorpommern, der „Goldene Ochse“, geht an die Schauspielerin Iris Berben

Der Ehrenpreis wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg- Vorpommern und Schirmherrn des Festivals, Erwin Sellering, übergeben.

Gewinner der Kurzfilmnacht im Schweriner Speicher – Publikumsentscheidungen:

  1. Platz: „Our Wonderful Nature – The Common Chameleon. Regie: Tomer Eshed.
  2. Platz: „Über Druck“, Regie: Sebastian Binder.
  3. Platz: „Nachspiel“, Regie: Ralf Beyerle.

© FILMLAND MV gGmbH, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 6. Mai 2017