Seit Jahrzehnten ist Rostock Hochburg im Wasserspringen

Die Europameisterschaften im Wasserspringen Ende Mai im niederländischen Eindhoven waren eine wichtige Generalprobe für die europäischen Springerinnen und Springer im Hinblick auf Olympia in London, wenn die vermeintlich übermächtige Konkurrenz aus China, Nordamerika oder Australien hinzu kommt.

Die Akzente bei den EM im Wasserspringen 2012 indes setzten die Starterinnen und Starter aus der Ukraine (2 x Gold/insgesamt 7 Medaillen), aus Deutschland (1 x Gold/insgesamt 6 Medaillen) und Russland (1 x Gold/insgesamt 6 Medaillen. Weitere Titel gingen an Frankreich (2 x Gold/insgesamt 3 Medaillen), Schweden (2 x Gold/insgesamt 2 Medaillen) und  Großbritannien (1 x Gold/insgesamt eine Medaille). Italien erkämpfte zweimal Silber.

Für die Glanzpunkte aus deutscher Sicht sorgten Patrick Hausding (Synchron-Gold mit Sascha Klein vom 10 Meter Turm / Synchron-Silber mit Stephan Feck vom 3 Meter Brett / Silber vom 3 Meter Brett) bei den Herren sowie Uschi Freitag (Silber vom 3 Meter Brett), Maria Kurjo (Bronze vom 10 Meter Turm) und Nora Subschinski/Christin Steuer (Synchron-Bronze vom 10 Meter Turm).

Die deutschen Wasserspringerinnen und Wasserspringer können also mit viel Selbstbewußtsein nach London blicken …

Auch M-V hat eine große Tradition im Wasserspringen. Gerade „Wasserspringen und Rostock“ – das ist seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte. Namen wie Ingrid Engel-Krämer, die 1964 Gold im Kunst- und Turmspringen erkämpfte, Christa Köhler, die 1976 im Kunstspringen Silber holte, Martina Proeber, die 1980 im Kunstspringen den Silberplatz belegte, Annika Walter, die 1996 im Turmspringen Silber ersprang oder Dörte Lindner, die 2000 Bronze im Kunstspringen errang stehen für die olympische Erfolgsgeschichte des Rostocker Wasserspringens.

Hinter diesen Erfolgen stehen aber auch renommierte Trainer, wie Max Kienast, Monika Dietrich oder Edgar Koppe. Mal schauen, wer die olympischen Medaillen im Wasserspringen in London gewinnen wird … Der maritime olympische Countdown läuft.
Und: Was meint eine der renommiertesten Trainerinnen in M-V zu den olympischen Konkurrenzen im Wasserspringen, zu den Ergebnissen der heimischen Springer und über die kommenden Wettbewerbe in M-V?!

Nachgefragt bei Rostocks Erfolgs-Trainerin Monika Dietrich

„Unsere Springer hatten eine sehr gute Hallen-Saison …“

Frage: Auch für die Wasserspringer läuft der olympische Countdown. Zunächst fanden jedoch noch die EM in Eindhoven statt. Wie beurteilen Sie das internationale Kräfteverhältnis im Wasserspringen vor London? Mit wem rechnen Sie aus deutscher Sicht?

Monika Dietrich: Das Kräfteverhältnis im Wasserspringen wird eindeutig weiterhin von den chinesischen Springern bestimmt. Daran ändern auch nichts die hervorragenden Leistungen von Thomas Daley (Großbritannien) und  Anna Lindberg (Schweden) oder der Sieg der deutschen Herren im Synchronspringen vom Turm bei den EM in Eindhoven.

Allerdings gibt es mehr Länder als zuvor, die in der Lage sind, den einen oder anderen Einzel-Könner in den Wettkampf zu schicken, der den chinesischen Springern dann auch den einen oder anderen Sieg streitig machen könnte. … Zum Glück gehören auch Springer aus Deutschland dazu.

Kanada und Australien haben ebenfalls  erfahrene Springer in der Weltspitze. Mexiko ist zudem ein traditionelles Wasserspringerland. Des Weiteren haben die Ukraine und Russland viele junge Springer in ihren Reihen, die international nahtlos aus dem Jugend-Bereich in die offene Klasse vorgedrungen sind und unbelastet ihre starken Programme auf hohem Niveau zeigen. Großbritannien setzt auf einen Mix aus älteren Springern und einer jungen Garde. Damit sind sie in den letzten Jahren gut gefahren. Bisher konnte man sehen, dass das Team mit dem Druck, die Spiele im Heimatland zu haben, gut zurecht kam.

Die deutschen Springer möchten bei der Vergabe der Medaillen bei den olympischen Entscheidungen auch ein Wörtchen mitreden. Sascha Klein und Patrick Hausding sind sowohl in den Einzel-Disziplinen als auch im Synchronspringen vom Turm zu beachten. Bei den Damen liegt der Fokus aus deutscher Sicht ebenfalls auf dem Turmspringen. Das Synchron-Paar Steuer/Subschinski ist diesbezüglich konkurrenzfähig. Das Team der Wasserspringer wird letztendlich erst an diesem Wochenende (Ende Mai) nominiert – nach den Deutschen Meisterschaften in Berlin …

Frage: Wie lautet Ihr Jahres-Zwischen-Resümee – nach den ersten fünf Monaten des Jahres – in der Wassersprung-Hochburg Rostock? Welche Erfolge und Wettkämpfe waren die Highlights zwischen Januar und Mai 2012?

Monika Dietrich: Rostocks Wasserspringer haben eine gute Hallen-Saison gezeigt und zahlreiche Meisterschafts-Medaillen gewonnen. International waren auch einige Springer am Start.

Maxim Jerjomin belegte beim Jugend-Meeting in Dresden einen hervorragenden zweiten Platz vom Ein-Meter-Brett.  Dabei waren Sportler aus über 20 Ländern am Start. Lene Krüger und Saskia Oettinghaus konnten dann in Amsterdam beim dortigen Jugend-Meeting in jeder Disziplin das Siegerpodest erklimmen.

Bei den Meisterschaften der Jugend A/B am vergangenen Wochenende (Mitte Mai) qualifizierte sich Maxim übrigens  in drei Disziplinen für die JEM und erkämpfte dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Saskia Oettinghaus war bei diesem Wettkampf in der B-Jugend ebenfalls sehr erfolgreich (dreimal Silber, einmal Bronze).

Frage: Welche weiteren Wettbewerbe warten noch auf die Wasserspringer und Wassersprung-Fans in Rostock in diesem Jahr?

Monika Dietrich: Ende Juni haben wir in Rostock die C- Jugendmeisterschaft. Da hoffen wir auf starke Auftritte von Lene Krüger, Anna Shyrykhay, Ulli Schmalisch, Henning Füller und einigen anderen aus der Trainingsgruppe von Christa Kinast und Simone Pietsch.

Dann weiter maximale Erfolge für das Wasserspringen in M-V, speziell in Rostock!

Marko Michels