Wismarer Wissenschaftler und Norweger entwickeln Kunststoff der neuen Generation

Auf der heutigen 3. Landesstrategiekonferenz Wissenschaft und Wirtschaft zum Thema Verbundforschung in der Hansestadt Wismar hat Wirtschaftsminister Jürgen Seidel Vertretern der Hochschule Wismar und der norwegischen Jackon GmbH einen Förderbescheid in Höhe von 2,0 Mio. Euro übergeben. Wismarer Wissenschaftler und Experten des Kunststoffproduzenten arbeiten und forschen an einem expandierbaren Thermoplast der neuen Generation mit deutlich verbesserten Werkstoffeigenschaften sowie an neuartigen Produktionsverfahren.

 „Im Land registrieren wir eine deutlich steigende Nachfrage und ein großes Interesse an der neuen Verbundforschung“, betonte Seidel. „Von der Umsetzung der Vorhaben erwarten wir eine höhere Wertschöpfung in den Unternehmen des Landes. Mit der neuen Ausrichtung der Technologie- und Forschungsförderung stärken wir vor allem mittelständische Firmen, die sich mit ihren Produkten dem internationalen Markt stellen.“

Das Wismarer Projekt – Klimaschutz durch Kunststoffindustrie

Der erwünschte Entwicklungsschub soll sich, wie am Wismarer Beispiel praktiziert, insbesondere durch neue hochwertige und dauerhafte Arbeitsplätze auszeichnen. So plant der skandinavische Marktführer Jackon bis zum Jahr 2012 seine Produktionskapazitäten zu verdoppeln, 30 Mio. Euro am Standort Wismar zu investieren und bis zu 40 neue Arbeitskräfte zu beschäftigen. Das modernste Werk seiner Art in Europa produziert gegenwärtig in Wismar jährlich mit seinen 76 Mitarbeitern 70.000 Tonnen Polystyrol. Der thermoplastische Grundstoff wird in der weiterverarbeitenden Industrie zum Teil bis auf das achtzigfache Volumen aufgeschäumt und hauptsächlich als Verpackungsmaterial oder als Dämm- und Isolierstoff im Bau eingesetzt.

In Kooperation mit dem zur Hochschule Wismar gehörenden Institut für Oberflächen- und Dünnschichttechnik und dem Institut für Polymertechnologien e. V. sollen durch Beimischung von festen Nanopartikeln die Druckfestigkeit und Wärmeisolation der Endprodukte um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Dabei ist die Aufgabe der Wismarer Werkstoffexperten, die stabilisierenden Nanoteilchen in Pulverform wie beispielsweise Kohlenstoff, Silizium oder Graphit gleichmäßig im aufgeschäumten Kunststoff zu verteilen. Die optimale Mischung soll den Übergang in eine neue Generation an Polymeren eröffnen, die zu einer erheblichen Reduzierung des Materialaufwandes und wesentlich besseren Umweltwerten führt. Parallel dazu testen die Norweger in Wismar in einem Forschungsreaktor ein von ihnen entwickeltes, weltweit neues Produktionsverfahren, in dem Polystyrol nicht mehr nur aus flüssigen, sondern aus festen und flüssigen Bestandteilen hergestellt wird. Der so genannte Seed-Prozess (Seed = Saatkorn) ermöglicht dem Wismarer Unternehmen, vielfältig einsetzbare Spezialpolymere für wachsende klimaschonende Zukunftsmärkte herzustellen.

 Das landesweite Ziel – attraktive Arbeitsplätze mit Zukunft

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel und Bildungsminister Henry Tesch bezeichneten das Wismarer Modell als Beispiel für die Zielsetzung der Verbundforschung. An dem Forschungsprojekt wirken unter anderem auch junge Nachwuchskräfte im dualen Studium aus dem Maschinenbau an der Hochschule Wismar mit. Derartige wirtschaftsnahe Studiengänge sichern über die Dauer der Ausbildung und darüber hinaus einen unmittelbaren Praxisbezug.

„Die Verbundforschung in Mecklenburg-Vorpommern gewinnt an Zugkraft“, unterstrich Seidel. Durch das Wirtschaftsministerium wurden inzwischen elf Verbundprojekte mit einem Investitionsvolumen von 20,8 Mio. Euro genehmigt, davon sind 11,0 Mio. Euro Zuschüsse. Allein in der Verbundforschung liegen aktuell weitere 21 Vorhaben mit einem Projektumfang von 35,0 Millionen Euro vor. Neu ist, dass die Nutzung des Wissens aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht mehr von der Finanzkraft des Unternehmens, sondern vielmehr von der Qualität der Projekte und der Zusammenarbeit im Land abhängt. Absolute Priorität genießen dabei Vorhaben, die zu international wettbewerbsfähigen Produkten, Verfahren und Arbeitsplätzen in Mecklenburg-Vorpommern führen.

„Die verbesserten Rahmenbedingungen und eine ganze Palette an neuen Maßnahmen in der Technologieförderung und bei innovativen Existenzgründungen machen den Weg für kleinere Unternehmen für zukunftsweisende Forschungs- und Entwicklungsprojekte frei“, so Seidel. „Wir wollen langfristige strategische Partnerschaften und funktionierende Netzwerkstrukturen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft aufbauen.“