Landrat Rolf Christiansen über die Entwicklung des Landkreises Ludwigslust-Parchim

Deutschland befindet sich in einem Wirtschafts- und Bau-Boom. Überall wird gewerkelt, neue Firmen-Standorte entstehen, neue Eigenheime ohnehin und auch die Straßen werden überall erneut. Anscheinend alle zeitglich, ob vom Kap Arkona bis zum Bayrischen Wald, was nicht gerade zur sommerlichen Belustigung der Autofahrerinnen und -fahrer beiträgt.

Ja, überall gibt es Neuerungen, ob neue Gesichter, neue Projekte und neue Herausforderungen in Politik, Kultur, Wirtschaft oder dem Sport. Dazu auch jede Menge sportlicher und kultureller Veranstaltungen. Ernste und weniger ernste Themen bestimmen die Diskussionen.

Das gilt nicht nur, aber auch für den Landkreis Ludwigslust-Parchim, der vom „ewigen Landrat“ Rolf Christiansen fast schon ein Vierteljahrhundert geprägt wurde. Rolf Christiansen war nämlich zunächst Landrat des Landkreises Ludwigslust von 1994 bis 2011 und seit 2011 Landrat des neuen Landkreises Ludwigslust-Parchim.

Wie beurteilt nun Landrat Rolf Christiansen die Situation in der Stadt Ludwigslust und im Landkreis Ludwigslust-Parchim zum Sommer-Start 2017?!

MV-SCHLAGZEILEN fragte nach

Landrat Rolf Christiansen über die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises Ludwigslust-Parchim, die Situation auf dem dortigen Arbeitsmarkt, die sportlichen und kulturellen Angebote der Region, weitere Ziele und Ambitionen

„Ludwigslust-Parchim ist ein wirtschaftlich starker Landkreis…“

Frage: Die offiziellen Statistiken stimmen, blickt man „hinter die Kulissen“, hinterfragt man die Zahlen, ob zum Arbeitsmarkt, zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Entwicklung in der EU sieht das „Ganze“ schon deutlich anders aus… Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche und „arbeitsmarkttechnische“ Situation des Landkreises Ludwigslust-Parchim in den letzten Monaten?

Rolf Christiansen: Ludwigslust-Parchim ist ein wirtschaftlich starker Landkreis, für Unternehmen der Ernährungswirtschaft und der Logistik sind wir ein ausgezeichneter Standort, aber auch andere Branchen sind sehr gut aufgestellt.

Das hängt mit unserer Lage zwischen Hamburg und Berlin zusammen, mit Infrastruktur und Ansiedlungsmöglichkeiten, mit unbürokratischer Verwaltung, mit starker Wirtschaftsförderung, mit dem intensiven Bemühen um Fachkräfte und weiteren Standortfaktoren mehr. Entsprechend gut hat sich die Situation über die Jahre auch auf dem Arbeitsmarkt entwickelt, die Arbeitslosenquote in Ludwigslust-Parchim liegt seit ein paar Monaten schon unter der 6-Prozent-Marke.

Frage: Sie sind ein erfahrener Landrat… Was waren die bisher größten Herausforderungen in den letzten Jahren für Sie? Was ist – subjektiv betrachtet – Ihr bislang größter Erfolg? Wo sagen Sie, das hätte eigentlich gelingen müssen?

Rolf Christansen: Außerordentlich gefordert hat uns alle die Kreisgebietsreform  von 2011 und das darin begründete Zusammengehen der damaligen Landkreise Parchim und Ludwigslust.

Beide Kreisverwaltungen mit insgesamt mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenzuführen, effektive und bürgernahe Strukturen aufzubauen und den erfolgreichen Kurs der Verwaltungsmodernisierung fortzusetzen – das war eine Mammut-Aufgabe.

Und wir arbeiten ja täglich weiter daran. Dazu zähle ich zum Beispiel den weiteren Ausbau unseres Bürgerbüro-Netzes, die konsequente Haushaltskonsolidierung, die weitere Verbesserung der Infrastruktur und manches mehr. Als Erfolg werte ich, dass wir heute dort stehen, wo wir sind. Wir haben gemeinsam viel geschafft. Und mit unserem Kreisentwicklungskonzept 2030 ist der Weg in eine gute Zukunft aufgezeigt.

Frage: Der Landkreis Ludwigslust-Parchim bietet gerade Sport nonstop, ob den Schloßgartenlauf in Ludwigslust, den Empor-Triathlon in Zarrentin, die Drachenboot-Rennen der Schulen in Grabow, das KNAX-Sportfest in Parchim oder die historische Rad-Veranstaltung Velo Classico. Zudem wurden in Ludwigslust solche Sportgrößen wie der Box-Olympiasieger von 1988 Andreas Zülow, der Olympia-Segler 1980 Wolfgang Wenzel, die Olympia-Turnerin 1952 Birgit Kiesler, die Olympia-Läuferin 1992 Birgit Jerschabek und die Olympia-Volleyballspielerin 1976 Gudrun Gärtner geboren.

Wie beurteilen Sie die heutige sportliche Infrastruktur in Ludwigslust-Parchim und die regionale sportliche Entwicklung?

Rolf Christiansen: In den Städten und Gemeinden unseres Landkreises bestehen mehr als 250 Vereine unter dem Dach des Kreissportbundes. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Sportarten, von Fußball über Motorsport bis zum Segeln. Als Landkreis fördern wir den Sport und die Sportstätten im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten.

Aber mindestens ebenso wichtig ist das Engagement der Aktiven in den Vereinen, der Übungsleiter und Trainer. Mit ihnen steht und fällt, ob ein Verein erfolgreich ist. Damit meine ich insbesondere auch den Breitensport. Wer das Leben in den Dörfern und Städten kennt, der weiß, wie wichtig solche Angebote sind, gerade für junge Leute.  Und ich freue mich über jede Sportveranstaltung, die wir im Landkreis haben.

Denn ob internationale Reitsportveranstaltungen in Redefin, die Velo Classico-Ausfahrten, spannende Volleyball- oder Fußballbegegnungen, Box- oder Ringerturniere, hochkarätige Motorsport-Events oder, oder, oder: Immer sind es attraktive Ereignisse für die Menschen im Landkreis und auch für unsere Gäste.

Frage: Ludwigslust ist auch eine Kultur- und Schloss-Stadt. In den Sommermonaten gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen zwischen Lindenfest und Festspiel-Sommer M-V. Eine große Anziehungskraft hat dabei das „Kleine Fest im großen Park“, das 2017 am 11. und 12.August stattfand. Wie beurteilen Sie persönlich die kulturellen Angebote im Landkreis? Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht das besagte „Kleine Fest im großen Park“?

Rolf Christiansen: Das „Kleine Fest im Großen Park“ in Ludwigslust  ist einer der kulturellen Leuchttürme im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Es ist eine von zahlreichen hochkarätigen Veranstaltungen, die die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern jährlich bieten. Im Festspielsommer 2017 finden bei uns 17 Veranstaltungen an 11 Spielorten statt.

Ob vor der Kulisse des Ludwigsluster Schlosses, auf dem Landgestüt Redefin, in der St. George-Kirche in Parchim, im denkmalgeschützten Kulturhaus Mestlin oder  in der Alten Synagoge in Hagenow. Über dieses enorme Engagement bin ich außerordentlich glücklich. Und es ist ja auch nur ein Teil eines beachtlich großen und vielfältigen Angebotes, zu dem ich alle Dorf- und Erntefest ebenso zähle wie etwa das Airbeat One-Festival mit mehr als 40.000 Besuchern, das Burgfest in Neustadt-Glewe und die Badewannenrallye in Plau am See, nicht zuletzt auch die Aktion Kunst Offen…

Ich bewerte es als ein bedeutendes Stück Lebensqualität, dass unser Landkreis über ein so großes Maß an Kulturangeboten verfügt, und das nicht nur in den Sommermonaten.

Letzte Frage: Welche Ziele möchten Sie in Ihrer Amtszeit unbedingt noch realisieren?

Rolf Christiansen: Weil wir gerade über Kultur sprachen: Der künftige Standort des Parchimer Theaters in der ehemaligen Eldemühle in unserer  Kreisstadt  liegt mir außerordentlich am Herzen. Ebenso arbeiten wir mit Hochdruck an einer Lösung für die Kreisfeuerwehrzentrale.

In Sachen Infrastruktur geht es ganz wesentlich um den Ausbau des Breitbandnetzes. Schnelles Internet ist ja nicht nur für private Haushalte ein Muss, gerade die Unternehmen sind darauf angewiesen. Der Bund auch das Land haben beachtlich viel Geld zur Verfügung gestellt, jetzt geht es an Ausschreibungen für die einzelnen Gebiete. Ein wenig wird es also noch dauern, bis wir von flächendeckender Breitbandversorgung bei uns im Landkreis sprechen können. Aber sie wird kommen.

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Landkreis Ludwigslust-Parchim und maximale Erfolge!

Die Fragen stellte: Marko Michels.

Fotos/Michels (3) / Foto Landrat Rolf Christiansen/Aufnahme: Merle Christiansen.