„Eurovision Song Contest“ auch von Interesse für M-V

Zwar gibt es in diesem Jahr im Frühsommer keine Europameisterschaft im Fußball, dafür jedoch wieder einmal „eine Europameisterschaft im Singen“.

Mai-Zeit ist „ESC“-Zeit

Im Mai ist nämlich – fast schon traditionell – Zeit für den „Eurovision Song Contest“, der einst „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hieß und mittlerweile aus dem musikalischen Jahreskalender nicht mehr wegzudenken ist.

Seit 1956 werden die europäischen „Goldkehlchen“ ermittelt: Deutschland zweimal vorn

Seit 1956, Austragungsort war Lugano, findet dieser Wettbewerb bereits statt und Deutschland ergatterte schon einige Podestplätze. Besonders erfolgreich war dabei aus deutscher Sicht vor allem Katja Ebstein, die 1970 und 1971 jeweils Dritte wurde und 1980 Platz zwei belegte. Bronze gab es 1972 auch für Mary Roos. Auf den Silber-Platz schaffte es 1981 Lena Valaitis und ein Jahr später durfte Deutschland richtig jubeln. Nicole konnte 1982 mit dem Song „Ein bisschen Frieden“ gewinnen.

Weitere vordere Platzierungen für „Germany“ ersangen die Gruppe „Wind“ (1985 und 1987 jeweils Zweite), „Mekado“ (1994 Dritte) und „Sürpriz“ (1999 Dritte). Aber für Gold-Momente pur sorgte dann Lena elf Jahre danach – ihr Song „Satellite“ begeisterte Europa 2010.

Zuletzt „Gold“ für die Ukraine

Den letzten Wettbewerb, 2016 in Stockholm, entschied die Ukrainerin Jamala mit dem Lied „1944“ vor Dami Im (Australien) mit dem Lied „Sound of Silence“, Sergej Lasarew (Russland) mit dem Lied „You Are the Only One“ und Poli Genowa (Bulgarien) mit dem Lied „If Love Was a Crime“ knapp für sich. Die Siegerinnen bzw. Sieger der letzten fünf Jahre kamen aus Schweden (2012 in Baku: Loreen mit „Euphoria“, 2015 in Wien: Mans Zelmerlöw mit „Heroes“), aus Dänemark (2013 in Malmö: Emmelie de Forest mit „Only Teardrops“), aus Österreich (2014 in Kopenhagen: Conchita Wurst mit „Rise Like a Phoenix“) und – wie erwähnt – aus der Ukraine (2016 in Stockholm: Jamala mit „1944“).

Die deutschen Starterinnen konnten hingegen in den letzten Jahren nur gering bis gar nicht punkten. So belegte Elaiza mit „Is It Right“ 2014 Platz 18, Ann Sophie mit „Black Smoke“ Platz 27 und Jamie-Lee mit „Ghost“ Platz 26.

Deutschland hofft 2017 auf „Levina“

In diesem Jahr wird nun Isabella Levina Lueen alias „Levina“, die sich im nationalen Vor-Entscheid am 9.Februar in Köln durchsetzte, den Song „Perfect Life“ für „Schwarz-Rot-Gold“ in Kiew singen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr alles perfekt gelingen wird und es zumindest eine Top Ten-Platzierung aus deutscher Sicht geben wird.

Große Diskussionen im Vorfeld von Kiew: Wenn die Politik für dissonante Töne sorgt…

Für große Diskussionen sorgte das Einreiseverbot der ukrainischen Behörden für die russische Sängerin Julija Samoilowa, die mit ihrem Song „Flame Is Burning“ in der ukrainischen Hauptstadt auftreten wollte. Der Grund ist schon mehr als ein vorgeschobener: Julia Samoilowa, die auch bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi sang, weilte vor knapp zwei Jahren auf der Krim und war dorthin nicht über das ukrainische Staatsgebiet gereist.

Da die Krim seit 2014 wieder zu Russland gehört – worüber es unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Westen und Russland gibt – und die Ukraine, deren Bestandteil die Krim seit 1954 war, diese „Angliederung“ an Russland nicht anerkannte, herrscht zwischen beiden einst befreundeten Ländern eine „politische Eiszeit“. Eine Folge ist, dass Personen, die nicht über die Ukraine auf die Krim reisen, mit einem dreijährigen Einreise-Verbot belegt werden – davon ist nun Julija Samoilowa betroffen.

Ein nicht akzeptables Vorgehen der Ukrainer, denn letztendlich hatte die russische Sängerin gegen keine Teilnahme-Regeln des „Eurovision Song Contests“ verstoßen. Da hätte man sich seitens der Veranstalter, der ukrainischen Gastgeber und auch der Politik mehr „Fingerspitzen-Gefühl“ gewünscht. Die Kultur, der Sport und das menschliche Miteinander sollte nicht zum „Spielball“ von Politikern „degradiert“ werden, ganz gleich – bezogen auf den Status der Krim – recht hat!

Russland zog seine Teilnahme am diesjährigen Wettbewerb zurück, so dass nur noch Sängerinnen und Sänger aus 42 Ländern in Kiew auftreten werden.

Erstes Halbfinale am 9.Mai – Finale am 13.Mai

Das erste Halbfinale wird am 9.Mai ausgetragen, das zweite Halbfinale folgt am 11.Mai. Und am 13.Mai wird sich entscheiden, wer die „Nummer eins“ beim 62.“Sing Sang“-Contest Europas sein wird.

So “richtige Hammer-Songs” mit entsprechenden charismatischen Interpreten waren in der Geschichte des Wettbewerbes allerdings längst nicht immer die Regel. Aber es gab natürlich stets auch herausragende Interpretinnen und Interpreten. Die Ukrainerin Ruslana verband zum Beispiel allerdings 2004 Stimme mit Anmut und wurde nicht nur in der Heimat ein Star. Sogar auf der Hamburger Fan-Meile während der Fußball-WM 2006 hatte sie starke Auftritte!

Stark in Szene setzen konnten sich beim europäischen Gesangswettbewerb auch ABBA 1974 mit ihrem Song “Waterloo”, Johnny Logan 1987 mit “Hold Me Now”, 1976 die Brotherhood of Man mit “Save Your Kisses For Me” oder 1968 Cliff Richard mit “Congratulations”.

Irland bis dato am erfolgreichsten

Die erfolgreichsten Länder waren bislang Irland mit sieben, Schweden mit sechs und Luxemburg, Großbritannien bzw. Frankreich mit jeweils fünf ersten Rängen. Insgesamt 26 Nationen durften sich seit 1956 über einen oder mehrere erste Ränge beim „ESC“ freuen.

Das interessierte Publikum kann jedenfalls dem 13.Mai entgegen fiebern und sicherlich gibt es auch die eine oder andere „Eurovision Song Contest“-Party in Schwerin, in Rostock bzw. in ganz MV.

Übrigens: Wie verlief einst ein Gespräch zwischen Vater und Sohn?! Meinte Fritz zu Fritzchen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange sitzen muss, nur weil ich gestanden und gesungen habe…“

Tja, stehen und singen sollte man daher an den richtigen Orten zur richtigen Zeit und zu den richtigen Themen!

Marko Michels

Foto (Michels): Nicole bei einem Besuch 2008 in Wismar.