Institut für Informatik der Universität Rostock baut Kooperation mit Partnern in Asien aus

Mitarbeiter des Instituts für Informatik der Universität Rostock nutzen die vorlesungsfreie Zeit, um internationale Kontakte zu pflegen und die Kooperation weiter auszubauen. Zu diesem Zweck reiste eine Gruppe von Wissenschaftlern Anfang März nach Teheran. Eine zweite Gruppe kehrte zum gleichen Zeitpunkt aus China zurück. Auch nach Armenien werden enge Verbindungen geknüpft. „Die Inter- nationalisierung in Forschung und Lehre treibt uns an. Auf diesem Gebiet setzt die Informatik der Universität Rostock Maßstäbe“, sagte Prof. Dr. Djamshid Tavangarian, Lehrstuhl für Rechnerarchitektur.

Vom 22. bis 27. Februar 2011 nahmen Prof. Adelinde Uhrmacher, Dr. Roland Ewald und Dr. Jan Himmelspach vom Institut für Informatik an dem deutsch-chinesischen Symposium über effiziente Methoden zur Simulation in Changsha, Hauptstadt der Provinz Hunan, China teil. Das Symposium wurde von Prof. Adelinde Uhrmacher und ihrem chinesischen Kooperationspartner Prof. Yiping Yao von der National University of Defense Technology (NUDT) in Changsha initiiert und durch das Deutsch-Chinesische Zentrum für Wissenschaftsförderung finanziert. Prof. Uhrmacher hob die langjährigen guten Beziehungen zur NUDT hervor. Forscher der NUDT waren zwischen 2008 und 2009 in Rostock zu Gast.

An der NUDT haben chinesische Wissenschaftler den zurzeit schnellsten Computer der Welt entwickelt. Der „Tianhe-1A“ getaufte Rechner wird unter anderem dazu genutzt, um biologische Vorgänge in Zellen, mögliche Risiken moderner Technologien und den Klimawandel besser nachvollziehen und verstehen zu können. Grundlage hierzu sind effiziente und effektive Simulationsmethoden. Die während des Symposiums entwickelten Ideen werden dazu dienen, etablierte Kooperationen zu intensivieren, neue zu begründen und die Forschung im Bereich der Simulation in bilateralen Projekten zwischen beiden Ländern voranzutreiben.

Ebenfalls Anfang März 2011 reisten Dr. Niels Lohmann und Mario Donick (M.A.) als Delegation der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik an die Universität Teheran (Iran), um sich dort mit Studierenden zu treffen, die sich für das Programm „IT, Culture & Gender“ beworben haben. Das von Prof. Dr. Djamshid Tavangarian geleitete und seit 2010 vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanzierte Programm erlaubt es erfolgreichen iranischen Bewerbern, für bis zu 8 Monate nach Rostock zu kommen und an den Rostocker Lehrstühlen für ihre Master-Arbeiten zu forschen.

Von dieser Möglichkeit machten im letzten Durchgang bereits 10 iranische Studentinnen und Studenten Gebrauch, die bis Ende 2010 in Rostock weilten. Die nächsten iranischen Studierenden werden im Mai 2011 in Rostock erwartet. Es ist geplant, das Projekt auch 2012 fortzuführen. Aufgabe der Rostocker Delegation war es, in Teheran die Universität Rostock und die Fakultät vorzustellen, Interviews mit den Bewerbern durchzuführen und wissenschaftliche Vorträge der Bewerber zu bewerten. „Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Bewerber positiv mit der Qualität ihrer Vorträge überrascht“, so Dr. Niels Lohmann.

Unter den Bewerbern für den zweiten Durchgang waren auch in diesem Jahr fünf weibliche Studierende. „Obwohl im Iran deutlich mehr Frauen in technischen Fächern studieren als in Rostock, erhalten diese nur selten die Möglichkeit, für Forschungsaufenthalte ins Ausland zu kommen. Mit unserem Programm möchten wir entsprechende Möglichkeiten schaffen“, sagte der für die Projektdurchführung zuständige Kommunikationswissenschaftler Mario Donick. Aus diesem Grund steht für den Projektträger DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) nicht nur der fachliche Aspekt im Vordergrund, sondern auch kulturelle Unterschiede hinsichtlich der iranischen und der deutschen Kultur, aber auch in Bezug auf Gender-Unterschiede.

Einen anderen Ansatz verfolgt das ebenfalls 2010 gestartete Projekt, das Rostocker Lehrinhalte aus dem Master-Studiengang „Visual Computing“ nach Eriwan, Armenien quasi exportiert. Das von Prof. Tavangarian geleitete und vom DAAD geförderte Projekt ermöglicht armenischen Studierenden, den Master of Science der Universität Rostock im Studiengang Visual Computing zu erwerben. Obwohl sich die Studierenden in Armenien aufhalten, sind sie regulär an der Universität Rostock eingeschrieben.

Regulär laufende Vorlesungen der Universität Rostock werden als Video aufgezeichnet, die Inhalte medial aufbereitet und an der Yerevan State University als elektronische Vorlesung genutzt. Ausgebildete Tutoren der Yerevan State University führen in enger Zusammenarbeit mit Rostocker Dozenten Übungen durch. Prüfungen werden vor Ort oder online abgehalten. Unterstützend reisen Rostocker Dozenten regelmäßig nach Armenien. So fuhren im März verschiedene Dozenten nach Eriwan, um dort weitere Übungen und Prüfungen durchzuführen. Die ersten 10 armenischen Studierenden haben das erste Semester erfolgreich abgeschlossen und starten ab April in ihr zweites Semester. Ab dem kommenden Wintersemester können sich neue armenische Studierende für „Visual Computing“ an der Universität Rostock einschreiben.

„Wir bewerten die Leistungen der armenischen Studierenden als sehr gut. Das haben auch die ersten Prüfungsergebnisse vom Januar bis März gezeigt“, stellt Prof. Dr. Oliver Staadt, einer der Dozenten, die kürzlich in Armenien waren, fest. „Das Projekt ist sehr erfolgreich angelaufen und dies zeigt uns, dass es sich lohnt, das Konzept auf andere Studiengänge auszudehnen. So ist geplant, ab dem nächsten Wintersemester den Masterstudiengang Computational Engineering nach Armenien zu exportieren“, so Dr. Saeed Zare, Projektkoordinator. Das Projekt soll sich in spätestens vier Jahren selbstständig tragen.

Der Direktor des Instituts für Informatik, Prof. Dr. Peter Forbrig würdigt die neuen Kooperationen: „Mit diesen Projekten eröffnen sich für Studierende, Doktoranden und Lehrende neue Möglichkeiten zum Gedankenaustausch und zur Gewinnung von Erfahrungen bei Praktika und Studienaustausch sowie Forschungs- und Lehraufenthalten. Wir alle freuen uns, zusätzlich zu unseren bewährten Partnerschaften im Westen (in den USA und Kanada) und Süden (Südafrika) nun auch Partner im Osten (Iran, Armenien) gefunden zu haben.“

Quelle: Universität Rostock