Nord Stream 2 übernimmt volle Verantwortung

MV lebt von sauberen Stränden… M.M.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus zeigte sich auf der Pressekonferenz am 4.Juni in Lubmin zufrieden über das Einlenken von Nord Stream 2 in Sachen Schmierfettverunreinigung der Küste des Greifswalder Boddens. „Ich bin sehr erleichtert darüber, dass Nord Stream 2 nun auch offiziell die Verantwortung für den Vorfall übernommen und seine volle  Kooperationsbereitschaft sowie die Kostenübernahme zugesichert hat“, erklärte der Minister. „Ich gehe davon aus, dass die Beräumungsarbeiten am morgigen Tag der Umwelt im Wesentlichen abgeschlossen sein werden.“

In Reaktion auf den Vorfall kündigte der Minister gleichzeitig an, eine wasserbehördliche Anordnung zum Einsatz biologisch leicht abbaubarer Schmierstoffe auf Schiffen bei Arbeiten in den Gewässern des Landes erlassen zu wollen. „Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern prüft derzeit die Möglichkeit einer solchen Anordnung“, teilte der Minister mit. „Gerade in hochsensiblen Ökosystemen wie dem Greifswalder Bodden muss alles im Einklang mit dem Naturschutzrecht geschehen“, sagte der Minister und mahnte an, Pipelinebauer Nord Stream 2 solle aus Vorsorgegründen schon jetzt zum Einsatz biologisch leichter abbaubarer Schmiermittel übergehen.

Nach Angaben des Unternehmens Nord Stream 2 waren vor Pfingsten aufgrund einer zunächst unentdeckten Leckage auf einem der Baggerschiffe, die im Auftrag des Unternehmens Nord Stream 2 einen Graben für die später zu verlegenden Rohrstränge der Gaspipeline ausheben, bis zu 145 kg rötliches Schmierfett in den Bodden gelangt.

Minister Backhaus kritisierte, dass die Wasserbehörden des Landes nicht umgehend von Nord Stream 2 über das Austreten wassergefährdender Stoffe informiert worden waren. „Das hat wertvolle Zeit gekostet, in der man längst hätte gegensteuern können“, sagte er. Den Verstoß des Schiffsführers gegen das Landeswassergesetz werde das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern als  untere Wasserbehörde mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren ahnden.

Während der unverzüglich veranlassten Reinigungsarbeiten wurden vereinzelt auch andersfarbige Schmierfettreste in deutlich geringerer Menge gefunden. Daher wurden von Nord Stream 2 alle Baggerarbeiten bis auf Weiteres unterbrochen und die restlichen Baggerschiffe für umfangreiche Untersuchungen in den Hafen Lubmin beordert. Die Baggerarbeiten im Bodden sollen erst wieder aufgenommen werden, wenn sichergestellt ist, dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholt.

Die mit 20 Kilogramm größte Menge Schmierfett war bereits am Pfingstsonntag, dem 20. Mai, auf der Halbinsel Zudar in Südost-Rügen angespült und nach einem Bürgerhinweis durch die Freiwillige Feuerwehr vom Strand entfernt worden. Die Wasserschutzpolizei nahm die Ermittlungen auf und schaltete das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Vorpommern als untere Wasserbehörde ein. Weitere etwa 10 Kilogramm Schmierfett waren im Bereich Stahlbrode und bei Tremt im östlichen Strelasund angespült worden; ca. 5 Kilogramm Fett waren durch das Technische Hilfswerk im Bereich Wampen aufgenommen worden. In Koos, Struck, Freesendorfer Wiesen und Greifswald Ladebow waren ebenfalls münz- bis tennisballgroße Schmierfettzusammenballungen von Ufern und Stränden entsorgt worden. Seit dem 28. Mai gab es keine Neufunde mehr.

Insgesamt wurden bislang ca. 70 Kilogramm Schmierfett an Stränden und Ufern auf einer Gesamtlänge von 10 Kilometern entfernt.

Minister Backhaus unterstrich, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Leib und Leben bestand. „Auch von einer akuten Gefährdung für das gesamte Ökosystem Greifswalder Bodden gehen wir derzeit nicht aus“, sagte er. Befragungen ortsansässiger Fischer und einer Usedomer Erzeugergemeinschaft ergaben keine Hinweise auf Schäden an Fischen oder Verunreinigungen der Fanggeräte.

Das StALU Vorpommern werde die von Nord Stream freiwillig vorgenommene Reinigung der Strände weiterhin begleiten und kontrollieren. Außerdem kündigte Backhaus Kontrollfahrten zum Baggerbereich im Bodden mit dem landeseigenen Gewässerüberwachungs- und Ölfangschiff „Strelasund“ an.

Pressemitteilung / Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt M-V