Zwischen Weihnachten und Karneval in Deutschland mit M-V

Weihnachten 2017. Foto: M.M.

Es ist nicht nur Weihnachtszeit, sondern seit dem 11.November auch Karnevalszeit. Nicht zuletzt in der Politik. Ein besorgter Bürger fragte dazu bei „Radio Jerewan“ nach: „Gibt es bei uns mittlerweile tatsächlich mehr Humor als anderswo?“ Darauf der berühmte Radio-Sender, der sich wohltuend vom restlichen „Dudel-Funk“ abhebt: „Im Prinzip ja. Aber wir haben ihn auch nötig.“.

Denn: Was in den letzten Tagen so alles zwischen Berlin und Schwerin geschah, lässt das Lachen gefrieren, was nicht nur am Schneeregen liegt.

Adipositas in den Geldbörsen der Volksvertreter

In Spree-Athen, in der dortigen „politischen Bundeswaschmaschine“, kurz Bundestag genannt, dachte man sich: „Wenn Schnee vom Himmel fällt, mögen Euro-Taler auf unsere Konten fallen.“ Plötzlich, da es um Machtsicherung und Geld ging, waren sich CDU, CSU, SPD und FDP ganz freundschaftlich einig. Die Weihnachtsbotschaft erreichte also unsere Volksvertreter: „Seid lieb zueinander!“.

Die Diäten für unsere werten Bundestagsabgeordneten werden von nun an automatisch steigen. Das ist nur gerecht. Wer sich alle vier Jahre dazu herablassen muß, sich volksnah zu geben, zumindest Volksnähe vorzutäuschen, was ja anstrengend genug ist, sollte natürlich hinreichend entlohnt werden.

Straßen rutschen und Bahnen kommen – manchmal

Eine riesengroße Koalition machte dafür aktuell den Weg frei, wovon deutsche Autofahrer bei zwei Zentimeter Neuschnee nur träumen können. Apropos Autofahren. Das macht jetzt auf den Ausweichstraßen um die A 20 bei Tribsees so richtig Spaß. Im „Rausch der Gefühle und der Geschwindigkeit“ rutschen nicht nur Straßen mal kurz weg, nein, da wackeln ganze Dörfer.

Wie schön ist es jedoch, wenn man Ausweichmöglichkeiten hat – zum Beispiel über die Deutsche Bahn. Jeden Morgen gibt es wahre Jubel-Stürme in Boizenburg, wenn tatsächlich die Bahn kommt. Zwar immer später, mitunter gar nicht, aber Gemach. Die Deutsche Bahn gab nämlich einen bahnbrechenden Tipp: „Wer erst nach dem Frühstück an seinem Hamburger Arbeitsplatz ist, sollte dafür sorgen, dass sie/er rechtzeitig zum Kaffee am Nachmittag wieder daheim ist.“ Natürlich geht es nur, wenn keine Schneeflocken für Sichtbehinderungen sorgen, keine Äste auf die Schienen fallen oder der Zugführer nicht verschlief. Kurzum: Ist höhere Gewalt im Spiel kann die Deutsche Bahn nichts machen.

„Der Staat“ ist gefordert

Und das Gewaltmonopol hat bekanntlich der Staat, dessen Großprojekte von ihm selbst in bester Kontinuität gewaltig „in den Sand oder in den Schnee gesetzt werden“. Diese Generation und auch die folgende werden sicherlich nicht mehr erleben, dass vom neuen Berliner Flughafen ein Flugzeug abhebt. Aber dafür haben wir ja die Bahn und unser Auto. Aber wie gesagt: Züge können sich verspäten, Straßen wegrutschen…

„KoKo“ statt „GroKo“

Es ist ohnehin vieles am Rutschen. Die alte Tante SPD rutscht zwischen allen Stühlen, zwischen Regieren und Opponieren. Am liebsten wäre ihr beides. Dazu entwickelte der „beste politische Stratege aller Zeiten“, Kanzlerkandidat Martin Schulz, eine glorreiche Idee.

Der beliebte Politiker, der bis dato durch seine überzeugende Standfestigkeit glänzte – „Ich mache keine GroKo mehr!“, „Es könnte sein – doch!“, „Ach, warum eigentlich nicht!“, „Angie, ich komme!“ – brachte ein neues Regierungsmodell ins Spiel: Statt „GroKo“ nun „KoKo“, also statt „Großer Koalition“ eine „Kooperationskoalition“.

Was das bedeuten soll, ist zwar nicht ganz klar, selbst dem Erfinder nicht. Jedenfalls soll dieser Idee nicht das Konzept eines gewissen Herrn Schalck-Golodkowski zugrunde liegen, der sich früher einmal auch um so etwas wie „KoKo“ erfolgreich bemühte…

Märchenhafte Zeiten

Jedenfalls so viel: Die SPD kann dann immer mal wieder zwischen Regieren und Opponieren wechseln. Praktisch ein „Bäumchen wechsle dich“, wie im Märchen. Und wir haben ja märchenhafte Zeiten in Deutschland und in M-V. Alles sinkt – Arbeitslosenzahlen, Schiffe, Straßen. Manches steigt – die Anzahl der sittenwidrigen Jobs, die Löhne bei gleichzeitiger deutlich höherer Steigerung der Mieten und sonstiger Lebenshaltungskosten.

Es geht also voran. Zwar ist die Richtung nicht klar. Aber wir haben ja „die beste Bundeskanzlerin aller Zeiten“, die „auf Sicht“ regiert. Da kann überhaupt nichts schief gehen. Und wenn doch muß man es nur den anderen in die Schuhe oder die schon geplünderten Nikolaus-Stiefel schieben. Zum Beispiel der SPD und speziell Martin Schulz.

Mehr Geld – woher…

Nur: Wie kommt man bloß zum ganzen Geld, um die teuren Zukunftsvorhaben zu schultern. Klar, man besteuert die Renten, man erhebt hohe Hundesteuern, wie in Schwerin, oder man nutzt die Energiewende als Vorwand für die Erhöhung der Strompreise. Tja, Deutschland ist – geldtechnisch betrachtet – auf den Hund gekommen.

Und der deutsche Bürger, der rastlos vom nächsten Mini-Job zum übernächsten rennt, froh ist, als Schnellster dort zu sein, muß erkennen, dass ein alter Bibelspruch tatsächlich seine Gültigkeit hat: „Die Ersten werden die Letzten sein.“ Und die beißen bekanntlich die Hunde und deren Steuer(höhe)!

Last but not least: Und wieder rief ein besorgter Bürger bei „Radio Jerewan“ an: „Ist es wahr, dass zum 200. Parteitag der SPD die Löhne um 20 Prozent erhöht werden?“ Dazu klärt „Radio Jerewan“ auf:  „Im Prinzip ja, bis auf die Null bei der Lohnerhöhung: Zum 200. Parteitag der SPD um 2 Prozent.“

Super! Alles wird gut. Weihnachten und Neujahr können kommen. Wir müssen sie nur rein lassen.

Marko Michels