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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Sportliche Höhepunkte in M-V

Zwischen Historie und aktuellen Herausforderungen

Zahlreiche sportliche Jubiläen können zurzeit in Schwerin, aber auch in Rostock gefeiert werden.

– Vor 55 Jahren fand das erste DDR-Ligaspiel der damaligen Schweriner SCT-Handball-Damen statt: Nach der offiziellen Gründung der Sektion Frauen-Handball beim SCT im Januar 1956 gab es am 08.04.56 das erste Punktspiel in der DDR-Liga. Gegen Chemie Genthin triumphierten die Traktoristinnen mit 7:3. Anfang Mai 1956 – im inner-mecklenburgischen Vergleich – setzten sich die SCT-Spielerinnen knapp mit 6:5 gegen Motor Rostock durch. Leistungsträgerin bei den SCT-Handballerinnen war die damals 28jährige Elisabeth Oetke, die dem SCT seit 1955 angehörte und zuvor bereits 16 Jahre aktiv Handballsport betrieb.

– Vor 90 Jahren wurde der Sportverein „Friedrich Ludwig Jahn“ Schwerin-Lankow e.V. gegründet, der heute unter anderem Volleyball, Gymnastik und Volkssport anbietet.

– Vor 60 Jahren, am 13. April 1961, wurde einer der besten Torjäger Deutschlands, der Fußballer Joachim Streich, in Wismar geboren, der dann unter anderem beim FC Hansa Rostock und 1. FC Magdeburg spielte. Im Herbst folgt dann der 60. von Rostocks Gerd Kische. Aber insbesondere Gerd Kische kann auch 2011 auf den „35.Geburtstag“ eines goldenen Triumphes zurückblicken …

Vor 35 Jahren – Die XXI. Olympischen Spiele 1976 in Montreal

Athletinnen und Athleten aus Schwerin, Rostock, Stralsund, Greifswald und Neubrandenburg mit großen Erfolgen: Achter-Gold für Rostocker Ruderer, Schweriner Box-Gold durch Jochen Bachfeld und goldenes Metall ebenfalls für die Neubrandenburger Erfolgs-Kanuten um Rüdiger Helm

Vor 35 Jahren fanden die Olympischen Spiele 1976 im kanadischen Montreal statt. Dabei wurden diese unter schwierigsten Bedingungen vorbereitet – Streiks und ein ungewöhnlich langer Winter sowie fehlende Fördergelder hatten die Fertigstellung der Olympiabauten erschwert. Die Eröffnungszeremonie musste in einem provisorisch errichteten Stadion durchgeführt werden. Zudem gab es strengste Sicherheitsvorkehrungen – nach dem Terroranschlag von München allerdings auch unabdingbar. Sportlich überschattete der Boykott vieler afrikanischer Staaten die Sommerspiele: 22 Länder des schwarzen Kontinents zogen ihre Teilnahme zurück, da angeblich das IOC Neuseelands zuließ, dass die neuseeländische Rugby-Mannschaft – die allerdings gar nicht vom IOC Neuseelands vertreten wurde – eine Turnier-Reise durch den damaligen Apartheidstaat Südafrika unternahm.

Trotz aller Widrigkeiten präsentierten die kanadischen Gastgeber im „End-Effekt“ gelungene Spiele, wobei – sportlich betrachtet – auch die Olympionikinnen und Olympioniken mit Geburtsort oder Verein in der Region Mecklenburg sowie Vorpommern allen Grund zum Jubeln hatten.

Box-Gold für Schwerin

Die heutige Landeshauptstadt Schwerin gewann dank der Schwimmerin Andrea Pollack, des Boxsportlers Jochen Bachfeld und des Ruderers Michael Wolfgramm ihre ersten olympischen Goldmedaillen. Jochen Bachfeld, der für den SC Traktor Schwerin boxte und im nächsten Jahr 60 Jahre alt wird, gewann im Weltergewicht gegen den Venezuelaner Pedro Gamarro mit 3:2 nach Punkten. Bereits in München 1972 und bei den WM 1974 in Havanna war er dabei, kam dort allerdings nicht in Medaillen-Nähe. Auch 1976 war für den Faustkämpfer ein Jahr mit Verletzungspech, aber als es darauf ankam, war er „da“. In 119 Kämpfen war Jochen Bachfeld 109 Mal erfolgreich – der größte Triumph war jedoch der Olympiasieg 1976.

Jochen Bachfeld zu seinem Erfolg im Rückblick: „Der Kampf im Viertelfinale gegen den Russen Ratschkow war ein vorweggenommenes Finale. Er hatte im Kampf zuvor bereits den finnischen Europameister Marjamaa deutlich beherrscht, aber ich wollte meine Chance nutzen und dank einer sehr guten dritten Runde gelang mir der Erfolg. Ähnlich war es dann im olympischen Finale gegen Pedro Gamarro aus Venezuela, der sehr ’schlagfertig‘ in die Auseinandersetzung ging. Auch hier hatte ich eine gute dritte Runde, so dass ich mit 3:2 Richterstimmen gewinnen konnte!“.
Silber erkämpfte in Montreal Richard Nowakowski im Federgewicht – hinter dem Kubaner Angel Herrera.

Die erfolgreichste Staffel stellten in Montreal allerdings nicht die Kubaner (3 x Gold), sondern die US-Amerikaner (5 x Gold).

Mit der ersten olympischen Box-Goldmedaille für Schwerin läutete Jochen Bachfeld die olympische Medaillen-Ära bei der Box-Abteilung des SC Traktor Schwerin (ab 1990 Schweriner SC) ein, die bis 1992 andauerte.

Goldmedaillen für Schwerin auch im Rudern und im Schwimmen

Im Doppelvierer holte der 1953 in Schwerin geborene Michael Wolfgramm Gold. Das DDR-Boot verwies die UdSSR und die CSSR auf die anderen Medaillenplätze.

Im Schwimmen avancierte die 1961 in Schwerin geborene Andrea Piske-Pollack zum „Goldfisch“ – sie wird am 8. Mai 50 Jahre. Sie belegte über 200 Meter Butterfly und mit der DDR-Lagenstaffel Rang eins. Es gab zudem für Andrea noch Rang zwei über 100 Meter Butterfly und mit der DDR-Freistil-Staffel. Vier Jahre später in Moskau 1980 konnte sie nochmals Gold mit der Lagenstaffel und Silber über 100 Meter Butterfly erringen.

Eine weitere gebürtige Schwerinerin im Schwimmbecken von Montreal, Rosemarie Gabriel, die zuvor 1973 und 1975 bereits Weltmeisterin geworden war, sicherte sich 1976 Olympia-Bronze.

Rostocker Gerd Kische mit fußballsportlichem Triumph

Goldene Momente für Mecklenburger und Vorpommern gab es 1976 ebenfalls im Fußball durch Rostocks Gerd Kische. Die DDR unter Trainer Georg Buschner bezwang im Halbfinale die Sowjetunion und dann im Finale Polen.

Gold-Medaillen erkämpften in der hiesigen Erfolgssportart Kanu-Rennsport auch Athletinnen und Athleten vom SC Neubrandenburg: Rüdiger Helm, Bernd Olbricht sowie Carola Zirzow durften sich über erste Plätze freuen. Bronze sicherten sich 1976 Rüdiger Helm (2 x) und Bärbel Köster (1 x /  beide SC Neubrandenburg).

Für das erste Leichtathletik-Gold für Mecklenburg und Vorpommern bei Olympischen Spielen sorgte Brigitte Rohde vom SC Neubrandenburg mit der 4 x 400 Meter Staffel der DDR. Über 800 Meter sicherte sich Elfi Zinn (SC Neubrandenburg) und im Diskuswerfen die gebürtige Schwerinerin Gabriele Hinzmann die bronzene Medaille.

Silberne Rostocker Handball-Frauen und Rostocker Silber auch beim Wasserspringen

Für den Rostocker Frauen-Handballsport war Montreal ebenfalls ein Highlight: Gabriele Badorek, Hannelore Burosch, Eva Paskuy und Christina Voß vom SC Empor Rostock erkämpften mit der DDR-Auswahl hinter der UdSSR Silber.

Silber gab es außerdem für Christa Köhler vom SC Empor Rostock im Wasserspringen. Hinter der US-Amerikanerin Jennifer Chandler belegte die heutige Trainerin im Kunstspringen Platz zwei.

Die Hansestadt Stralsund hatte in Montreal auch einen Medaillengewinner – Helmut Losch gewann Bronze im Gewichtheben. Bei den Superschweren waren nur Wassili Alexejew (UdSSR) und DDR-Teamkollege Gerd Bonk besser.

Der gebürtige Rostocker Siegfried Brietzke erruderte 1976 die zweite seiner insgesamt drei olympischen Goldmedaillen (1972 Zweier ohne / 1976, 1980 Vierer ohne).

Sportschützen aus Wittenberge mit Erfolgen

Auch die Sportschützen aus Wittenberge, das damals zum Bezirk Schwerin gehörte, trafen 1976 „ins Schwarze“. Uwe Potteck, der 1955 in Wittenberge zur Welt kam, wurde 1976 in Montreal Olympiasieger mit der Freien Pistole. Norbert Klaar, 1954 in Wittenberge geboren, wurde in Montreal Olympiasieger in der Disziplin „Olympisch Schnellfeuer“.

Beste Winde für Rostocker Segler

In der Rostocker Traditionssportart Segeln waren die „Winde“ für Dieter Below aus Rostock und dessen  Team-Kollegen Michael Zachries bzw. Olaf Engelhardt vor Kingston, dem olympischen Segelrevier 1976, besonders günstig. Im Soling belegten sie den Silber-Rang.

Im Bahn-Radsport war ein gebürtiger Rostocker wie schon 1972 „oben auf“. Günther Schumacher erkämpfte mit dem bundesdeutschen Bahnvierer wiederum Gold.

Im Ringen erkämpfte Heinz-Helmut Wehling, der zeitweise für den ASK Vorwärts Rostock startete, im Leichtgewicht des griechisch-römischen Stils Bronze. Hans-Dieter Brüchert, 1952 in Jarmen geboren und im Görmin (Kreis Demmin) aufgewachsen, kam im Bantamgewicht des Freistil-Ringens auf Rang zwei.

Ruderin Petra Wach mit hervorragendem Ergebnis

Einen „goldenen Speer“ erwischte Ruth Fuchs erneut 1976. Sie war Schülerin der KJS in Güstrow. Und eine heutige Wahl-Schwerinerin, Petra Wach, früher Boesler, konnte im Rudern/Doppelzweier den zweiten Rang belegen. Die frühere Ruderin zum Erlebnis Montreal 1976:

„Olympia 1976 war wirklich d a s Erlebnis für mich. Ich nahm ja beim Einmarsch der DDR-Delegation ins Stadion teil. Es war eine unglaublich positive Atmosphäre. Noch heute kann ich mich daran erinnern, wo ich kurz vor dem Einmarsch ins Stadion stand. Ich hatte damals ziemliches Herzklopfen, war total aufgeregt. Und dann der Jubel der Zuschauer – wirklich unvergeßlich. Vor sechs Jahren war ich während einer Kanada-Reise noch einmal in Montreal. Das 1976 noch nicht überdachte Olympia-Stadion, ein sehr imposanter Bau, wurde inzwischen fertig gestellt.
Die olympische Ruder-Strecke ist ebenfalls in einem hervorragenden Zustand. Dort werden auch weiterhin hochkarätige Wettkämpfe ausgetragen. Montreal war und ist immer noch eine interessante, sehr schöne Stadt.“

„Eine rudersportliche Stufe höher“ schafften in Montreal Anke Borchmann, geboren in Neukalen, und Monika Kallies, geboren in Stralsund. Anke war Mitglied des DDR-Doppelvierers, der Gold gewann. Im erfolgreichen DDR-Frauen-Achter ruderte Monika.

Über einen ersten Platz in der Ruder-Königsdisziplin, dem Achter, konnten die Rostocker Karl-Heinz Danilowski, Ulrich Karnatz, Werner Klatt, Hans-Joachim Lück und Karl-Heinz Prudöhl jubeln. Bronze im Rudern/Einer gewann der für den ASK Vorwärts Rostock startende, gebürtige Greifswalder Joachim Dreifke, der sich nur dem Finnen Pertti Karppinen und dem Westdeutschen Peter-Michael Kolbe geschlagen geben musste.

Sportliche Höchstleistungen in Montreal 1976

Insgesamt gewannen die Deutschen aus Ost und West, damals noch getrennt, 50 Goldmedaillen, wobei die DDR mit 40 Goldmedaillen den „Löwen-Anteil“ hatte. Die UdSSR, bestehend aus 15 Sowjetrepubliken, erkämpfte 49 Goldmedaillen. Die USA waren 34 x erfolgreich. Mit weitem Abstand folgten Japan (9 Erfolge), Polen (7 Erfolge) und Bulgarien bzw. Kuba (6 Erfolge).

In Montreal nahmen letztendlich mehr als 6.000 Olympionikinnen und Olympioniken aus 92 Ländern teil, die in 198 Entscheidungen in 23 Sportarten Höchstleistungen boten. In Montreal wurden 84 Olympische Rekorde und 38 Weltrekorde aufgestellt.

Die erfolgreichsten Starterinnen/Starter waren anno 1976 Nikolai Andrianow (UdSSR) im Turnen, Kornelia Ender (DDR) im Schwimmen und John Naber (USA) im Schwimmen – mit je viermal Gold. Für Andrianow kamen noch 2 x Silber, 1 x Bronze, für Ender und für Naber je 1 x Silber hinzu.

Für die Sportlerinnen und Sportler aus M-V, ganz gleich ob sie Mitglied eines Sportvereines der Region oder „nur“ hier geboren waren, gilt für 1976: Es waren wahrlich „medaillenträchtige“ Spiele für die Athletinnen und Athleten „Made in M-V“!

Doch angesichts aller sportlichen Jubiläen ist der aktuelle Blick nach wie vor auf die auch 1976 erfolgreichste Judo-Nation, das gegenwärtig von Natur-Katastrophen heimgesuchte „Nippon“ gerichtet: So spendeten die Kendo-Athletinnen und –Athleten vom SV Einheit Schwerin den Erlös einer Spendenaktion (8000,- Euro) an eine private Initiative in der Stadt Minami Sanriku. Das ist echter sportlich-kameradschaftlicher Geist.

Marko Michels


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