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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Rechtschreibleistungen der Grundschüler haben deutlich zugelegt

Koalition will dennoch mehr Deutschunterricht


Grundschülerinnen und Grundschüler in Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Rechtschreibleistungen zwischen der dritten und vierten Jahrgangsstufe deutlich verbessert. Das geht aus einer Analyse von Ergebnissen der Vergleichsarbeiten VERA 3 in Deutsch und einem repräsentativen Orthografie-Retest hervor. Im Schuljahr 2013/14 erreichten fast 37 Prozent der Drittklässler noch nicht die Mindeststandards der vierten Klasse. Im Schuljahr 2014/15 war dieser Wert auf elf Prozent gesunken.

„Die Rechtschreibleistungen von Grundschülerinnen und -schülern aus Mecklenburg-Vorpommern sind nachweislich besser als andernorts“, betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb. „In der öffentlichen Diskussion wird außerdem übersehen, dass VERA 3 in der 3. Klasse bereits die Standards prüft, die Schülerinnen und Schüler erst in der 4. Klasse erreicht haben sollen. Es ist logisch, dass ein gewisser Anteil der Mädchen und Jungen in der 3. Klasse die Mindeststandards der Grundschule der 4. Klasse noch nicht erreicht“, folgerte Brodkorb. Die Tests wurden infolge der PISA-Studie von der Kultusministerkonferenz eingeführt.

Mecklenburg-Vorpommern hat die Ergebnisse des Schuljahres 2013/14 mit einem Retest im Schuljahr 2014/15 an 150 Grundschulen mit 6.161 Schülerinnen und Schülern überprüft. „Die Lernentwicklung unserer Schüler ist absolut zufriedenstellend. Insbesondere der Anteil von Kindern mit Spitzenleistungen ist sehr groß. Der Orthografie-Retest legt außerdem nahe, dass die Leistungen unserer Grundschülerinnen und Grundschüler besser sind als im Bundesdurchschnitt“, sagte Bildungsminister Brodkorb.

Dennoch ist eine deutliche Stärkung des Deutschunterrichts in der Grundschule geplant. „Auch wenn die Testergebnisse positiv sind, bestätigen mir zahlreiche Lehrkräfte, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder gegenüber DDR-Zeiten abgenommen haben. Dies dürfte auch daran liegen, dass es früher deutlich mehr Deutschunterricht in der Grundschule gab als heute. Wir werden daher die Zahl der Deutschstunden in der Grundschule wieder deutlich erhöhen“, so der Minister. Außerdem soll in der Grundschule ein verbindlicher Grundwortschatz eingeführt werden, wie ihn viele Eltern und Lehrkräfte ebenfalls bereits aus der ehemaligen DDR kennen. „Es ist doch ein bildungspolitischer Treppenwitz der Geschichte, dass selbst Länder wie Bayern solche verbindlichen Grundwortschätze kennen und in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende alles abgeschafft wurde, was aus der DDR kam, selbst wenn es sinnvoll war“, so Brodkorb abschließend.

Vertreter der Koalitionsfraktionen begrüßten die von Brodkorb angekündigten Änderungen. „Ich halte es für richtig, Deutsch als Kernfach in der Grundschule zu stärken. Wer etwas für bessere Rechtschreibung und Grammatik unserer Kinder tun will, kommt an dieser Maßnahme nicht vorbei“, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher Andreas Butzki. „Die Reformschritte sind konsequent und werden auch von den Christdemokraten unterstützt. Wir haben uns mit unserem Koalitionspartner bereits darauf verständigt, vielleicht noch etwas weiter zu gehen. Es soll ergänzend einen Landtagsantrag geben, der die Regierung beauftragt, außerdem die Reduzierung des Englischunterrichts zugunsten einer weiteren Erhöhung der Zahl der Deutschstunden zu prüfen. Wir wollen hier noch keine Entscheidung vorwegnehmen, sondern zunächst erfahrene Praktiker in die Prüfung einbeziehen“, so Torsten Renz, CDU-Obmann im Bildungsausschuss des Landtages.

Die vom Land beabsichtigen Maßnahmen im Einzelnen:

• Erarbeitung eines Elternratgebers zur Einschulung, beginnend zunächst für den Bereich Deutsch zum Schuljahr 2016/17
• Festschreibung eines verbindlichen Grundwortschatzes in der Grundschule zum Schuljahr 2016/17
• bis zu vier Stunden mehr Deutschunterricht möglichst ab dem Schuljahr 2017/18 bei stärkerer curricularer Verschränkung mit dem Sachkundeunterricht
• Überarbeitung der Rahmenpläne für die Grundschule insbesondere in den Fächern Deutsch und Sachunterricht sowie Mathematik mit klaren zentralen inhaltlichen Vorgaben, Inkrafttreten möglichst zum Schuljahr 2017/18
• Didaktische Lehrerhandreichung und Fortbildungen auf Grundlage der neuen Rahmenpläne und Stundentafel (z. B. weitgehender Verzicht auf Kopiervorlagen im Deutschunterricht, landesweit einheitliche Diktate zum Grundwortschatz etc.)

Pressemitteilung / Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur M-V


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