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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

EM-Handball-Gold nach Wolgast…

Schwarz-Rot-Gold setzt sich durch

Die handballsportliche Sensation ist perfekt. Bei den 12.Europameisterschaften im Hallen-Handball vom 15.Januar bis 31.Januar 2016 in Polen konnte das deutsche Team tatsächlich den Titel im Endspiel gegen den Top-Favoriten Spanien mit einem beeindruckenden 24:17-Triumph erringen.

Gold auch für einen Wolgaster

Für das jüngste der 16 EM-Endrunden-Teams – Durchschnittsalter der DHB-Auswahl knapp unter 25 Jahren – erfüllte sich damit ein handballsportlicher Traum. Das gilt natürlich auch  für Johannes Sellin (MT Melsungen), der 1990 in Wolgast geboren wurde, zwischen 1999 und 2007 beim HSV Insel Usedom spielte.

Im Jahr 2011 erkämpfte Johannes bereits Junioren-WM-Gold mit dem deutschen Team und nun, 2016,  gab es auch bei den „Großen“ den ersten Titel mit der Nationalmannschaft, die in der Vorrunde gegen Spanien noch mit 29:32 unterlegen war, dann gegen Schweden mit 27:26 und gegen Slowenien mit 25:21 siegte, in der Hauptrunde folgend Ungarn mit 29:19, Russland mit 30:29 bzw. Dänemark mit 25:23 bezwang, sich gegen Norwegen mit 34:33 nach Verlängerung durchsetzte und das Endspiel gegen Spanien klar mit 24:17 für sich entschied.

13.Finale bei Olympia, WM und EM im Herren-Hallen-Handball mit sechstem deutschem Erfolg

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson aus Island stellte das deutsche Team grandios auf das spanische Team ein, das gegen die DHB-Auswahl im Endspiel nie eine Chance hatte. Das deutsche Team war dabei als Ganzes „der Star“, wenngleich Torhüter Andreas Wolff noch einmal besonders herausragte…

Für eine deutsche Nationalmannschaft bedeutete das EM-Finale das insgesamt 13.Finale/“Endspiel“ bei einem großen Turnier im Herren-Hallenhandball. Bei Europameisterschaften schaffte es eine deutsche Mannschaft vor 2016 zweimal – 2002 gegen Schweden (31:33-Niederlage) und 2004 gegen Slowenien (30:25-Sieg).

Bei Olympia-Turnieren gelang es deutschen Teams bis dato dreimal – 1980 in Moskau (Sieg gegen die Sowjetunion für die DDR mit 23:22 nach Verlängerung), 1984 in Los Angeles (Niederlage gegen Jugoslawien für Westdeutschland mit 17:18) und 2004 in Athen (Niederlage für das vereinte deutsche Team gegen Kroatien mit 24:26).

Und bei WM-Endrunden spielten sich deutsche Mannschaften siebenmal ins Finale: 1938 gegen Österreich (5:4-Erfolg), 1954 gegen Schweden (14:17-Niederlage für Westdeutschland), 1970 gegen Rumänien (12:13 nach Verlängerung-Niederlage für die DDR), 1974 erneut gegen Rumänien (12:14-Niederlage für die DDR gegen Rumänien), 1978 gegen die Sowjetunion (20:19-Sieg für Westdeutschland), 2003 gegen Kroatien (31:34-Niederlage) und 2007 gegen Polen (29:24-Sieg).

Blick in die Historie des deutschen Herren-Hallen-Handballsportes

Tja, Deutschland und Herren-Hallen-Handball… Das ist seit 80 Jahren eine Erfolgsgeschichte.

Deutschland und Hallen-Handball der Herren – das ist seit 80 Jahren eine Erfolgstradition. Bei den bisherigen WM-Turnieren zwischen 1938 und 2015 erreichten deutsche Mannschaften dreizehnmal eine Platzierung unter den vier besten Teams (3 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze, 3 x Vierter).

Damit ist Deutschland (einschließlich der DDR und Westdeutschland) so erfolgreich wie Schweden, das ebenfalls bei WM-Turnieren im Hallen-Handball dreizehnmal eine „Top Vier-Platzierung“ (4 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze, 2 x Vierter) schaffte. Sehr erfolgreich bei Hallen-Handball-WM sind auch Frankreich (5 x Gold – damit Rekord-Weltmeister, aber insgesamt „nur“ 9 Medaillen!) und Rumänien (4 x Gold, insgesamt 6 Medaillen).

Anmerkung am Rande: Nur dreimal konnten außer-europäische Teams die „Top Vier-Phalanx“ der Mannschaften vom „alten  Kontinent“ bei WM „durchbrechen“: 2001 Ägypten mit Rang vier, 2005 Tunesien ebenfalls mit Rang vier und das multinationale Team von Katar mit Silber 2015. Die goldenen Höhepunkte aus deutscher Sicht bei Hallen-Handball-WM waren die Titel 1938, 1978 und 2007.

Deutsche Teams unter den fünf olympischen Ringen

Bei den olympischen Hallen-Handball-Turnieren der Herren ist die Bilanz deutscher Mannschaften zwar nicht ganz so imponierend, aber auch hier gab es schon einige großartige Erfolge, so den Olympiasieg für die DDR in Moskau 1980, das Olympia-Silber für Westdeutschland in Los Angeles 1984, das Olympia-Silber für das vereinte deutsche Team in Athen 2004 sowie die vierten Plätze für die DDR in München 1972 und Westdeutschland in Montreal 1976. Rekord-Olympiasieger im Hallen-Handball der Herren ist Russland (einschließlich UdSSR und GUS) mit vier Triumphen.

Die EM und die deutschen Mannschaften

Seit 1994 finden nunmehr auch Europameisterschaften im Hallen-Handball statt. Dort konnte Deutschland (einschließlich der EM 2016) bis dato fünfmal eine Rang unter den besten vier Teams erkämpfen. Es gab 2004 den EM-Titel, 2002 EM-Silber, 1998 EM-Bronze, 2008 Rang vier – 2016 wieder den Titel. Rekord-Europameister im Hallen-Handball der Herren ist Schweden mit vier Siegen. Deutschland hat nun zwei…

Auch Handball-Spieler aus Mecklenburg und Vorpommern waren bei großen Hallen-Handball-Turnieren stets erfolgreich „am Ball“…

So konnten bislang 16 Mecklenburger und Vorpommern, seit fast 60 Jahren, seit 1958 Medaillen bei Hallen-WM im Handball erkämpfen: 1958 gab es Bronze für Hans Beier, Hans-Jürgen Hinrichs, Klaus-Dieter Matz, Günter Mundt und Wolfgang Niescher, der zeitweise bei Wissenschaft Greifswald bzw. beim SC Empor Rostock spielte. Die Hallen-Handball-WM 1958 wurde seinerzeit in der DDR ausgetragen und Schweden setzte sich vor der Tschechoslowakei, der gesamtdeutschenMannschaft und Dänemark durch.

Hans-Jürgen Hinrichs, der 1933 im mecklenburgischen Rodenwalde geboren wurde, gehörte auch zum gesamtdeutschen Aufgebot bei den WM 1961 in Westdeutschland  als die gesamtdeutsche Mannschaft Vierter wurde. Sogar für „Team U.S.A.“ stand Jürgen Hinrichs im Tor – bei den WM 1964 in der Tschechoslowakei. Allerdings kamen die US-Boys mit dem mecklenburgischen Goalie nicht über die Vorrunde hinaus, mußten Niederlagen gegen die DDR mit 9:20, gegen Jugoslawien mit 3:22 und gegen Westdeutschland mit 13:24 hinnehmen. Was aber nicht an Jürgen Hinrichs gelegen hat…

Die erfolgreichen 1970er

Im Jahr 1970 folgte Silber für Klaus Prüsse, unter anderem ebenfalls Feld-Handball-Weltmeister 1963,  Reiner Ganschow, Klaus Langhoff, Gerhard Gernhöfer, Peter Randt (alle Rostock) sowie Josef Rose,  der seine Karriere bei Einheit Ahlbeck-Heringsdorf begann und dann beim ASK Vorwärts Frankfurt/Oder aktiv war. Die Hallen-Handball-WM`70 wurden in Frankreich veranstaltet und im Finale unterlag die DDR der rumänischen Mannschaft nach zweimaliger Verlängerung mit 12:13. Den dritten Platz belegte Jugoslawien vor Dänemark.

Das nächste globale Hallen-Handball-Turnier folgte zwei Jahre später bei den Olympischen Spielen 1972 in München, der olympischen Premiere für den Hallen-Handballsport, nachdem es bei den Spielen 1936 in Berlin bereits ein Feld-Handball-Turnier gegeben hatte. Im DDR-Aufgebot waren unter anderem die Rostocker Wolfgang Böhme, Reiner Ganschow, Klaus Langhoff, der gebürtige Goldberger Peter Larisch, der Wahl-Usedomer Josef Rose (ASK Vorwärts Frankfurt/Oder) und der gebürtige Güstrower und zeitweise Empor-Spieler Peter Randt.

Die DDR schaffte vor 43 Jahren Rang vier – hinter Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Rumänien. Das westdeutsche Team, mit dem gebürtigen Schweriner Wolfgang Braun, Jahrgang 1944, kam auf Platz sechs. In der Vorrunden-Gruppe B hatte die DDR nacheinander Island mit 16:11, Tunesien mit 21:9 und die Tschechoslowakei mit 12:12 bezwungen. Folgend in der Hauptrunde unterlagen die Ostdeutschen der UdSSR mit 8:11 und bezwangen Schweden mit 14:11, was Rang zwei in der Hauptrunden-Gruppe I und damit das Spiel um Platz drei bedeutete. Im Spiel um Bronze verlor die DDR dann gegen Rumänien mit 16:19.

Weitere zwei Jahre später, 1974 bei den Hallen-Handball-WM in der DDR, wurden Reiner Ganschow, Wolfgang Böhme und Josef Rose Vize-Weltmeister hinter Rumänien.

WM- Bronze erspielten 1978 bei den WM in Dänemark die Rostocker Frank-Michael Wahl, Wolfgang Böhme bzw. Helmut Wilk. Im „kleinen Finale “ wurde Dänemark mit 19:15 geschlagen. Zum Überraschungs-Weltmeister avancierte das bundesdeutsche Team unter anderem mit Manfred Hofmann, Erhard Wunderlich und Heiner Brand, welches die UdSSR im Finale knapp mit 20:19 bezwang. Bei den WM 1986 holte der gebürtige Wismarer und Empor-Spieler Rüdiger Borchardt zusammen mit Vereinskollegen Frank-Michael Wahl und dem DDR-Team Bronze vor Schweden (Spiel um Platz drei 24:23 für die DDR). Den Weltmeistertitel sicherte sich 1986 Jugoslawien vor Ungarn.

Olympia-Gold 1980 – ein nachhaltiger Triumph

Aber zwischen den WM 1978 und den WM 1986 war noch etwas… Tja, das DDR-Olympia-Gold in Moskau. Der Olympiasieg von Frank-Michael Wahl und Hans-Georg Jaunich 1980 war aber das bislang Allergrößte für den Herren-Handballsport in M-V. Leider fehlte damals der dritte Rostocker im Bunde, Wolfgang Böhme, der durch politische Machenschaften von SED-Sportfunktionären und arglistigen Stasi-Mitarbeitern um seine Olympia-Teilnahme betrogen wurde, letztendlich um Olympia-Gold.

Wie war das damals noch, beim Olympia-Turnier 1980?! Zwölf Mannschaften nahmen am Herren-Turnier teil, wobei einige Teams „olympische Nachrücker“ waren, denn der „West-Block“ boykottierte vor 35 Jahren aufgrund der Afghanistan-Invasion der UdSSR 1979 die Spiele in Moskau.

So durfte das westdeutsche Team, als amtierender Weltmeister von 1978, nicht bei Olympia 1980 dabei sein. Auch hier wurden Spieler, wie zum Beispiel Heiner Brand, um ihre Lebensträume gebracht, alles im Namen der „großen Politik“. Vier Jahre zuvor wurden die Sportlerinnen und Sportler aus Afrika, 1976 in Montreal, Opfer ihrer Administrationen. Acht Jahre später, 1984 in Los Angeles,  litten die Sportlerinnen und Sportler des damaligen „Ost-Blocks“ unter dem Beschluss ihrer Regierungen, nicht an den Spielen teilzunehmen. Und eben 1980 in Moskau maßten sich ebenfalls geistig und charakterlich indisponierte Politikerinnen und Politiker an, den Weltsport als ihren „Spielball“ zu begreifen.

Im Blickfeld: Das Herren-Olympia-Turnier 1980

Aber zurück zum Olympia-Turnier von 1980. So starteten in Gruppe A die DDR, Ungarn, Spanien, Polen, Dänemark und Kuba. Und in Gruppe B trafen die UdSSR, Rumänien, Jugoslawien, die Schweiz, Algerien und Kuweit aufeinander.

Zwischen dem 20.Juli und 28.Juli dauerte die olympische Vorrunde: Die DDR setzte sich zunächst mit 24:20 gegen Spanien durch, spielte 14:14 gegen Ungarn, gewann dann die restlichen Partien gegen Kuba mit 27:20, Polen mit 22:21 und Dänemark mit 24:20, was Rang eins bedeutete. Die UdSSR setzte sich ihrerseits in Gruppe B durch, womit dem „Traum-Finale“ DDR gegen Gastgeber UdSSR nichts mehr im Wege stand.

Am 30.Juli 1980 war es dann so weit. Vor einer atemberaubenden Zuschauer-Kulisse, die die sowjetische Auswahl förmlich nach vorn peitschte, mußte die DDR mit den Rostockern Hans-Georg Jaunich und Frank-Michael Wahl bestehen – was ihr gelang. In einem an Spannung, Dramatik und Emotionen nicht mehr zu überbietendem Spiel setzte sich die DDR mit 23:22 nach Verlängerung gegen den „Großen Bruder“ durch.

Fast 101000 Zuschauer verfolgten dabei die olympischen Handball-Turniere der Herren und Damen 1980. Der Pole Jerzy Klempel wurde mit 44 Toren bester Werfer vor dem Schweizer Ernst Züllie mit 40 Toren und Vasile Stinga aus Rumänien mit 36 Toren. Frank-Michael Wahl kam auf 33 Tore.

Einer, der eigentlich dazu gehörte und nicht dabei sein durfte, war der erwähnte Wolfgang Böhme, Jahrgang 1949. Er mußte sich das Spiel im TV anschauen und das als langjähriger Kapitän des DDR-Teams… Wenn die Politik in den Sport eingreift, ist noch nie etwas Sinnvolles entstanden – im Gegenteil. Karrieren und Menschen wurden zerstört, der Sport als Mittel zum Zweck degradiert und als „wirtschaftlicher Faktor“ betrachtet.

Welche weiteren wichtigen Handball-Highlights – gerade unter den olympischen Ringen – gab es ansonsten noch aus M-V-Blickwinkel?!

Der gebürtige Güstrower Holger Schneider, der zeitweise unter anderem beim SC Empor Rostock und beim SV Post Schwerin spielte, war bei zwei olympischen Hallen-Handball-Turnieren Akteur, so bei den Spielen 1988 als die DDR Platz sieben belegte und auch 1992 in Barcelona als die vereinigte deutsche Auswahl Platz zehn erreichte. 1992 war auch unter anderem der gebürtige Warnemünder Matthias Hahn Mitglied des deutschen Teams und der Olympiasieger von 1980, Frank-Michael Wahl, war außerdem in den Olympia-Mannschaften 1988 bzw. 1992.

Nicht vergessen sollte man in dieser Aufzählung auch einen Landeshauptstädter… Der gebürtige Schweriner Stefan Schröder war im Jahr 2007 Mitglied der goldenen DHB-Mannschaft, die bei den Heim-WM vor acht Jahren Weltmeister wurde. Allerdings: Er hatte seinerzeit  keinen Einsatz auf „dem Parkett“. … Nicht sein einziger Erfolg: So wurde Stefan mit dem HSV Hamburg 2013 Sieger in der Champions League, gewann den Europapokal der Pokalsieger 2007 und wurde Vierter bei den EM 2008 mit der deutschen Mannschaft.

Aber nun kann erst einmal über den deutschen EM-Erfolg 2016 gejubelt werden! Damit verbunden ist auch das Olympia-Ticket für Rio… Vielleicht wird die Erfolgsgeschichte dieser deutschen Hallen-Handball-Mannschaft der Herren  „am Zuckerhut“ im August 2016 weiter geschrieben?!

Marko Michels

 

 


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