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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Der Rudersport 2015/16

Nachgefragt bei Hans Sennewald, Präsident des Landesruderverbandes M-V

Der große internationale Höhepunkt im Rudern sind 2015 ohnehin die Weltmeisterschaften in Savoyen vom 30.August bis 6.September. An gleicher Stelle gab es bereits 1997 Welt-Titelkämpfe. Seinerzeit dominierte das deutsche Ruder-Team mit 11 Medaillen, darunter fünfmal Gold.

Vor 18 Jahren waren zudem Großbritannien (acht Medaillen), Rumänien (sieben Medaillen) sowie die USA und Dänemark (jeweils sechs Medaillen) recht stark.

Aber Deutschland jubelte damals über Rang eins im Medaillen-Ranking – kein schlechtes Omen für 2015… Jedoch: Die Elite-Weltmeisterschaften sind nicht das einzige herausragende internationale Ruder-Ereignis 2015. Einen großen sportlichen Stellenwert haben auch die drei Weltcups in Bled (8. bis 10.Mai), in Varese (19. bis 21.Juni) und in Luzern (10. bis 12.Juli).

Die EM in Poznan vom 29. Mai bis 31.Mai versprechen ebenfalls spannende Ruder-Wettkämpfe.

Weitere wichtige internationale Ruder-Regatten sind zudem die Junioren-EM am 23./24.Mai in Racice, die Ruder-Entscheidungen der Sommer-Universiade in Gwangju vom 3.Juli bis 5.Juli, die U 23-WM vom 22.Juli bis 26.Juli in Plowdiw und die Junioren-WM vom 5.August bis 9.August in Rio, dem Austragungsort der kommenden Olympischen Spiele 2016.

Was erhofft sich nun der Präsident des Landesruderverbandes M-V, Hans Sennewald, von den kommenden Herausforderungen?!

Nachgefragt

H.Sennewald zum Ruder-Jahr 2015, die Erfolgsaussichter der hiesigen Ruder-Flotte und die sportlichen Ziele 2015/16

„Einer der kleinsten Sportfachverbände, aber zugleich einer der erfolgreichsten im Lande…“

Frage: Das Ruder-Jahr 2015 wird wieder ereignisreich: EM, Weltcups, internationale Nachwuchs-Regatten und die WM in Frankreich. Was sind Ihre Hoffnungen – aus M-V-Blickwinkel – für die großen Ruder-Regatten 2015? Wer sind Ihre Kandidaten für die EM und WM aus M-V?

Hans Sennewald: Vor allem befinden wir uns im vorolympischen Jahr; die Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro stehen auch für einige deutsche Boote noch an. Abgesehen vom hohen Anspruch der Qualifikationsregatten selbst, wird sich zeigen, mit wem international bei den kommenden Spielen zu rechnen ist.

Unsere Spitzenathleten haben über den Winter hart trainiert und sind von größeren Ausfällen glücklicherweise verschont geblieben. Damit ist die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Saison gelegt. Vor zwei Wochen, bei der Langstrecken-Regatta in Leipzig, haben sich Stephan Krüger im Einer und Hannes Ocik im Zweier ohne Steuermann gegen die gesamte deutsche Konkurrenz durchgesetzt. Marie-Louise Dräger wurde Zweite im Einer der leichten Frauen.

Daneben zeigten einige Nachwuchs-Athleten wie Frauke Hacker, die Daberkow-Zwillinge und Finn Knüppel, dass mit ihnen 2015 zu rechnen ist. Am kommenden Wochenende gilt es, diese Leistungen bei den Deutschen Kleinboot-Meisterschaften zu bestätigen.

Frage: Wenn Sie noch einmal das letzte Ruder-Jahr Revue passieren lassen: Wo steht nach Ihrer Meinung der Rudersport in M-V? Wie bewerten Sie dessen Stellenwert im Land?

Hans Sennewald: Der Landesruderverband ist einer der kleinsten Sportfach-Verbände unseres Landes – gleichzeitig aber auch einer der erfolgreichsten. Schon seit einigen Olympiaden stellen die Ruderinnen und Ruderer zahlenmäßig das Gros der OlympiaTeilnehmer unseres Landes. Folgerichtig ist Rudern eine der Schwerpunkt-Sportarten unseres Landes und wird im Rahmen des Leistungssportkonzeptes des Landessportbundes gefördert.

Unser Landesleistungszentrum in Kessin ist Bundesstützpunkt/Nachwuchs des Deutschen Ruderverbandes. In Kessin und in den im Leistungssport engagierten Vereinen unseres Verbandes arbeiten sehr gut qualifizierte und motivierte Trainer und Übungsleiter. Das sind die Voraussetzungen für eine kontinuierliche Entwicklung talentierter Sportlerinnen und Sportler.

Frage: Wie beurteilen Sie den Zuspruch der jungen Sport-Talente in M-V zum Rudersport?

Hans Sennewald: Schon fast traditionell sind unsere Jugendlichen und Junioren bei Bundeswettbewerben und Deutschen Jugendmeisterschaften zahlreich unter den besten Athletinnen und Athleten vertreten. In der Folge nominiert der Deutsche Ruderverband immer wieder Sportlerinnen und Sportler unseres Verbandes für die Junioren-Weltmeisterschaften.

In diesem Jahr finden die Junioren-WM am Austragungsort der kommenden Olympischen Spiele, in Rio de Janeiro, statt. Wir gehen davon aus, dass einige unserer Juniorinnen und Junioren dabei sein werden.

Wie andere Vereine und Verbände auch werben wir – und zwar zunehmend intensiver – für unseren schönen Sport und für das Leistungsrudern. Wir sind ja keineswegs allein auf weiter Flur. Insbesondere die Spiel- und Fun-Sportarten sind sehr ernsthafte Mitbewerber.

So suchen die Rostocker Vereine ganz gezielt die Kooperation mit den Schulen der Stadt und veranstalten Stadtteilwettkämpfe als Werbeveranstaltungen für das Rudern. Das kommt recht gut an.

Gelegentlich wünschen wir uns eine positivere Darstellung des Leistungssportes im Allgemeinen in der öffentlichen Berichterstattung. Das faire Streben nach besonderen Leistungen scheint uns ab und an eher verunglimpft als fair dargestellt zu werden.

Wir laden jeden ein, sich selbst ein Bild davon zu machen, mit wieviel Spaß und positiver Auswirkung unser Sport verbunden sein kann.

Letzte Frage: Wie ist Ihre Meinung zum internationalen Kräfteverhältnis im Rudersport vor den Herausforderungen ab Mai?

Hans Sennewald: Es gehören keine seherischen Fähigkeiten dazu, auf den Podesten der internationalen Regatten Ruderer aus den traditionell erfolgreichen Nationen zu vermuten. Das sind Großbritannien, Australien, Neuseeland, je näher wir den Olympischen Spielen kommen auch die USA sowie Kanada und natürlich Deutschland.

Wegen ihrer überragenden Kleinbootleistungen werden sich vermutlich vor allem „die Kiwis“, also die Neuseeländer, in Szene setzen können. Mit einer deutschen Dominanz, wie bei den von Ihnen angeführten WM 1997, rechne ich nicht. Aber die Konkurrenz nimmt die meisten deutschen Boote aus gutem Grund ernst.

Nationen, die über so gut wie keine Traditionen im Rudern verfügen, wie zum Beispiel China, sind starke Einzelleistungen – insbesondere im Leichtgewichts-Rudern – zuzutrauen. Ein Bereich, in dem auch Dänemark und Italien seit Jahren vorn mitmischen.

Einige Länder haben in den letzten Jahren den Rudersport in erheblich größerem Maße gefördert, als das in der Vergangenheit der Fall war. Das trägt – nicht in jedem Fall, aber tendenziell – Früchte.

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Rudersport und maximale Erfolge für die Ruderinnen bzw. Ruderer aus M-V!

Marko Michels

Übrigens: Aktuell ist Hannes Ocik, unter anderem Achter-Europameister 2013 und Achter-Vize-Weltmeister 2013, von der Schweriner Rudergesellschaft der erfolgreichste Ruderer der Landeshauptstadt M-V. Vor fast vierzig Jahren, bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, sorgte indes der gebürtige Schweriner und Ruderer Michael Wolfgramm für den ersten Olympiasieger der „Stadt der sieben Seen“ überhaupt. Im damaligen DDR-Doppelvierer gewann Michael Wolfgramm Gold vor der UdSSR, der CSSR, Westdeutschland, Bulgarien und den USA. Olympiasiege für die heutige Landeshauptstadt M-V erkämpften 1976 zusätzlich die gebürtige Schwerinerin Andrea Pollack (Schwimmen, Gold über 200 Meter Schmetterling und mit der 4 x 100 Meter-Lagen-Staffel der DDR) und Jochen Bachfeld (Boxen, SC Traktor Schwerin, Weltergewicht). mm

 


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