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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Der Reitsport: Zwischen den Weltreiterspielen 2014 und den EM 2015

2014 – ein erfolgreiches Reitsport-Jahr aus deutscher Sicht

Für die Reitsportlerinnen und Reitsportler beginnen nun natürlich ebenfalls die „schönsten Tage“ des Jahres. Dabei gab es für einige von diesen bereits im Laufe des Jahres 2014 sehr, sehr gute Momente, so auch bei den WM in diesem Jahr.

Rückblick auf die Weltreiterspiele 2014

Bei den siebenten Weltreiterspielen in der Normandie dominierten die Reitsportlerinnen und Reitsportler aus Großbritannien (7 x Gold, 6 x Silber, 2 x Bronze), den Niederlanden (6 x Gold, 3 x Silber, 9 x Bronze), Deutschland (5 x Gold, 6 x Silber, 4 x Bronze), den USA (2 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze) und Belgien (2 x Gold, 1 x Silber). Je ein Weltmeister-Titel ging an Frankreich, Österreich, Italien, Australien, Spanien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Für Deutschland holten die Teams in der Dressur (Fabienne Lütkemeier auf D´Agostino, Kristina Sprehe auf Desperados, Helen Langehanenberg auf Damon Hill sowie Isabell Werth auf Bella Rose) im Vielseitigkeitsreiten (Sanda Auffarth auf Opgun Louvo, Michael Jung auf Rocana, Ingrid Klimke auf FRH Escada sowie Dirk Schrader auf Hop and Skip) und im Voltigieren (Paulina Riedel, Mona Pavetic. Janika Derks, Milena Hieman, Julia Dammer, Johannes Kay und Longenführerin Jessica Schmitz / auf Delia) Gold. Einzel-Triumphe sicherten sich Sandra Auffarth (auf Opgun Louvo, Vielseitigkeitsreiten) und Hannelore Brenner (auf Women oft he World, Para-Dressur).

Insgesamt jubelten 17 Länder über Edelmetall in den 28 Entscheidungen der Weltreiterspiele 2014.

Im „ewigen Medaillenspiegel“ der Weltreiterspiele (1990-2014) ist Deutschland weiterhin die erfolgreichste Reiter-Nation mit 83 Medaillen, davon 34 x Gold, vor Großbritannien mit 47 Medaillen, davon 18 x Gold, den Niederlanden mit 44 Medaillen, davon 14 x Gold, den USA mit 39 Medaillen, davon 14 x Gold und Frankreich mit 28 Medaillen, davon 8 x Gold.

Zwischen Nanjing und der „DKB Riders Tour“

Vor den Weltreiterspielen 2014 hatten auch die jungen Reitsportlerinnen und Reitsportler ganz besondere Einsätze. Bei den Reitsport-Wettkämpfen der zweiten Olympischen Jugend-Spiele gewann Emily Fraser aus Neuseeland den Einzel-Wettbewerb im Springreiten, den Team-Contest entschied „Team Europa“ mit Matias Alvaro (Italien), Michael Duffy (Irland), Jake Saywell (Großbritannien), Filip Agren (Schweden) und Lisa Nooren (Niederlande) für sich.

Und auch für Mecklenburg-Vorpommern bot das reitsportliche Jahr einen ganz besonderen Höhepunkt. Holger Wulschner (Groß Viegeln) war der Gewinner der diesjährigen DKB Riders Tour, der „Rider of the Year“. Ein schönen aktueller Erfolg für den reitsportbegeisterten Nordosten, denn Mecklenburg bzw. Vorpommern brachte mit Carl-Friedrich von Langen aus Parow bei Stralsund, zweifacher Dressur-Olympiasieger 1928 in Amsterdam, und Ludwig Stubbendorff aus Turloff/Dabel, zweifacher Military-Olympiasieger 1936 in Berlin, bereits zwei olympische Champions hervor.

Jedoch:  Wie beurteilt nun Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei, das reitsportliche Jahr 2014 aus deutscher Sicht?!

Nachgefragt

Dr. D.Peiler über das Reitsport-Jahr 2014, die Erfolge im Elite- und im Nachwuchs-Bereich, die Europameisterschaften 2015 in Aachen und die mediale Präsenz des Pferdesportes

„Dürfen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen…“

Frage: Das Reitsport-Jahr 2014 ist fast Historie. Wie beurteilen Sie die letzten elf Monate aus deutscher Reitsport-Sicht?

Dr. Dennis Peiler:  Sicherlich waren die Weltreiterspiele in Caen (Normandie/Frankreich) das Hauptereignis. Fünfzehn Medaillen, darunter fünf goldene, können sich sehen lassen.

Die deutschen Pferdesportler haben insgesamt sogar noch besser abgeschnitten als bei den Weltreiterspielen vor vier Jahren in Kentucky. Unser wichtigstes Ziel haben wir außerdem erreicht: die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio.

Dressur, Springen und Vielseitigkeit haben jetzt schon ihr Ticket gelöst. Dies gelang auch unserem Para-Dressur-Team, das die deutsche Beteiligung an den Paralympics sichern konnte. Somit stehen unsere Reiter nicht unter dem Druck, bei den Europameisterschaften 2015 unbedingt die Qualifikation schaffen zu müssen.

In den olympischen Disziplinen waren die deutschen Reiter die erfolgreichsten dieser Weltreiterspiele: Team-Gold jeweils in Dressur und Vielseitigkeit, dazu Einzel-Gold in der Vielseitigkeit (Sandra Auffahrt) und Einzel-Silber (Michael Jung) sowie zweimal Einzelsilber auf dem Dressurviereck (Helen Langehanenberg) und einmal Bronze (Kristina Sprehe) lautete die herausragende Bilanz, die keine andere Nation vorlegen konnte.

Im Medaillenspiegel insgesamt rangierten unsere deutschen Aktiven mit fünf Goldmedaillen hinter den Niederländern (sechs) und den führenden Briten, die insgesamt siebenmal Gold gewannen, davon viermal im Para-Sport.

Das weitere Highlight des Jahres war das Weltcup-Finale der Springreiter in Lyon. Mit Daniel Deußers Sieg und dem zweiten und vierten Platz von Ludger Beerbaum und Marcus Ehning wurden unsere Erwartungen sogar noch übertroffen.

Aber auch im Jugendsport konnten wir zahlreiche großartige Erfolge erzielen, die uns optimistisch in die Zukunft schauen lassen. Insgesamt ist der deutsche Pferdesport sehr gut aufgestellt. Dennoch dürfen wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen, denn die Konkurrenz in allen Disziplinen ist weltweit enorm angewachsen. Der Sport ist insgesamt sehr viel globaler und professioneller geworden.

Frage: Was waren für Sie dabei die ganz besonderen Highlights?

Dr. Dennis Peiler:  Ich könnte jetzt stundenlang von besonderen Highlights schwärmen, aber ich will mich auf zwei konzentrierten, nämlich auf die Dressur und die Vielseitigkeit. Unser Dressur-Team hat seine Durststrecke längst überwunden. Vor vier Jahren in Kentucky reichte es nur zu Mannschafts-Bronze. In London bei den Olympischen Spielen 2012 gewann das Quartett Silber und eroberte im vergangenen Jahr bei der EM sogar Gold zurück.

Dies war auch das Ziel in Caen, delches das Damen-Quartett mit Helen Langehanenberg, Isabell Werth, Kristina Sprehe und Fabienne Lütkemeier mit Bravour erreichte. Team-Gold konnte mit zwei Silber- und eine Bronzemedaille sogar noch „aufgehübscht“ werden und das obwohl „Bella Rose“ und Isabell Werth nach dem Mannschaftswettbewerb verletzungsbedingt nicht mehr an den Start gegangen sind. Beide hatten ebenfalls beste Aussichten auf Medaillen in den Einzelwettbewerben.

Unsere Dressur ist wieder ganz oben, woran auch unsere  Cheftrainerin Monica Theodorescu großen Anteil hat.

Besonders gefreut hat mich auch der sportliche Triumph unserer „Buschreiter“, zumal die Gelände-Prüfung auf dem Areal des Nationalgestüts Haras du Pin unter keinem guten Stern stand.

Abgesehen davon, dass die Anfahrt der Zuschauer über winzige Landstraßen in ein Chaos mündete, so dass viele Vielseitigkeitsfans erst zu den letzten Ritten ihr Ziel erreichten, litt der Cross-Country unter tiefem, schweren Boden. Zwar wurde die Strecke um rund 500 Meter und einige Hindernisse minimiert, aber für die Pferde blieb es eine sehr kräftezehrende Prüfung.

Erstaunlicherweise gingen die allermeisten topfit am Folgetag im abschließenden Springen an den Start. Gold für Sandra Auffahrt, Silber für Michael Jung und dazu Team-Gold, an dem auch Ingrid Klimke und Dirk Schrade beteiligt waren – ein wahrlich glänzender Abschluss, den das „Buschreiterteam“ und sein Anhang auch kräftig feierten. Auch hier muss deutlich gesagt werden: Das, was unser Trainerduo Hans Melzer und Chris Bartle in enger Zusammenarbeit mit Rüdiger Schwarz seit über zehn Jahren leistet, verdient höchsten Respekt und Anerkennung.

Frage: Im nächsten Jahr finden die Reitsport-Europameisterschaften an traditionsreicher Stätte, in Aachen, statt. Was erhoffen Sie sich von diesen Titelkämpfen – organisatorisch, ideell und sportlich?

Dr. Dennis Peiler:  Wir haben mit dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) und der dazu gehörenden Vermarktungsgesellschaft einen ungemein professionellen und erfahrenen Veranstalter, der dieses Championat glänzend stemmen wird.

Was Aachen leisten kann, konnte man 2006 bei den Weltreiterspielen erleben. Eine knappe halbe Million Zuschauer feierte zwei Wochen lang das Weltfest des Pferdesports und sicherte unseren Aktiven eine starke Präsenz in den Medien.

Bei den Europameisterschaften sind die fünf Disziplinen Springen, Dressur, Voltigieren, Vierspännerfahren und die Westerndressur Reining vereint.

Die Vielseitigkeit trägt ihr Championat in Großbritannien aus, dies war schon vor vielen Jahren vertraglich so geregelt, aber mit dem Nationen-Preis ist diese Disziplin beim Aachener Championat auch dabei.

Natürlich hoffen wir, an die guten Leistungen unserer Medaillen-Teams der Weltreiterspiele 2014 anknüpfen zu können. Unseren Springreitern wünsche ich eine Medaille, die sie in diesem Jahr als Viertplatzierte knapp verpasst haben.

Ich bin sicher, dass wir mit dem gut zehntägigen Championat viel Aufmerksamkeit auf den Pferdesport ziehen können und im Idealfall auch neue Freunde für das Pferd als Partner in Sport und Freizeit gewinnen.

Frage: Deutschland gilt ja allgemein als Fußball-, Formel 1- und Profi-Boxsport-Land – entsprechend ist auch die exorbitante mediale Berücksichtigung dieser Sportarten. Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht der Reitsport in Deutschland?

Dr. Dennis Peiler: Es ist leider zutreffend, dass insbesondere Fußball viele Sportarten aus den Medien weitgehend verdrängt hat. Dem Reitsport geht es aber immer noch etwas besser als anderen.

Wir haben mit der Sportrechteagentur Sport A den Fernsehvertrag verlängert, der den größten Turnieren die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sichert. Zudem haben sich Deutsche Reiterliche Vereinigung und die Veranstalter internationaler und großer Turniere zur Deutschen Reitsport Vermarktungs GmbH zusammengeschlossen, die gemeinsam mit dem Internet-TV-Anbieter ClipMyHorse.TV nicht nur die Übertragung der Turniere garantiert, sondern zugleich fürs Fernsehen eigene Beiträge produziert und diese den Sendeanstalten zur Verfügung stellt.

Dennoch wünschen wir uns natürlich mehr Präsenz in den Medien. Daran arbeiten wir mit unserer Abteilung Öffentlichkeitsarbeit an verschiedenen Stellen, beispielsweise mit Journalisten-Seminaren und Redaktionsbesuchen.

Aber uns ist natürlich bewusst, dass insbesondere im Printbereich schwierige Zeiten mit hohem Kostendruck und Sparzwang angebrochen sind. Früher schickten etliche Tageszeitungen ihre Sportredakteure für eine Woche zu den großen Pferdesport-Championaten auch ins Ausland. Das kann sich heute kaum noch ein Verlag leisten.

Bei den Weltreiterspielen dieses Sommers in der Normandie waren nur noch drei Tageszeitungsredakteure vor Ort, alle anderen Zeitungen nutzten die Berichte der Agenturen dpa und sid. Ich fürchte, diese Entwicklung ist kaum zu stoppen. Umso wichtiger ist deshalb für uns auch der Aufbau und die Pflege unserer Aktivitäten im Internet-TV und in den sozialen Netzwerken.

Vielen Dank, weiterhin bestes pferdesportliches Engagement und erfogreiche EM 2015 in Aachen!

Marko Michels

 

 

 

 


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