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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Rückspiegel – das Ruderjahr 2014

Nachgefragt bei Marie-Louise Dräger

Das Jahr 2014 rudert langsam ab… Aber in den letzten Monaten wurde – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich mächtig gerudert. So fanden in diesem Jahr – zwei Jahre vor Rio 2016 – auch Weltmeisterschaften statt. Amsterdam rief die besten Ruderinnen und Ruderer aus aller Welt und nach Beendigung der Wettkämpfe Anfang September waren Großbritannien (zehn Medaillen, davon 4 x Gold), Neuseeland (neun Medaillen, davon 6 x Gold), Australien bzw. Deutschland (jeweils acht Medaillen, davon 2 x Gold) und die USA (sieben Medaillen, davon 1 x Gold) die erfolgreichsten Nationen nach 27 Entscheidungen im „normalen“ Rudern, Leichtgewichts-Rudern und Handicap-Rudern.

Aber auch neben den WM gab es 2014 jede Menge Regatten, wobei auch die Rostockerin Marie-Louise Dräger ein glänzendes Comeback feierte.

Wie ist die Gemütslage jedoch zurzeit bei der ambitionierten Ruderin?!

Marie über Ihr Ruder-Jahr 2014, ihre sportlichen Ziele 2015, ihre beruflichen Ambitionen, den kleinen Ben und die sportlichen Höhepunkte des Jahres 2014

Nachgefragt bei Marie-Louise Dräger, Jahrgang 1981, ORC Rostock, vierfache Weltmeisterin und zweifache Olympia-Teilnehmerin 2008/2012 (Ersatzruderin 2004)

„Geld regiert auch die (Sport-)Welt…“

Frage: Marie, das Jahr 2014 sagt langsam „Adieu“. Was waren für Dich die besonderen Momente der vergangenen Monate – nicht nur vom Ruderboot aus betrachtet?

Marie-Louise Dräger: Besondere Momente gab es dieses Jahr sehr viele. Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele, die Fussball-WM der Männer, die Volleyball-WM der Männer und viele mehr… Aber besonders prägend war natürlich der Gewinn des Weltpokals des DFB-Teams.

Frage: Das Sport-Jahr 2014 wurde geprägt von den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Sotschi, von den Fußball-WM in Brasilien, von den Olympischen Jugendspielen in Nanjing oder von den EM bzw. WM in den olympischen Kernsportarten. Auf vielem, auf dem „Sport“ stand, war aber „Politik, Geld und Profit“ drin… Wie bewertest Du den Charakter des Sport-Jahres 2014? Wie beurteilst Du den extremen Einfluß von Politik und Wirtschaft auf den Sport?

Marie-Louise Dräger: Mittlerweile ist es leider so, dass die Politik und die Wirtschaft immer mehr Einfluß auf den Sport erhalten, was ich selbst auch schon schmerzlich erleben durfte. Nimmt man allein die Winterspiele in Sotchi, die teuersten Spiele bislang überhaupt. Oder die Austragungsorte der nächsten Fussball-WM. Geld regiert die Welt…

Frage: Mal nur das „Sportliche“ gesehen… Welche sportlichen Leistungen 2014 beeindruckten Dich besonders? Was waren die Sport-Highlights für Dich?

Marie-Louise Dräger: Ganz klar, die Fussball-WM! Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Sport so viele Menschen vereinen kann, auch wenn man vielleicht nicht „der eingefleischte Fussball-Fan“ ist. Aber dies gelingt auch nur, wenn man, wie die deutsche Mannschaft, erfolgreich spielt, und die ganze Nation sich in ihr widerspiegelt.

Frage: Zurück auf das Ruderboot… Wie verlief Dein persönliches Ruder-Jahr?

Marie-Louise Dräger: Für die erste Saison „nach Tag X“, also der Geburt meines Sohnes, verlief die Saison recht ordentlich. Ich konnte mich bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften auf Platz zwei behaupten, dieses allein nur mit knapp sechs Monaten Training.

Ich durfte an zwei Weltcups teilnehmen, bei denen ich auch jeweils ins Finale rudern konnte. Auf die WM in Amsterdam habe ich dieses Jahr allerdings freiwillig verzichtet, ich bin deswegen aber auch nicht traurig. So hatte ich noch etwas mehr Zeit für meinen Sohn, bevor es demnächst wieder richtig los geht.

Frage: Was macht eigentlich Dein Nachwuchs? Strebt er auch schon ins Ruderboot?

Marie-Louise Dräger: Dem kleinen Ben geht es ganz gut. Zum Glück weiss er noch nicht, was Rudern ist (lacht). Er ist ja auch erst achtzehn Monate , aber er treibt auch jetzt schon regelmäßig Sport(zweimal in der Woche!), wenn man dieses schon so sagen kann. Er macht Kindersport bei den „Lederhexen“ und geht sehr gerne zum Schwimmen. Wasser ist schon einmal dabei (lacht).

Frage: Welche Hoffnungen hegst Du – nicht nur sportiv – bezüglich 2015?

Marie-Louise Dräger: Nach dem diesjährigen Ergebnis des olympischen Zweiers bei der WM (Anmerkung: im Hoffnungslauf ausgeschieden), scheint die Bootsklasse wieder etwas offener geworden zu sein. Mein Ziel ist es, nächstes Jahr wieder für die Nationalmannschaft nominiert zu werden –  und wenn möglich, im Zweier zu sitzen.

Letzte Frage: Wie verbringt eigentlich eine ambitionierte Ruderin die Feiertage zwischen 4.Advent, Weihnachten, Silvester und Neujahr? Ganz asketisch oder doch „feucht-fröhlich“?

Marie-Louise Dräger: Gegenwärtig habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Ich fahre vorher ins Trainingslager nach Avis/ Portugal (10.Dezember bis 19.Dezember) und habe noch zwei Prüfungen in der Ausbildung bei der Sportfördergruppe der Landespolizei M-V. Aber wahrscheinlich werde ich, wie eigentlich immer, die Zeit an den Feiertagen mit der Familie verbringen  und die restlichen Tage etwas trainieren. Ich bin nicht so der Weihnachtstyp bzw. Silvester-Partygänger.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute – persönlich, beruflich, sportlich und natürlich für den kleinen Ben!

Übrigens: Runde 55 Lenze wurde im Jahr 2014 die gebürtige Greifswalder Ruderin Cornelia Linse, die 1979 Weltmeisterin mit dem Doppelzweier, 1980 Olympia-Zweite mit dem Doppelzweier, 1981 bis 1983 jeweils Vize-Weltmeisterin im Doppelvierer und 1985 Einer-Weltmeisterin wurde.

Marko Michels

 

 


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