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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Auf dem (Rad-)Weg nach London

Goldene Erfolge für Mecklenburger Radsport-Team bei den Welt-Titelkämpfen 2012

Radfahren ist ein Hit, in Deutschland allgemein, wie in MV speziell. Das wurde gerade wieder einmal bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften in Melbourne eindrucksvoll bewiesen. Der gebürtige Hagenower und Wahl-Schweriner Stefan Nimke, der zum WM-Auftakt zu Recht über die umstrittene Disqualifikation des deutschen Teams enttäuscht war, gab beim 1000 Meter-Zeitfahren die passende Antwort. Mit der super Zeit von 1:00,082 Minuten verwies Stefan den Franzosen Michael D`Almeida (1:00,509 Minuten) und den Neuseeländer Simon Van Velthooven (1:00,543 Minuten) souverän auf die folgenden Plätze.

Die aktuelle Bilanz von Stefan bei Weltmeisterschaften: 6 x Gold (davon 4 x Gold im 1000 Meter-Zeitfahren) und 8 x Bronze. Dazu kommen noch 1 x Gold (Teamsprint 2004), 1 x Silber und 2 x Bronze bei Olympischen Spielen.

Und es gab einen weiteren riesigen Erfolg für das „Track Cycling Team Mecklenburg-Vorpommern“ in Down Under. Miriam Welte aus Kaiserslautern, die für das „TCT M-V“ fährt, konnte mit ihrer Sportkollegin Kristina Vogel Sensations-Gold im Teamsprint erkämpfen. Mit einer Weltrekordzeit (32,549 Sekunden) verwies das deutsche Duo Kaarle McCulloch/Anna Meares (Australien/33,597 Sekunden) und Guo Shuang/Gong Jinjie (China/32,870 im kleinen Finale) auf die anderen Medaillenränge. Miriam konnte bereits 2008 WM-Bronze im Teamsprint (mit Dana Glöß) und 2011 WM-Bronze im 500 Meter-Zeitfahren erkämpfen.

Bei den Herren hatten nach der umstrittenen Disqualifikation der Deutschen die Australier vor den Franzosen und Neuseeländern triumphiert. Dennoch – zweimal WM-Gold vom „Track Cycling Team M-V“ für den Bund Deutscher Radfahrer – eine bemerkenswerte Bilanz.

Deutschland – ein Radsport-Land

Seit fast 130 Jahren ist der Radsport deutschlandweit organisiert: So gründete sich der „Deutsche Radfahrerbundes“ 1884 und mit der Eröffnung der ersten Berliner Radrennbahn fanden noch im gleichen Jahr die ersten deutschen Meisterschaften im Radsport statt.

Doch, was wäre der Radsport ohne „Idole“ … Das erste im deutschen Radsport war der Frankfurter August Lehr (1871-1921). Er gewann die internationalen Meisterschaften des Jahres 1889 in London, die auf deutschem Antrag hin sogar  als Weltmeisterschaft anerkannt wurden. Auf dem Hochrad setzte sich Lehr gegen die favorisierten Engländer durch. Als Amateur konnte er dann ebenfalls noch im Jahr 1894 bei der WM in Antwerpen gegen den Holländer Jaap Eden gewinnen, der ein Jahr zuvor Weltmeister im Eisschnelllauf geworden war. Anno 1894 triumphierte Lehr allerdings auf dem Niederrad. Noch Jahre später gehörte August Lehr zu den besten Berufsradfahrern der Welt.

Auch die Schweriner waren vom Radsport begeistert

Dem Vorbild Lehrs wollten auch einige Schweriner nacheifern. Im Jahr 1886 wurde der „Schweriner Radfahrverein“ unter maßgeblicher Initiative von Karl Gundlach, einem Kaufmann, gegründet. Am 23./24.Juni 1888 feierte der Verein mit der „Vereinigung der Mecklenburgischen Radfahrer“ sein Stiftungsfest. Insbesondere Radsport-Veranstaltungen bzw. – Darbietungen auf dem Hochrad gehörten zum Repertoire dieses Vereines. In der „Vereinigung der Mecklenburgischen Radfahrer“ taten sich die Radvereine aus beiden Teilen Mecklenburgs zusammen; diese schloss sich dem „Deutschen Radfahrerbund“ an. Allerdings trat die „VMR“ bereits 1892 aufgrund organisatorischer Querelen wieder aus diesem deutschen Radsport-Dachverband aus. Im Jahr 1896 erhielt der „Schweriner Radfahrverein“ innerstädtische Konkurrenz: Es gründete sich der Radfahr-Verein „Greif zu“.

Der organisierte Radsport in Schwerin begann seinen Siegeszug.

Und die Krönung dieses Siegeszuges sind zweifellos die sechs Weltmeistertitel (2003, 2009, 2011 und 2012-1000 Meter sowie 2010/2011-Teamsprint) und die fünf Olympiamedaillen (2004 Gold im Teamsprint, 2000 Silber im 1000 Meter-Zeitfahren, 2004 Bronze ebenfalls im 1000 Meter Zeitfahren sowie 2008 Bronze im Teamsprint) durch Stefan Nimke, Jahrgang 1978.

Auch die Rostocker im Radsport sehr gut

Und auch die Rostocker blieben radsportlich bei großen Ereignissen nicht außen vor … Der gebürtige Rostocker Günther Schumacher wurde 1972 in München und 1976 in Montreal mit dem bundesdeutschen Bahnvierer Olympiasieger.  Jan Ullrich, der wegen anderer Dinge gerade erst wieder Schlagzeilen machte, wurde 2000 in Sydney im Straßenrennen Olympiasieger und außerdem Olympia-Zweiter im Zeitfahren.

Aus MV-Sicht hoffen nun im Olympia-Jahr 2012 erneut Stefan Nimke, Miriam Welte (Beide Track Cycling Team MV) im Bahnradsport sowie der gebürtige Grevesmühlener Jens Voigt und der gebürtige Rostocker Andre Greipel im Straßen-Radsport auf erfolgreiche olympische Einsätze in London. Dass diese Hoffnungen eine solide Basis haben, bewiesen Miriam und Stefan gerade in Melbourne.

Von Melbourne 2012 nach Melbourne 1956 – Die damaligen olympischen Wettbewerbe

Übrigens: Vor 56 Jahren, im Jahr 1956, war Melbourne Ausrichter der 16.Olympischen Spiele und damit fanden auch die olympischen Wettbewerbe im Radsport in der australischen Metropole statt. Die Italiener und Franzosen dominierten dabei die sechs Entscheidungen im Bahn-Radsport bzw. Straßenradsport. Im 1000 Meter-Zeitfahren siegte Leandro Faggin (Italien), im Sprint Michel Rousseau (Frankreich), mit dem Bahnvierer Italien,  im Straßen-Einzel Ercole Baldini (Italien) und mit dem Straßen-Team Frankreich. Australien konnte hingegen im Tandem-Fahren olympisches Gold erkämpfen.
Die Straßen-Entscheidungen gab es seinerzeit in Broadmeadows – die Bahn-Spezialisten mußten im Velodrome im Olympic Park ran und dort wurden drei olympische Rekorde aufgestellt.

Auch die deutschen Radler durften jubeln – mit Horst Tüller, Täve Schur, Reinhold Pommer und Erich Hagen gab es im Straßenrennen mit dem Team Bronze.
Die erfolgreichsten Rad-Nationen waren anno 1956 in Melbourne Italien (3 x Gold, je 1 x Silber und Bronze), Frankreich (2 x Gold, 2 x Silber), Australien (1 x Gold, 1 x Bronze), die CSSR (2 x Silber), Großbritannien (1 x Silber, 2 x Bronze), Südafrika (1 x Bronze) und das gesamtdeutsche Olympia-Team (1 x Bronze).

Resümee der Bahnradsport-WM 2012

Bei den Rad-WM des Jahres 2012 in Australien spielten – bei 19 Konkurrenzen – ebenfalls Australier, Briten und Deutsche eine Hauptrolle. Insgesamt waren die Welt-Titelkämpfe ein aufschlussreiches Kräftemessen, faktisch eine beeindruckende Generalprobe, dreieinhalb Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in London. Dabei war „Down Under“ ziemlich „top“. Die australischen Athletinnen und Athleten konnten mit 6 x Gold, 6 x Silber und 3 x Bronze die „Pole Position“ im Bahnradsport so kurz vor Olympia erobern und möchten diesen Platz natürlich auch in der britischen Hauptstadt verteidigen. Die Gastgeber der Spiele von London präsentierten sich ebenfalls stark. So gab es 6 x Gold, 4 x Silber und 3 x Bronze für die Britinnen und Briten.

Und das Team des Bundes Deutscher Radfahrer?! Das landete im Medaillen-Ranking auf Platz drei – insbesondere dank der Erfolge von Miriam Welte und Stefan Nimke. So gewannen Miriam Welte/Kristina Vogel im Teamsprint und Stefan Nimke im 1000 Meter-Zeitfahren – wie bereits erwähnt. Zudem erkämpfte Miriam Welte im 500 Meter-Zeitfahren noch Silber hinter Anna Meares/Australien. Maximilian Levy errang Silber im Keirin hinter Chris Hoy/Großbritannien. Bronze eroberte Kristina Vogel ebenfalls im Keirin.

Melbourne zeigte außerdem: Der Bahnradsport ist weltweit „in“. Die Goldmedaillen in den 19 Entscheidungen gingen an 8 Länder – neben Australien, Großbritannien und Deutschland an Frankreich, Russland, Neuseeland, Belgien und Polen. Insgesamt konnten sich 16 Länder, darunter Kanada, die USA, China und Südafrika – über Edelmetall freuen.

Im „ewigen Medaillenspiegel“ aller Bahnradsport-Weltmeisterschaften ist nach Melbourne im Jahr 2012 noch immer Frankreich mit 127 x Gold vor Deutschland mit 114 x Gold, Großbritannien mit 88 x Gold, den Niederlanden mit 82 x Gold und Russland mit 73 x Gold führend.

Auf jeden Fall bedeuten die WM 2012 Rückenwind, vor allem für die Athletinnen und Athleten aus Australien, Großbritannien und Deutschland, für Olympia im Sommer.

M. Michels


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