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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Zwei Monate bis zur EURO 2012 – DFB-Team ein Mit-Favorit

Deutschland trifft in der Vorrunde auf Dänemark, Portugal und Niederlande

Alle blicken bereits nach London, denn in drei Monaten beginnen dort die Olympischen und dann die Paralympischen Spiele. Vorher jedoch freuen sich die Sportfans, insbesondere in Europa, auf ein weiteres sportliches Großereignis – die Fußball-Europameisterschaft vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und in der Ukraine.

Das deutsche Team muß sich dabei in der Vorrunde mit einer hochkarätigen Konkurrenz auseinander setzen – mit Dänemark, Portugal und den Niederlanden. Wer jedoch Europameister werden will – und das ist das Ziel des DFB-Teams von Trainer Jogi Löw – muß letztendlich jeden Gegner schlagen können.

Dass deutsche Teams stets eine gute Rolle bei Fußball-EM-Endrunden spielte beweist die Historie: Deutschland wurde dreimal Europameister (1972, 1980, 1996), dreimal Vize-Europameister (1976, 1992, 2008)  und einmal EM-Dritter (1988, zusammen mit Italien). Bei den Endrunden 1984, 2000 und 2004 lief es hingegen suboptimal – jeweils in der Vorrunde war Endstation. Dieses Mal sollte jedoch erst am 1. Juli „Endstation“ in Kiew sein – mit dem gewonnenen Europameistertitel!

Dabei im Team dürfte auch wieder der gebürtige Greifswalder und ehemalige Hansa-Spieler Toni Kroos sein, der 2011/12 eine hervorragende Saison beim FC Bayern spielt. Vor zwei Jahren wurde er mit der deutschen Mannschaft bereits WM-Dritter 2010 in Südafrika.

Überhaupt … Mecklenburger und Vorpommern standen oftmals in erfolgreichen deutschen Teams. So waren die Hansa-Spieler Jürgen Heinsch, Klaus-Dieter Seehaus, Herbert Pankau und Wolfgang Barthels Mitglieder der bronzenen DDR-Auswahl bei Olympia 1964 in Tokyo. Und fast wäre ein fünfter Mecklenburger in der japanischen Hauptstadt aufgelaufen: Ein gesundheitliches Handicap verhinderte den Einsatz des gebürtigen Wismarers Heino Kleiminger bei der olympischen Endrunde. Zuvor hatte er eine hervorragende Qualifikation  gespielt.

Beim Olympia-Turnier 1972 in München gewann dann Joachim Streich, in Wismar geboren und von 1967 bis 1975 beim FC Hansa Rostock, mit der DDR-Mannschaft Bronze (zusammen mit der UdSSR). Vier Jahre später bei den Olympischen Spielen`76 in Montreal standen dann der gebürtige Teterower und Hansa-Spieler Gerd Kische und der gebürtige Wolgaster Hans-Ulrich Grapentin in der goldenen DDR-Auswahl von Trainer Georg Buschner. In Moskau 1980 gehörten der gebürtige Rostocker und frühere Hansa-Torwart Bernd Jakubowski und der gebürtige Schweriner Wolf-Rüdiger Netz zur Silber-Auswahl der DDR.

Bei der ersten und einzigen Teilnahme der DDR an einer WM-Endrunde – 1974 in der Bundesrepublik – war ein M-V-Trio im Team: Joachim Streich, Gerd Kische und der gebürtige Pasewalker Erich Hamann.

Bei den EM-Endrunden nach 1990 kamen Mecklenburger und Vorpommern auch einige Male zu DFB-Auswahl-Ehren, so unter anderem der gebürtige Malchiner und frühere Hansa-Spieler Thomas Doll 1992 (Vize-Europameister), der gebürtige Schweriner und Hansa-Spieler Rene Schneider 1996 (Europameister), der gebürtige Grevesmühlener und frühere Hansa-Spieler Carsten Jancker 2000 (Wurde 2002 Vize-Weltmeister mit der DFB-Mannschaft!) und Tim Borowski 2008 (Vize-Europameister / Wurde 2006 WM-Dritter mit der DFB-Mannschaft!). Und nun ist Bayern-Kicker Toni Kroos der „obligatorische M-V-Spieler“ im DFB-Team 2012!

Und wie beurteilt Joachim Masuch, Präsident des Fußballverbandes M-V,  die Aussichten der deutschen Mannschaft zwei Monate vor der EM-Endrunde? Nachgefragt…

„Bin zuversichtlich für die Europameisterschaft!“

Frage: So schnell vergeht die Zeit! Es sind gerade noch zwei Monate bis zum Beginn der EM-Endrunde in Polen und in der Ukraine. Wie bewerten Sie 9 Wochen vor Beginn der Fußball-EM die Aussichten der deutschen Mannschaft?

Joachim Masuch: Die Entwicklung unserer Nationalmannschaft seit der WM 2006 mit dem Einbau vieler damaliger Talente und deren heutigen Stellenwert im Team sowie die Art und Weise, wie diese Mannschaft sich mit „Fußballspielen“ durch die zurückliegende Qualifikation zur EURO 2012 souverän gespielt hat, stimmt mich sehr zuversichtlich für das Endrundenturnier in der Ukraine und Polen!

Frage: Die bisherigen Europameister (1960/64 Europapokal der Länder) waren 1960 die Sowjetunion, 1964 und 2008 Spanien, 1968 Italien, Deutschland 1972, 1980 und 1996, die Tschechoslowakei 1976, Frankreich 1984 und 2000, die Niederlande 1988, Dänemark 1992 und Griechenland 2004. Welche Europameister-Mannschaft – nicht nur aus deutschem Blickwinkel war für Sie die beste? Wie sähe Ihr persönliches „EM-Allstar-Team“ aus?

Joachim Masuch: Da komme ich nicht umhin, die deutsche Auswahl aus dem Jahr 1972 zu nennen! Sie besaß damals mit sehr vielen Spielern von Bayern München (Beckenbauer, Müller, Meier, Breitner,..) eine sehr spielstarke Mannschaft mit mehreren herausragenden Individualisten, die Spiele alleine entscheiden konnten! Für die Benennung eines Allstar-Teams entscheide ich mich für folgende Spieler: Jaschin-  Platt, Beckenbauer, Kohler, Maldini- Platini, Zidane, di Stefano, Müller, Eusebio, Albert.

Frage: Rechnen Sie für die EM-Endrunde 2012 mit Überraschungen oder werden sich – nach Ihrer Meinung – die üblichen Verdächtigen, wie Deutschland, Spanien oder Italien durchsetzen?

Joachim Masuch: Ich gehe davon aus, dass sich die spielstarken Teams von Spanien und Deutschland unter den Halbfinalisten wieder finden werden. Da das Leistungsniveau bei einer EM stets höher zu bewerten ist als bei einer WM traue ich der einen oder anderen Mannschaft auch eine Überraschung für den Einzug unter die letzten vier Teams zu. Dass könnten Holland, Italien und Schweden sein!

Frage: Barcelona gilt zurzeit weltweit als das „Maß aller Fußball-Dinge“. Hätte eine Nationalmannschaft gegen dieses „Dream-Team“ eine Chance?

Joachim Masuch: Es muß zunächst festgestellt werden, dass der FC Barcelona ein über Jahre gewachsenes Team geformt hat, bei dem jeder Spieler seine Aufgabe und die seiner Mitspieler kennt. Jeder Spieler verfügt über eine hohe technische Perfektion und ist taktisch hervorragend geschult! Eine Nationalmannschaft kann dieses „eingespielt sein“ nicht vorweisen! Dennoch kann grundsätzlich auch ein Nationalteam, das über eine spielstarke Mannschaft mit vielen Einzelkönnern verfügt, an einem guten Tag auch Barca bezwingen!

Frage: Zurück zur EM-Endrunde … Was erhoffen Sie sich vom gebürtigen Greifswalder und früheren Hansa-Spieler Toni Kroos in Polen und in der Ukraine? Wird er einer der Stars der EM 2012?

Joachim Masuch: Ich hatte das Glück, Toni Kroos bei vielen DFB-Heimländespielen und bei der WM in Südafrika live zu erleben und seine Entwicklung aus nächster Nähe mit verfolgen zu können. Toni hat seit seinem Wechsel von Bayern nach Leverkusen wieder zurückgefunden zu dem Leistungsstand, der ihn zum Besten Spieler der U 17 WM werden ließ! Er ist aktuell ein Leistungsträger sowohl bei Bayern München als auch in der Nationalmannschaft. Wir dürfen jedoch auch nicht übersehen, dass Toni erst 22 Jahre ist; insoweit auch Schwankungen in seinen Leistungen unterliegen wird. Dennoch bin ich überzeugt, dass Toni eine gute EM spielen wird!

Frage: Welche Spieler könnten der EM 2012 ihren „Stempel“ aufdrücken? Mit wem rechnen Sie?

Joachim Masuch: Aus derzeitiger Sicht sehe ich folgende Spieler, die über ein überdurchschnittliches Potenzial verfügen und bei der EURO dieses auch abrufen können: Manuell Neuer, Bastian Schweinsteiger, Xavi Alonso, Wesley Sneijder, Arien Robben, …

Frage: Deutschland gehört seit 2006 zu den Teams in der Welt, die nicht nur erfolgreich, sondern auch ganz attraktiv Fußball spielen. Das DFB-Team „erarbeitet“ Fußball nicht mehr – und das mit Kampf, wie in früheren Zeiten – sondern zelebriert das Fußballspiel mit einer begeisternden Spielweise. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?

Joachim Masuch: Nach dem unrühmlichen Scheitern der DFB-Auswahl bei der EM in Belgien/Holland wurde beim DFB ein neues Talentförderprogramm installiert, dass gesichert hat, dass die talentiertesten Spieler über die Landesauswahlmannschaften, den Nachwuchsleistungszentren der Lizenzvereine, den geschaffenen A- und B-Juniorenbundesligen und den DFB-Auswahlmannschaften sich optimal entwickeln konnten.

Hinzu kam, dass durch die WM 2006 und die Bereitschaft der Trainer, jungen Spielern Einsatzmöglichkeiten in der Bundesliga zu geben, sich diese sehr frühzeitig weiter entwickeln konnten. Insgesamt hat ein umfangreiches und auch kostenintensives Gesamtpaket dazu geführt, dass durch eine einheitliche Ausbildungsstrategie mit einer modernen Spielphilosophie sich Erfolge in den verschiedenen Auswahlmannschaften eingestellt haben. Hiervon profitieren nun unsere A-Nationalmannschaft aber auch viele Lizenzvereine!

Die Fragen stellte M. Michels


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