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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Nebendarstellerin Rosi Voß wie ein Star gefeiert

Wismar (OZ) – Endlich war es soweit: Rosemarie Voß von den „Danzlüd ut Wismer“ und einige Mitglieder des Folkloreensembles konnten „ihren“ Film am Samstagabend erstmals in ganzer Länge auf der Kinoleinwand genießen. Die 71-Jährige und vier ihrer Tänzerinnen spielen in dem Schwarz-Weiß-Streifen „Das weiße Band“ mit.

Zur Premiere in Schwerin hatte Rosi Voß nur eine Dreiviertelstunde des Kinofilms sehen können, weil die in Mecklenburg-Vorpommern bekannte Danzlüd-Choreografin von Medienleuten belagert worden war.
Nach der „Goldenen Palme“ im französischen Cannes und dem „Golden Globe“ in Hollywood ist Michael Hanekes Film nun für einen „Oscar“ für den „Besten nicht englischsprachigen Film“ nominiert. Die Awards werden am kommenden Sonntag vergeben. Auch Rosemarie Voß, die das alles noch gar nicht richtig fassen kann, wird dann die Daumen drücken. Zunächst nur als Statistin vorgesehen, erhielt sie vom Regisseur eine kleine Nebenrolle. Sie spielt eine strenge Mamsell, die leitende Hausgehilfin, im schwarzen Rock, engen Mieder und mit Spitzenhäubchen.
Für diese Auszeichnung und als Dank für ihre darstellerische Leistung überreichte ihr Wismars Kultursenator Thomas Beyer einen wunderschönen Blumenstrauß im Kino des Landesfilmbüros in der Bürgermeister-Haupt-Straße. Es hat „Das weiße Band“ spontan in sein Programm aufgenommen. Das Samstagabend-Publikum feierte die Mamsell-Darstellerin wie einen Star und war sehr gespannt, sie auf der Leinwand zu sehen. Im Filmgespräch vor der Aufführung berichtete Rosemarie Voß von ihren Dreh-Erfahrungen mit dem österreichischen Regisseur. „Michael Haneke ist sehr nett und ganz genau in allem. Da wurde nichts dem Zufall überlassen, bis in die kleinsten Rollen war alles perfekt geplant.
Der hat mich ja ganze vier Stunden lang für Aufnahmen in der Kirche stehen lassen, bis die Szene endlich so im Kasten war, wie er sie haben wollte. Ich dachte, jetzt sind wir endlich fertig, da schob sich eine Wolke vor die Sonne, das Licht veränderte sich, also wurde nochmals wiederholt“, schilderte die Folkloretanzbegeisterte, die mit ihrem Mann in Gägelow wohnt, eine Begebenheit. Und erzählte außerdem: „Der hat uns richtig was abverlangt. Als die Scheune für den Film brannte, standen wir in dünnen Nachthemden in der kalten Nacht.
Tagsüber wurde uns unter den schweren historischen Kostümen wahnsinnig heiß, unsere Gesichter wurden mit Sonnencreme mit extrem hohem Lichtschutzfaktor eingerieben. Wir sollten ja blass aussehen.“ Nicht nur für besagte Nebenrolle hatte Haneke die Mecklenburgerin engagiert, Rosemarie Voß unterrichtete auch Komparsen und Schauspieler im Tanzen.
„Ein großartiger Film“, findet auch Sabine Matthiesen. Die Leiterin des Filmbüros und der Kulturellen Filmförderung des Landes freut sich riesig darüber, dass der Film wunderbare Aufnahmen von Nordwestmecklenburg nun in die gesamte Welt trägt. Denn teilweise ist er auf Schloss Johannstorf bei Dassow gedreht worden. Schon in der vergangenen Woche spürten die Filmleute ein sehr großes Interesse an dem Streifen. Bis zu 100 bzw. 120 Schüler aus Wismar und dem Landkreis kamen vormittags in die Vorstellung für Schulklassen. Auch am Abend war das Kino im Filmbüro immer gut besucht. „Wir freuen uns über die große Resonanz und sind natürlich froh, diesen tollen Film zeigen zu können“, meinte gestern Marco Mühlen. „Das weiße Band“ wird noch heute und morgen um 9.30 Uhr sowie ein letztes Mal am Mittwoch um 20 Uhr gezeigt. „Danach heißt es Daumen drücken für den Oscar!“, sagt Sabine Matthiesen. Eintritt: 6 Euro, für Schüler 3 Euro INFO Zum Inhalt des Films Die Handlung spielt 1913/14 im fiktiven Dorf Eichwald in Norddeutschland. Männer wie der Pastor, der Arzt und der Baron haben das Sagen und verfügen über Frauen und Kinder. Der sittenstrenge Pastor lässt seine pubertierenden Kinder für geringfügige Vergehen wochenlang ein weißes Band tragen, als Erinnerung an die Tugenden. Der Arzt demütigt die mit ihm heimlich liierte Hebamme. Der Baron und Gutsherr sieht nach feudalistischer Manier in den Saisonarbeitern nur Arbeitsmaterial. Plötzlich passieren mysteriöse Vorfälle: Der Arzt stürzt mit seinem Pferd schwer. Der Sohn des Barons wird entführt und misshandelt, eine Scheune in Brand gesetzt.

HAIKE WERFEL


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