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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Medienpreis M-V: Fünf Preisträger erhalten Sophien

Die Preisträger des diesjährigen Medienpreises Mecklenburg-Vorpommern stehen fest! Die Jurymitglieder wählten nun zum 14. Mal aus insgesamt 59 eingereichten Beiträgen ihre Favoriten.

Seit 1997 wird der Medienpreis Mecklenburg-Vorpommern verliehen. Ausgezeichnet wird verantwortungsvoller Journalismus, der beispielhaft gesellschaftliche und politische Themen des nordöstlichen Bundeslandes aufgreift. Die Auslober, der DGB Bezirk Nord, die Heinrich-Böll-Stiftung MV, die Landeszentrale für politische Bildung MV und die Agentur MVweb, wollen mit dem Medienpreis die Vielfalt, Qualität und Unabhängigkeit des Journalismus in Mecklenburg-Vorpommern fördern.

Die Preisübergaben erfolgen im Rahmen von individuellen Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern. Neben der Stele „Sophie“ des Mecklenburger Bildhauers Peter Lewandowski erhalten die Gewinner ein Preisgeld in einer Gesamthöhe von 4000 EUR.

Print: Torsten Hampel (Berlin) für „Am Schwarzgoldrand“ (Der Tagesspiegel)

Unter der Ostseeküste liegt Erdöl – über ihr wurde dieser Befund lange Zeit ignoriert. Bis ein in Kanada ansässiger Holländer darauf aufmerksam wurde und das Naheliegende tat.

TV: Thilo Tautz (Schwerin) für „Die Pendler von Gleis 13“ (NDR-Fernsehen)

Der Schweriner Thorsten Esche musste erst drei Autos zu Schrott fahren, bis ihm klar wurde, dass die tägliche Arbeitsfahrt nach Hamburg ihn auf der Straße irgendwann das Leben kosten würde. Vor zehn Jahren stieg er auf die Bahn um und sitzt seither jeden Tag zwei Stunden mit immer denselben Menschen im Zug. Der IC um 6.03 Uhr ist montags bis freitags fast komplett mit Pendlern besetzt: da steht Mandy am Gleis, deren Mann während der Woche in Berlin arbeitet und die ihren Sohn um 5.30 Uhr allein am Frühstückstisch zurückgelassen hat. Daneben steht Petra und gähnt. Sie hat schon eine halbe Stunde Anfahrt von ihrem Dorf hinter sich. Die Fahrerei zehrt auch an ihrer Gesundheit. In Hamburg zerstreut sich die Mecklenburger Clique auf die Büros der Großstadt. Aus der Notgemeinschaft im Zug sind auch Freundschaften entstanden. Nach Hamburg umzuziehen kommt für niemanden in Frage: zu teuer, zu groß, zu anonym, zu familienunfreundlich.

Hörfunk: Peter Marx (Schwerin, Dradio) und Steffen Oldoerp (NDR) für „Der nette Nazi von nebenan“ (Deutschlandradio Kultur, Länderreport)

Seit 2006 sind die Neonazis mit sechs Abgeordneten im Landtag vertreten. Erliegen die Wähler dieses Landes leichter den Parolen der Partei? Gibt es genügend Aufklärungsstellen und wie erfolgsorientiert ist ihre Arbeit? Wie verhalten sich die übrigen Parteien gegenüber den Neonazis? Heiße Luft oder konkrete Auseinandersetzung! Oder hat sich die NPD verändert und wie erreicht diese Partei ihre Wähler? Diesen Fragen gehen die Autoren nach und zeichneten ein Gesamtbild des „brauen Problems“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum zweiten Mal wurde der Nachwuchspreis an Autorinnen und Autoren unter 30 vergeben. Die Jury freute sich über die insgesamt 24 Einsendungen in diesem Bereich. Der Preis wurde an zwei Nachwuchstalente vergeben: Benjamin Piel (27, Schwerin) und Anne Imhoff (25, Siegburg).

Benjamin Piel für „Ziemlich arme Schweine“ (SVZ)

Massentierhaltung gibt es in M-V mehr als je zuvor. Zumindest, was die Zahl von Tieren angeht. Immer größer werden die Ställe, immer größer die Gier nach Profit. Warum Mecklenburg-Vorpommern auf dem Weg ist, zu einem Eldorado in der Massentierhaltung zu werden, erzählt diese Geschichte.

Anne Imhoff für „Die Frau fürs Grobe“ (Land in Sicht. Ein Magazin mit Weitblick)

Eigentlich dürfte es Maxi Schönefeldt nicht geben. Sie ist eine Frau, jung, Akademikerin, Landtierärztin. Kurz: Sie ist all das, was es in Mecklenburg-Vorpommern zu selten gibt. Das Portrait einer Frau, die sämtliche Statistiken sprengt.

Die Jury sprach sich für eine Lobende Erwähnung in der Sparte Fernsehen aus

Lobende Erwähnung an Markus Frenzel für „Integration Löcknitz“ (ARD-Magazin FAKT)

Löcknitz ist ein kleiner Ort in Mecklenburg-Vorpommern mit einer hohen Zuwanderungsrate. Fast jeder zehnte ist inzwischen Pole. Sie wohnen in den sonst leer stehenden Plattenbauwohnungen oder haben sich eigene Häuser gebaut. Zum Arbeiten fahren viele Polen nach Szczecin. Andere haben in ihrer neuen Heimat Unternehmen gegründet und sorgen so für höhere Steuereinnahmen. Die Kinder der Löcknitzer gehen in den deutsch-polnischen Kindergarten, der als Vorzeigeobjekt mit Millionen Euro gefördert wurde. Trotzdem begegnen viele Deutsche den neuen Einwohnern mit Misstrauen. Das schlägt sich auch bei der Zustimmung für die NPD nieder, die bei Wahlen in Löcknitz so stark ist, wie in kaum einem anderen Ort in der Region. Der Beitrag versucht, die Psyche der Löcknitzer zu ergründen: warum wählen so viele eine ausländerfeindliche Partei wo doch der Ort so sehr von Ausländern profitiert?

Für den Online-Bereich konnte kein Preis vergeben werden. Die Jury weiß von vielen preiswürdigen Projekten im Land und wünscht sich mehr Selbstbewusstsein von den Online-Aktivisten. Im Jahr 2010 wurde der Preis an das junge Team der „Konspirativen Küchenkonzerte“ vergeben. Nach Nominierungen für den Grimme-Preis, ist diese Sendung mittlerweile auch auf zdf.kultur zu sehen. Diese Erfolgsgeschichte sollte laut Jury Mut zur Bewerbung in dieser Kategorie machen.

Der Jury gehörten im Jahr 2012 folgende Journalisten an:

– Birgit Sander, Journalistin, dpa Schwerin
– Marieke Sobiech, Journalistin, SOBJEKTIV
– Wolfgang Heidelk, Preisträger des Medienpreises 2010 in der Sparte „Hörfunk“
– Tobias Schlegl, Journalist und Moderator (extra3, aspekte)
– Alexander Balow, ehem. Redakteur SVZ, Leiter Web-Bereich bei PLANET IC GmbH


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