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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Blickfeld: Der Feldhockeysport 2016/17

Nachgefragt bei Detlef Brandt vom Hockey-Verband M-V

Doppel-Bronze gab es für den Deutschen Hockey-Bund bei den 31.Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Sowohl die Damen als auch die Herren belegten in ihren Feldhockey-Turnieren jeweils Platz drei. Großbritannien bei den Damen und Argentinien bei den Herren schafften jeweils Gold.

Gute Feldhockey-Traditionen hat auch Mecklenburg-Vorpommern – sogar mit Medaillen-Erfolgen…

Der gebürtige Rostocker Friedrich Wilhelm Rahe (1888-1949, Rostocker LTC, auch Tennisspieler) stand im deutschen Aufgebot des ersten olympischen Feldhockey-Turnieres überhaupt, 1908 in London. Dort waren vier britische Teams vorn: England vor Irland, Schottland bzw. Wales. Das deutsche Team wurde Fünfter vor Frankreich.

Der gebürtige Rostocker Detlef Okrent erkämpfte hingegen 1936 Olympia-Silber mit der deutschen Mannschaft hinter Indien. Heinz Radzikowski, 1925 in Stolpe (Vorpommern) geboren, wurde dann 1956 in Melbourne Dritter mit der gesamtdeutschen Auswahl, vor Großbritannien und hinter Indien bzw. Pakistan. Und Ulrich Hänel, in Plau am See geboren, belegte 1984 (hinter Pakistan) bzw. 1988 (hinter Großbritannien) jeweils Olympia-Rang zwei.

Mit dem ATSV Güstrow hat M-V zudem auch aktuell eine erfolgreiche Traditionsmannschaft. In Güstrow fand Ende Oktober  bereits zum 59.Mal das Wilhelm-Höcker-Turnier im Hallen-Hockey statt, bei dem die Güstrower Herren Erster und die Güstrower Damen Zweite wurden.

Aber zurück zu Rio 2016… Insbesondere das deutsche Frauen-Team konnte dort beeindrucken, unterlag im Halbfinale in einer an Spannung und Dramatik kaum mehr zu überbietenden Partie den Niederlanden nach Siebenmeterschießen. Mit dabei war ebenfalls Pia-Sophie Oldhafer, die im olympischen 1992 geboren wurde, als bei den Herren die deutsche Mannschaft vor Australien, Pakistan bzw. den Niederlanden Olympia-Gold erkämpfte und die deutschen Hockey-Frauen hinter Spanien und vor Großbritannien bzw. Südkorea Silber holten.

Wie beurteilt nun Detlef Brandt, Vize-Präsident und Sportwart des Hockey-Verbandes M-V, das hockeysportliche Jahr 2016 regional und international?!

Nachgefragt

Frage: Auch das hockeysportliche Jahr 2016 ist im Endspurt. Wie lautet Ihr Rückblick auf das Wettkampf-Jahr für den Hockeysport in M-V, speziell in Rostock?

Detlef Brandt: Mecklenburg-Vorpommern stellt nicht den Anspruch, im Hockeysport das Maß aller Dinge zu sein. Wir backen eher kleine Brötchen. Unser Hauptaugenmerk liegt eher darin, die Sportart Hockey im Bestand zu halten und besonders im Jugendbereich auszubauen. So ist es für die neue Saison in Waren (Müritz) gelungen aus einer Schul-AG heraus eine Vereinsmannschaft in der Alters-klasse 12-14 (Knaben A) zu formen.

Im Erwachsenenbereich hat sich zu Güstrow und Schwerin Pritzwalk zurück gemeldet. Pritzwalk gehört zwar territorial nicht mehr zu MV, spielt aber aus Gründen der kürzeren Fahrtwege in MV mit und nicht in Berlin-Brandenburg.

Sehr positiv sind das Verbleiben der Herren von Güstrow in der 2. BL Halle und der Aufstieg der Damen aus Güstrow in die Regionalliga. Leider haben es die Herren aus Schwerin nicht in die RL geschafft.

Am 10./11.12. nehmen je eine Landesauswahl der Mädchen A und  Knaben A am Länderpokal teil. Auch wenn MV nur in der unteren Gruppe mitspielt, so ist doch dieser Wettkampf der Höhepunkt der Talenteförderung für das laufende Jahr.

Für den Hockeysport in Rostock hat sich das vergangene Jahr sehr positiv entwickelt. Dank des großen Einsatzes von Uwe Krümmling und Thomas Krüger ist es gelungen die Abteilung Hockey der HSG auf über 100 Mitglieder zu bringen. Das Vorstellen und Betreiben der Sportart Hockey an verschiedenen Schulen trägt Früchte. Jetzt gilt es mehrere Übungsleiter zu finden. Dieses Problem haben aber alle Vereine in MV.

Frage: Das diesjährige Wilhelm-Höcker-Turnier war ja ein grosser Erfolg für den ATSV Güstrow… Welchen Stellenwert hat das Wilhelm-Höcker-Turnier in Güstrow aus Ihrer Sicht mittlerweile?

Detlef Brandt: Das Wilhelm-Höcker-Turnier wird bei den Herren seit 1957 ausgespielt zu Ehren des früheren Ministerpräsidenten von Mecklenburg, seit 1985 auch bei den Damen. Der Ausrichter ist der ATSV Güstrow ehemals BSG Lokomotive Güstrow. Entsprechend ihrer Spielklasse ist natürlich auch das Niveau angesetzt. … Zur Zeit also Regionalliga, zweite Bundesliga und auch aus der ersten Liga waren schon Mannschaften vertreten. In diesem Jahr nahm auch ein Team aus Schweden teil. Das Turnier dient zur Vorbereitung auf die kommende Saison in der Halle und gibt in etwa den Stand der Mannschaften wieder.

Frage: Noch „ein paar Worte“ zu Rio… Wie beurteilen Sie das hockeysportliche Geschehen in Rio? Welche Teams (bei Frauen und Männern) überraschten Sie?

Detlef Brandt: Mit dem 1.Platz von Deutschland nach den Vorrundenspielen war ich positiv überrascht. Dazu zählten die Spielgewinne gegen die Niederlande und Indien, sowie das Unentschieden gegen Argentinien. Leider wurde im Halbfinale gegen Argentinien verloren. Das Spiel um Platz 3 konnte gegen die Niederlande im Shoot Out gewonnen werden. Schaut man sich die Spiele im Einzelnen an, kann man erkennen, dass abgesehen von Brasilien und Kanada das Weltniveau  sehr zusammengerückt ist. Spiele werden vielfach nach zeitlicher mentaler Verfassung entschieden. Somit ist der 3. Platz bei Olympia sehr gerechtfertigt einzuschätzen. Damit ist auch die Olympiaförderung für Hockey gesichert worden. Überrascht hat mich auch der 2. Platz von Belgien. Ihre Investitionen haben sich ausgezahlt. Ich denke, die Niederlande werden nachziehen.

Bei den Damen ist es ebenso. Der 3. Platz wird von mir als sehr gut eingeschätzt. Überrascht hat mich in der Vorrunde die sehr gute Physis der Asiatinnen, auch wenn sie am Ende dann keine Rolle mehr spielten. Im Halbfinale traf das deutsche Team auch auf die Niederlande. Auch dieses Spiel wurde im Shoot Out entschieden, leider nicht für Deutschland. Selbst im Finale wurde der Olympiasieger erst im Shoot Out ermittelt. Das zeigt die Leistungsdichte. Wie lange Deutschland da noch mit seinem „Amateursport“ mithalten kann ist fraglich. Das Geld ist auch hier zum entscheidenden Moment geworden.

Letzte Frage: Was sind die Ziele des Hockey-Verbandes M-V für 2017?

Detlef Brandt: Hockeysportlich erhoffe ich mir den Erhalt aller 6 größeren im Land M-V bestehenden Vereine und deren Erweiterung. Die Gründung einer neuen Abteilung der Sportart Hockey in Waren (Müritz) gibt ein positives Signal. Neben der Gewinnung von neuen Mitgliedern steht auch die Gewinnung von ÜL im Vordergrund. Denn nur mit Übungsleitern lässt sich in unserer medialen Welt die sportliche Betätigung von Kindern und Jugendlichen begleiten. Auch diese Aufgabe ist nicht einfach.

Des Weiteren hoffe ich, dass unsere Vertreter in der zweite Bundesliga Halle, die Herren vom ATSV Güstrow, und die Damen aus Güstrow in der Regionalliga die Spielklasse halten können um bundesweit im Gespräch zu bleiben.

Vielen Dank!

Marko Michels

 

 


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