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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Der Turnsport in M-V – speziell in Rostock

Nachgefragt bei Peer Schmidt

Wie schnell doch auch im Turnsport die Zeit vergeht…  Gerade noch, im Dezember, begeisterte die Landesturnschau hierzulande die Turnsport-Begeisterten, gab es im Januar das „Feuerwerk der Turnkunst“, da warten schon die nächsten Herausforderungen…

Das Turnsport-Jahr 2015 wird ohnehin  sehr ereignisreich. Die herausragenden internationalen Wettkämpfe sind dabei die Turn-EM in Montpellier vom 13. bis 19.April und die Turn-WM vom 24.Oktober bis 1.November in Glasgow.

Vor Jahresfrist, bei den WM in Nanning 2014, gehörten die Turnerinnen und Turner aus Russland mit sechs Medaillen, davon einmal Gold, zu den besten Teams. Besser waren nur die USA mit zehn Medaillen, davon viermal Gold, China mit sieben Medaillen, davon dreimal Gold, und Japan mit sechsmal Edelmetall, darunter einmal Gold. Die Amerikanerin Simone Biles begeisterte bei den Welttitelkämpfen mit vier Titeln. Bei den Herren ging der Mehrkampf-Erfolg wieder einmal an Kohei Uchimura aus Japan.

Auch in M-V wird es in den kommenden Monaten zahlreiche Meisterschaften und Wettkämpfe in den Sportarten Sportakrobatik, Rhythmische Sportgymnastik oder Geräteturnen geben.

Wie beurteilt nun Peer Schmidt vom Hanse-Turn-Verein in Rostock die kommenden turnsportlichen Höhepunkte?!

P.Schmidt über die regionalen und internationalen Turn-Höhepunkte 2015 und seinen Verein, den Hanse-Turn-Verein Rostock

Nachgefragt

Frage: 2015 ist ein vorolympisches Jahr mit EM und WM im Turnen. Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen der deutschen Turnerinnen und Turner? Was erhoffen Sie sich von diesen bei den kommenden internationalen Titelkämpfen?

Peer Schmidt: Das ein oder andere Achtungszeichen werden die deutschen Turner und Turnerinnen sicher setzen mit einer guten Platzierung unter den besten 10. Ein Podiumsplatz wird aber sehr schwer werden bei der starken Konkurrenz der anderen Nationen.  Die Gesamtentwicklung des Hochleistungssportes im Turnen ist da über die Jahre in den Topnationen stark vorangetrieben worden. Auch der DTB war dahingehend die letzten Jahre sehr bemüht junge Talente wieder an die internationale Spitze heranzuführen. Nur leider hat das Gerätturnen in Deutschland trotz seiner attraktiven Ausstrahlung einen viel zu geringen Stellenwert und muss als Randsportart bezeichnet werden. Stundenlang kann man sich auf einem der größten Sportsender im Fernsehen anschauen wie dickbäuchige Biertrinker kleine Pfeile auf eine Scheibe werfen, und das Ganze in einem vollbesetzten Haus in der Größe eines kleinen Stadions. Dafür fehlt mir jedes Verständnis! TV-Beiträge zu nationalen oder internationalen Wettkämpfen im Turnen mit deutscher Beteiligung sucht man das ganze Jahr hingegen vergeblich.

Frage: Vom internationalen Turnsport zum regionalen… Wie verlief die Entwicklung des HTV Rostock in den letzten Jahren? Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights für Ihren Verein?

Peer Schmidt: Unser Verein ist am 8.März diesen Jahres 10 Jahre alt geworden. Hervorgegangen aus der ehemaligen Turnabteilung des PSV Rostock e.V. ist es uns gelungen die vorhandenen Strukturen zu erhalten und wiederzubeleben. So bieten wir ab dem 1.Lebensjahr sportliche Aktivitäten an, welche auch zunehmend genutzt werden. Über allgemeines Kinderturnen bis hin zu leistungssportlicher Entwicklung junger Turntalente haben wir ein breites Sportangebot für Kinder und Jugendliche auf dem Gebiet des Turnens und der Rhythmischen Sportgymnastik. Die seit 6 Jahren bestehende und im Verein integrierte DTB-Turn-Talentschule stellt dabei das Aushängeschild des Vereins dar. In Kooperation mit den Leistungsorientierten Vereinen in Berlin und Brandenburg bestreiten wir mit unseren Turnerinnen im Alter von 6-10 Jahren viele Vergleichswettkämpfe. Höhepunkte stellen dabei die Nord-Ost-Deutschen Meisterschaften und der DTB-TTS-Pokal auf nationaler Ebene dar. Auf Grund ihres hohen turnerischen Ausbildungsniveaus sind unsere jungen Leistungsturnerinnen entsprechend auch immer wieder gern gesehene Teilnehmer an sportlich kulturellen Höhepunkten in Rostock wie der Landesturnschau des LTV MV, dem „Feuerwerk der Turnkunst“ oder Messeveranstaltungen im IGA-Park.

Frage: Wie viele Aktive hat eigentlich der HTV? Wie ist die Resonanz bei den jungen Talenten?

Peer Schmidt: Der Mitgliederbestand hat sich über die Jahre stabil auf ca. 550 Mitglieder eingepegelt. Zu 90 Prozent sind das Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Das Turnen ist nach wie vor eine sehr attraktive Sportart für Kinder diesen Alters und erfreut sich hoher Beliebtheit. Immer wieder gelingt es uns auch jedes Jahr  5-6 kleine Talente im Alter von 4-5 Jahren zu sichten und in die DTB-TTS aufzunehmen. Spätestens wenn die kleinen Sportler und ihre Eltern sehen was die größeren Turnerinnen alles gelernt haben springt der Funke und die Begeisterung fürs Turnen über. Für die kleinen Talente und uns Trainer beginnt dann immer wieder ein gemeinsamer Weg über mehrere Jahre. Viele Höhen und Tiefen werden dann gemeinsam durchschritten. Aber auch wenn es dann am Ende nicht zum Sprung an die Spitze gereicht hat, gehen die Sportler mit stolz geschwellter Brust über ihr Erreichtes ins weitere Leben. Viele unserer ehemaligen kleinen Sportler finden sich dann auch im Anschluss in anderen Vereinen und Sportarten wieder. Durch ihre bei uns erworbenen guten bis sehr guten sportlichen Voraussetzungen werden sie auch dort immer gerne aufgenommen und entwickeln sich oft zu Leistungsträgern.

Frage: Wie bewerten Sie ansonsten – auch mit Blick über Rostock hinaus – die turnsportliche Entwicklung in ganz M-V?

Peer Schmidt: Es wird viel getan für das Turnen auf breitensportlicher Ebene. Finanzielle Förderungen durch den LSB und die Stadt Rostock  werden konstant an die Vereine ausgereicht und ermöglichen eine zufriedenstellende Abdeckung der Betreuung und Anleitung durch Trainer und Übungsleiter auf ehrenamtlicher Basis, oder sogar bei größeren Vereinen wie dem unseren mit einem Hauptamtlich tätigen Vereinssportlehrer.

Hervorzuheben ist die Schaffung von Stadt-Trainerstellen für Leistungssport durch die Stadt Rostock. Eine dieser Stellen wurde auch im Oktober 2013 dem LTV MV zugeteilt, um so die leistungssportliche Entwicklung der Turntalente unserer DTB-TTS zu unterstützen. Dafür sind wir der Stadt Rostock natürlich sehr dankbar!

Trotzdem muss man sagen, dass das Leistungsturnen eine sehr aufwendige und trainingsintensive Sportart ist, welche entsprechende Sonderförderungen benötigt. Fachlich kompetentes und erfahrenes Trainerpersonal in ausreichendem Maße in möglichst hauptamtlicher Anstellung stellt hierbei die größte Hürde dar. Eine Rundumbetreuung der Aktiven an allen Übungs- und Wettkampfgeräten und ihren sonstigen kleinen oder großen Sorgen ist Voraussetzung für eine stetige leistungssportliche Entwicklung. Hierfür fehlen aber den Vereinen die finanziellen Mittel. Insofern gibt es in MV gegenüber vielen anderen Bundesländern noch einigen Aufholbedarf. Wir stellen uns trotz dieser unzureichenden Rahmenbedingungen dieser Aufgabe aus reinem Idealismus. Damit sind wir aber auch allein in M-V bzw. der einzige Turn-Verein!

Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

Marko Michels

 

 


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