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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Boxsportlicher WM-Kampf mit dem Greifswalder Sebastian Sylvester

Interview mit dem Trainer und Sportwissenschaftler Uwe Fox aus Mecklenburg

Ein „Hurrikan“ wird am 30. Oktober in der Rostocker Stadthalle durch den Box-Ring „stürmen“. Ob es dazu kommt, sei erst einmal zweitrangig.… Und die Box-Fans würden sich auf alle Fälle erst einmal über einen niveauvollen, fairen und unterhaltsamen Boxkampf freuen. Der amtierende IBF-Weltmeister im Mittelgewicht, Sebastian Sylvester aus Greifswald, wird zur Titelverteidigung nach Rostock kommen und will dabei seinen Titel überzeugend verteidigen.

Doch wie sieht ein „Fuchs an den Ringseilen“, „Box-Fox“ Uwe Fox, den Kampf mit Sebastian Sylvester entgegen?

„Sebastian ist ein Vorbild für viele Nachwuchs-Boxer …“

Frage: Ein Greifswalder Box-Ass kommt nach Rostock. Wie beurteilen Sie die Chancen von Sebastian in puncto Titelverteidigung? Im Juni war es ja nicht ganz so überzeugend.

Uwe Fox: Erst einmal, ich bin sehr froh, dass es mit Sebastian einen weiteren weltmeisterlichen Mecklenburger bzw. Vorpommer im heimischen Ring gibt.

Er wird höchstwahrscheinlich mit Mahir Oral einen Türken haben, der zwar ein Techniker, aber kein so großer Kämpfer ist. Und da Sebastian ein Muster an Fleiß und Beständigkeit ist, wird es an diesem Abend auch keinerlei Überraschungen geben. Doch die Zuschauer können sich auf gute Box-Kost freuen. Ich selbst werde dann auch am Ring sitzen.

Frage: Was zeichnet aus Ihrer Sicht Sebastian insbesondere aus?

Uwe Fox: Wie erwähnt, zeichnet sich Sebastian durch Fleiß, Beständigkeit und hohe Einsatzbereitschaft aus. Zudem ist er sehr ehrlich, bescheiden und ein guter Kumpel. Das alles macht ihn auch für viele Nachwuchs-Boxer zum Vorbild. Nicht zuletzt muß ich sagen, dass er, seitdem er bei Karsten Röwer trainiert, für die Zuschauer noch „anfaßbarer“ geworden ist. Das ist wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit, für das Boxen allgemein und für Sebastians Selbstbewusstsein ohnehin.

Frage: Sebastians Trainer ist Karsten Röwer, ein Erfolgsgarant. Kann ein Trainer eigentlich noch während eines Kampfes, ganz gleich wie er läuft, noch entscheidenden Einfluß auf den Boxer nehmen?

Uwe Fox: Ein Trainer zeichnet sich in erster Linie durch seine tägliche Trainingsarbeit in der Vorbereitungszeit aus. Da die Handlungsschnelligkeit und Aktionsdichte im Boxen sehr hoch ist, müssen Standards, Techniken und Taktiken automatisieret sein.

Im Kampf selber bleibt ein „Mitdenken“ fast aus und kann sich negativ auswirken. Psychische Komponenten wie Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, aber im Boxen auch besonders das Antizipationsvermögen spielen eine sehr große Bedeutung und ist kampfentscheidend. Kürzlich „verbot“ Klitschko-Trainer Emanuel Steward das Mitdenken. Das bestätigt meine Aussage.

Karsten Röwer hat von der Pike auf Trainer gelernt und hat in Fritz Sdunek den besten Lehrmeister gehabt. Genau wie Fritz zeichnet sich Karsten durch kurze, präzise Anweisungen aus und geht zu hundert Prozent mental auf seinen Schützling in der Ecke ein. Diese können ebenfalls kampfentscheidend sein und auch den Kampfverlauf drehen. Toll, diese Box-Pädagogen. Das gefällt mir sehr gut.

Frage: Zu einem anderen Ereignis … Seit dem 6. September und noch bis zum 19. September finden die sechsten Amateur-Frauen-WM auf Barbados statt. 307 Damen aus 75 Länder nehmen an diesen Welt-Titelkämpfen teil. In zwei Jahren ist Frauen-Boxen dann olympisch. Wie bewerten Sie das Niveau im Frauen-Boxsport? Sind Sie ein Anhänger der Box-Amazonen?

Ein Box-Fox mit einer Box-Queen: Box-Trainer Uwe Fox mit Box-Weltmeisterin Susi Kentikian.Uwe Fox: Wir müssen das Frauen-Boxen genau wie den Frauen-Fußball oder das Gewichtheben annehmen. Auch ich habe in Rostock versucht, reine Mädchen-Trainingsgruppen zu formieren. Es ist schon faszinierend, wie Frauen und Mädchen sich verausgaben können. Ihnen gebührt mein Respekt. Aber aufgrund meiner Erlebnisse und Erfahrungen plädiere ich dazu, das Boxen für Frauen immer zuallererst als Fitness-Training zu betrachten. Auch hier können sie sich beweisen, kämpfen und Siegeswillen erlangen. Das reicht dann auch für die Damen, denke ich zumindest.

Frage: Neben Sebastian Sylvester ist Sebastian Zbik, der Wahl-Schweriner, auch Weltmeister im Mittelgewicht, allerdings nach Version der WBC. Bei den Amateuren gab es ebenfalls schon klasse Boxer „Made in Germany“. 1974 gewann Bernd Wittenburg, der in diesem Jahr 60 wurde und das Box-ABC in Wismar erlernte, WM-Bronze. 1986 gab es WM-Silber durch Henry Maske. Sven Ottke (1989) und Dirk Eigenbrodt (1997) holten WM-Bronze. Henry Maske wurde dann 1988 in Seoul sogar Olympiasieger und war zudem später sehr erfolgreich bei den Profis.

Aus internationaler Sicht waren insbesondere die Mittelgewichts-Olympiasieger Laszlo Papp (1948), Floyd Patterson (1952), Michael Spinks (1976), Jose Gomez (1980) oder Ariel Hernandez (1992/96) die Bekanntesten …
Wie ist Ihre Meinung zur Leistungsentwicklung bei den Mittelgewichtlern im Boxsport – bei Amateuren wie Profis?

Uwe Fox: Neben den Schwergewichtlern dominieren die Mittelgewichtler die Box-Szene und dieses im Profi- sowie im Amateurbereich. Ausdruck ist das „Super-Six-Turnier“, welches sehr wertvoll für die Entwicklung des Boxsports ist. Das sind Wettkämpfe, die die wahren Sieger ermitteln und deshalb so anerkannt sind.

Namen wie Papp, Wittenburg, Maske oder auch Ottke wird man immer wieder im Einklang mit Abraham, Sturm oder Sylvester nennen. Sie stehen für schnelles, attraktives und spektakuläres Boxen. Das wollen die Zuschauer und natürlich auch wir als Box-Trainer sehen. Das macht Laune und ist die beste Werbung für uns Boxer und den Sport an sich.

Frage: Herr Fox, Sie selbst sind nicht nur ein ambitionierter Box-Aktiver gewesen, ebenfalls nicht „nur“ Trainer – sondern insbesondere auch  Sportwissenschaftler. Welche Bedeutung hat für Sie der Boxsport? Und vor allem: Wie bringen Sie sich noch aktiv in den Boxsport ein, wie geben Sie Ihre vielfältigen Erfahrungen weiter?

Boxen ist in MV ''in''. Auch Wismar gehört zu den Box-HochburgenUwe Fox: Seit etwa zehn Jahren beschäftige ich mich als Sportwissenschaftler mit dem Boxsport als gesundheitsorientiertes Fitness- Training. Boxtraining als Fitnesstraining ist so effektiv, weil mit nur einem Training alle Fitnesskomponenten berücksichtigt werden. Dabei werden alle Muskelgruppen unseres Körpers entwickelt und neben Konzentration-, Reaktions- und Beobachtungsfähigkeit werden vor allem auch Willensstärke, Durchhaltefähigkeit und Anstrengungsbereitschaft trainiert. Alles Wesensmerkmale, die den „inneren Schweinehund“ besiegen können, und eine sehr gute Schule für das Leben sind. Boxtraining im Fitnessbereich ist „Power ohne „blaue Augen“ und „Kalorien k.o. schlagen“. Argumente also, die zur Versuchung verleiten und unsere Hallen füllen.

Es ist ungefährlich und macht riesigen Spaß. Übrigens wird das Ganze unter sportärztlicher Betreuung von Dr.med. Joachim Clavien betreut. Auch er fand über das Manager-Boxen zu uns und ist fasziniert vom kameradschaftlichen „Treiben“ bei uns.

Wer sich näher informieren möchte, kann dieses über www.box-fox.de tun oder über mich persönlich 0162/2151127 nähere Info`s erhalten.

Dann weiterhin maximale, nicht nur boxsportliche Erfolge!

Text und Fotos: Marko Michels


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