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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Botanischer Garten der Universität Rostock verschickt Samen in alle Welt

Ein Gramm Orchideen-Samen kosten bis zu 1.000 Euro

Rostock – Der Botanische Garten der Universität Rostock verschickt an über 500 Schwestereinrichtungen in aller Welt Samen. Kostenlos. Die weiteste Bestellung kam in diesem Jahr aus einer Einrichtung in China. „Von dort werden Gehölz-Samen gewünscht“, sagt der Technische Leiter des Botanischen Gartens, Bernd Springer. „Ich versuche, den ganzen Rostocker Botanischen Garten kompakt und greifbar in den Kühlschrank zu bekommen“, zwinkert er und fügt eine Weisheit aus der Biologie an: „Alles, was blüht, fruchtet auch“. Problematisch ist es allerdings mit Samen von Orchideen. Die sieht man fast nicht, sie sind staubfein. „Deshalb kostet ein Gramm Samen auch bis zu tausend Euro“, erklärt Springer.

Bei einer Temperatur von etwa zwei Grad werden die Samen von etwa 1000 Pflanzenarten, fein säuberlich sortiert und nummeriert, aufbewahrt. Hier können die Samen zwischen drei und fünf Jahren lagern. Doch es gibt Ausnahmen: Die Samen von Klatschmohn und Gänsefußgewächsen keimen auch noch nach 30 Jahren. Samen von der Lotos-Blume haben nachweislich nach 200 Jahren noch gekeimt. In Indien hatte man bei der Trockenlegung eines Flussbettes jene Samen ausgesät „und sie haben gekeimt“, zitiert Bernd Springer die wissenschaftliche Literatur. Der Huflattich hingegen hat nur eine Keimfähigkeit von vier Wochen.

Im Gegensatz zur Lehre und Forschung, die im Botanischen Garten Rostock ganzjährig betrieben werden, ist der Versand von Samen eine typische Winterarbeit. Sylvia Roisch arbeitet seit 45 Jahren im Botanischen Garten Rostock. Sie hat immer ein Auge auf die  Bestellungen aus anderen Ländern. Der Botanische Garten in Straßburg zum Beispiel wünscht Tetragonia tetragonioides (ein Mittagsblumengewächs aus dem pazifischen Raum), Aloe lateritia (aus Afrika) sowie Impatiens balsamina (ein Springkraut aus Südasien). Sehr beliebt sind auch das Hexenkraut Mandragora, die alpine Pflanze Haberlea und die Gehölze, die Rostock neu in seinen Katalog aufgenommen hat. „Wir tun gern anderen Ländern etwas Gutes, die helfen uns auch mit besonderen Sämereien“, sagt Sylvia Roisch. Deshalb sammelt jeder Gärtner in seinem Quartier Samen, putzt sie und verpackt sie in Dosen, bevor sie in den Klimaschrank kommen. Alle Samen werden nummeriert und in einen Katalog aufgenommen. „Wenn wir selbst nur wenig haben, geben wir allerdings auch nur wenig ab“, erläutert der neue Kustos, Dr. Dethardt Götze (46), die Gepflogenheiten.

Auch Stuttgart, Tokio und Seattle haben in diesem Jahr eine Bestellung beim Botanischen Garten Rostock aufgegeben. „Wir sind mit allen Botanischen Gärten auf der Welt in Kontakt“, sagt Dr. Götze nicht ohne Stolz. Der Versand läuft von Januar bis März, danach sind die Mitarbeiter mit anderen Arbeiten beschäftigt. Denn mit der Eröffnung des neuen Gewächshauses am 20. März startet auch die neue Saison und die Pflanzen müssen aus dem Winterquartier geholt und eingepflanzt werden. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. „Bei den 1800 Gehölzen, die wir hier haben, bedeutet das viel Arbeit“, sagt Springer. „Wir strukturieren unsere Gehölzsammlung um und brauchen deshalb auch neue Gehölze.“ Die werden nicht alle als Baum beschafft, sondern oft auch aus Kostengründen kultiviert. Der Botanische Garten in Rostock hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Besuchern die Originale der Pflanzen- und Baumwelt zu zeigen, also die ursprünglichen Arten.“

Dr. Dethardt Götze ist nach dem Tod von Dr. Johannes Nauenburg der neue Kustos des Botanischen Gartens der Universität Rostock. Er hat in Braunschweig und Freiburg Biologie studiert und in Darmstadt promoviert. Er sammelte umfangreiche Erfahrungen im Naturschutzmanagement von Hessen. Seit 2001 arbeitete Götze in Rostock am Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock  in einem Forschungsverbund. „Die neue Arbeit sehe er als große Herausforderung“, sagt Götze. „Es reizt mich, direkt mit der Vielfalt der Pflanzenwelt zu tun zu haben und zu erforschen, welchen Ursprung diese Schönheit hat.“ Andererseits sei  es eine tolle Aufgabe, das Wissen über wichtige pflanzliche Ressourcen den Studenten und der interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln. Götze möchte mit verschiedenen Partnern unterschiedliche Projekte umsetzen. Dazu zählt das Anlegen eines Hochschulgartens für die Ausbildung der Studierenden, der aber auch Schülerinnen und Schülern offen steht. Eingerichtet werden soll auch ein Blinden-, Duft- und  Tastgarten. Bei allen Projekten sieht der neue Kustos den „engagierten Freundeskreis des Gartens als gewichtige Größe“.  Sehr am Herzen liegt dem neuen Kustos auch die Überarbeitung der so wertvollen Sammlung des Botanischen Gartens. Allein das Herbarium zählt 80.000 Belege. Eine mühevolle, schöne und wichtige Arbeit für die etwa 20 Mitarbeiter.


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