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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

100 Tage Jugendherberge Prora

Der Leiter der der längsten Jugendherberge der Welt zieht Bilanz

Vor 100 Tagen, am 4. Juli wurde sie feierlich eröffnet – die längste Jugendherberge der Welt. Nach rund eineinhalb Jahren Umbauzeit machte die Jugendherberge Prora mit einem feierlichen Festakt zusammen mit vielen Gästen, umrahmt vom bunten Treiben des Inselkünstler-Festivals, die Türen auf.

Fulminant ging es los mit sechs Wochen komplett ausgebuchtem Haus – eine Bewährungsprobe für das ganz neue Team. Dennis Brosseit (37), seines Zeichens seit 100 Tagen Herbergsleiter, zieht Bilanz:

„Die letzten 100 Tage mit einem Wort beschrieben? Aufregend. Als Mischung aus fantastisch und anstrengend. Meine knapp 30 Leute haben sich in den Sommermonaten um 400 Haus- und bis zu 1.000 Zeltplatz-Gäste pro Tag gekümmert. Wahnsinn! 23.700 Übernachtungen hat mein Team allein in den ersten drei Monaten in der Jugendherberge abgewickelt, auf dem Zeltplatz nochmal rekordartige 31.400 – im Vorjahr waren es noch 18.000. Das hat volles Engagement und Hingabe von allen Beteiligten gefordert, aber ich habe das beste Team der Welt hinter mir, mit dem das erst möglich wurde.“

Hat der gebürtige Rheinländer damit im Vorfeld gerechnet?

„Klar haben wir alles daran gesetzt, die Jugendherberge so gut wie möglich an den Start zu kriegen. Aber was wir an Resonanz zur Eröffnung hatten, hat die Überwartungen absolut übertroffen. Allein die ganze Berichterstattung: ich hatte inzwischen sogar etliche ausländische Fernsehsender hier, BBC, France 24 und sogar arabische Sender interessieren sich für Prora. Das hat mich echt überrascht.“

Gibt es eine Erklärung für diesen Erfolg?

„Ich habe mir ein Motto gesetzt, das gleichzeitig die Richtline für mein Handeln ist: Aus grau mach bunt! Und das bekommen die Gäste hier auch mit. In den Herbstferien und über Silvester wird Familien ein buntes Komplettprogramm geboten, Schulklassen erleben in Prora Geschichte hautnah und die Köpfe von Tagungsgästen kommen in einem unserer neun modern ausgestatteten Seminarräume ins Rauchen. Kurzum: hier ist für alle was dabei und abends treffen sich alle im Speisesaal oder im Bistro. Das ist „Gemeinschaft erleben“ live. Und natürlich spielt die Neugier auf dieses neue Haus eine große Rolle, und Neugier ist noch immer der größte Antrieb.“

Und wie fühlt sich das an, der Leiter der längsten Jugendherberge der Welt zu sein?

„Der Schritt zum DJH nach Rügen war für mich ein großer – den ich bis heute keinen einzigen Tag bereut habe! Wer würde auch sonst besser zum Motto „Prora statt Playa“ passen, das die Tourismuszentrale Rügen im letzten Jahr noch proklamierte. Schließlich habe ich für die „Mission Jugendherberge“ mein eigenes Hotel auf Mallorca hinter mir gelassen, dass ich in den letzten Jahren geführt und zuvor von Null aufgebaut habe. Die Größenordnung ist mit Prora natürlich nicht zu vergleichen und dennoch habe ich gewissen Parallelen erkannt. Mich reizt einfach die Herausforderung, aus einem scheinbar tristen Gebäude den schlummernden bunten Kern herauszuarbeiten und dem Objekt mit Visionen Farbe zu verleihen. Das ist auch die größte Freude, zu sehen, wie hier buntes Leben entsteht. Außerdem geht doch nichts über eine Runde auf-der-Gitarre-Klampfen am Lagerfeuer mit 200 Schülern. Das ist echt ein toller Job hier.“

Und wie geht’s weiter? Kehrt so langsam der Alltag ein?

„Auf keinen Fall! Wir sind bunt und wir bleiben es auch! Für 2012 ist jede Menge geplant: das Inselkünstler-Festival mit über 40 Straßenkünstler-Acts aus aller Welt geht rund um das lange Himmelfahrtswochenende im Mai in die zweite Runde. Außerdem ist eine Konzertreihe für Nachwuchsmusiker geplant. Prora soll nicht nur Übernachtungs- und Begegnungs-, sondern auch Veranstaltungsort werden. Musikalisch und sportlich: die Deutsche Beach Soccer Meisterschaft wird 2012 am Strand vor der Jugendherberge ausgetragen. Alles tolle Projekte mit tollen Partnern, das freut mich besonders. Wie viele Menschen auf uns zukommen und sagen „Hey, was ihr macht finde ich super und ich will ein Teil davon sein“, das ist echt beeindruckend. Allein würden wir das auch gar nicht schaffen. Aber weil so viele an Prora als Ort und die Jugendherberge als Chance glauben, kann man so vieles auf die Beine stellen, was man sich im Vorfeld überhaupt nicht träumen lassen wollte.“

A propos Träumen – sind die schlaflosen Nächte der Eröffnungsphase überstanden?

„Oh ja, kurz vor der Eröffnung war es mit dem erholenden Nachtschlaf nicht weit her. An was man nicht alles denken musste… Natürlich gibt es immer noch verzwickte Angelegenheiten, die einen auch zu Hause gedanklich beschäftigen. Aber Herbergsleiter ist man eben auch nicht nur acht Stunden am Tag und schon gar nicht nur in der Jugendherberge. Aber natürlich haben sich Prozesse eingespielt, Abläufe in meinem Team gefestigt und bestimmte Standards bewährt, die mich auch mal Durchatmen lassen. Außerdem habe ich tolle Menschen um mich, auf die ich mich verlassen kann, die alle mit ihrer Aufgabe gewachsen sind und sich damit 100-prozentig identifizieren. Ohne diese einzigartige Teamleistung und die Gäste, die mir sagen, wir toll sie es bei uns finden, auch wenn in der ersten Zeit nach der Eröffnung mal hier und da noch ein Handwerker zu sehen war, wäre das alles hier gar nicht entstanden. Die Frage eines Gastes, ob es bei uns in der Jugendherberge auch einen Roomservice gibt, ist doch das beste Lob, das man bekommen kann. Und bisher haben wir für alles auch noch so Unvorhergesehene eine Lösung gefunden und solange ich glückliche Gäste habe und ein lachendes Team, hat sich das alles doch gelohnt….“

Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern
»Die Jugendherbergen« des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) sind mehr als 100 Jahre alt und damals wie heute Spezialisten für junge und jung gebliebene Gäste. Mit 28 Jugendherbergen, ca. 450.000 Übernachtungen im Jahr und ca. 200 Beschäftigten ist der DJH-Landesverband der größte Jugendtourismusanbieter in Mecklenburg-Vorpommern. Die Jugendherbergen sind Teil einer weltumspannenden Idee, die mit über 4.000 Häusern in mehr als 80 Ländern für Begegnung, Austausch, Toleranz und Verständigung steht.

Quelle: Deutsches Jugendherbergswerk


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