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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Sozialministerin besuchte die integrative Kindertagesstätte „Seebad Wendorf“

Interview mit der Ministerin über ihre Kita-Tour

KitaKita„Auf Achse“ in Sachen „Kiddies“ war und ist Sozialministerin Manuela Schwesig. Die Mutter eines dreijährigen Sohnes ist auf einer Kita-Tour, um nach eigenem Bekunden im Gespräch mit den Erzieherinnen und Betreuerinnen der Kinder herauszufinden, „wo in den Einrichtungen der Schuh drückt“.

KitaKitaSo besuchte die 34jährige bereits einige Kindertagesstätten in Rostock, Ribnitz-Damgarten, Patzig, Stralsund, Greifswald bevor es am heutigen 30.April auch nach Wismar ging. Zugleich sieht sich die Ministerin aber auch als „Lernende unter Lehrenden“, denn aufgrund ihrer Kita-Reisen hoffe sie ebenfalls, dass sie das, was sie auf der Tour lerne und erfahre, in die Novellierung des Kindertagesförderungsgesetz einbauen könne.

KitaKitaDie politische Konkurrenz wittert hinter der Kita-Tour der Sozialministerin aber „Aktionismus“ und „Show-Programm“. Eine Ministerin eher als Kandidatin  für „Germany`s Next Top-Politikerin“, die stetig das obligatorische Presse-Foto zum Weiterkommen erhält, oder doch eine ernsthafte, engagierte Ministerin, die sich um das Wohl aller kleinen Landeskinder kümmert ? Persönliches Ziel für Manuela Schwesig ist es daher, „zu sehen und zu hören, wie man Kindern einen bestmöglichen Start ins Leben verschafft“.

KitaKitaIn Wismar schaute sie jedenfalls mit Wismars Senator Thomas Beyer im integrativen Kindergarten „Seebad Wendorf“ vorbei, der im letzten Jahr sein 40jähriges Jubiläum feierte. In der Kita werden gegenwärtig 194 Kinder betreut, die in 12 Gruppen Zuwendung erfahren. So gibt es fünf Integrationsgruppen und fünf Regelgruppen sowie zwei Krippengruppen.
Ein Vorreiter war die Kindertagesstätte hinsichtlich des Landesprojektes „Für Eltern – Mit Eltern“. Die Mütter und Väter der Kleinen sollten dabei stärker in die gemeinsame Betreuung der Kinder eingebunden werden, sich mit den Erzieherinnen verstärkt austauschen und sich so in die Kita-Arbeit mit einbringen können.

KitaIn den integrativen Gruppen konnten Kinder und Kinder mit Handicaps gemeinsam spielen, gemeinsame Erfahrungen machen und Verständnis und Toleranz füreinander entwickeln. Sie erhalten so die Möglichkeit, das vermeintliche Anderssein als Normalität zu begreifen. Die Angebote der Kita „Seebad Wendorf“ sind dabei vielfältig – in sportlicher, kultureller oder pädagogischer Hinsicht.

„Möchte hautnah an den Problemen sein !“

Sozialministerin Manuela Schwesig über ihre Kita-Tour, Erfolge und Schwierigkeiten vor Ort und die Qualität der besuchten Kitas

Kita Frage: Frau Sozialministerin, auf Ihrer Kita-Tour durch M-V besuchten Sie nun die integrative Kita in Wendorf. Welche Eindrücke nehmen Sie aus Ihrem Besuch aus Wismar mit nach Schwerin ?

Manuela Schwesig: Wismar ist wirklich sehr bemüht, die Qualität in den Kita-Einrichtungen zu halten sowie weiter zu verbessern und sich insbesondere um die Kinder zu kümmern, die eine besondere Förderung benötigen. Der integrative Kindergarten „Seebad Wendorf“ ist schon eine ganz tolle Einrichtung, weil sie gerade Kinder integriert, die eine besondere Zuwendung und Fürsorge brauchen.

Sie hat dabei Angebote für Eltern, sie dahingehend zu unterstützen, dass diese im Familienleben besser klarkommen. Die Kita versucht auch gerade in Problemfällen Möglichkeiten bzw. Chancen zu eröffnen, Eltern und Kinder wieder zusammenzubringen und diese nicht auseinanderzureißen.

KitaFrage: Einige Politiker der konkurrierenden politischen Parteien werfen Ihnen Aktionismus und Populismus mit Ihrer Kita-Tour vor. Die Probleme, die es in den Kitas des Landes gibt, seien hinlänglich bekannt … Ist die Kita-Tour wirklich notwendig ?!

KitaManuela Schwesig: Ich empfinde es als Ministerin ungemein wichtig, dort vor Ort zu sein, wo die eigentliche soziale Arbeit gemacht wird. Ich möchte mit den Erzieherinnen ins Gespräch kommen, es ist einfach mein Verständnis von Politik, dass ich mit den Praktikern rege kommuniziere und deren Hinweise, Ratschläge und Anmerkungen in meiner Tätigkeit als Sozialministerin berücksichtige.

KitaNur im Landtag zu sitzen und Entscheidungen am „grünen Tisch“ zu fällen, dabei vielleicht an der Realität vorbeizuregieren, ist nicht meine Sache. Gerade die Gespräche mit den Leistungs- und Entscheidungsträgern vor Ort halte ich für äußerst hilfreich, um gute Gesetze – gerade im Sozialbereich – auf den Weg bringen zu können. Aber ich kenne einige Meinungen zu meiner Kita-Tour aus anderen Parteien.

KitaKitaWenn Herr Ralf Grabow, als Vorsitzender des Sozialausschusses, es nicht für notwendig erachtet, sich persönlich vor Ort blicken zu lassen, z.B. in den Kitas, also dort wo man hautnah Probleme, Schwierigkeiten, aber auch Erfolge vermittelt bekommt, so ist das seine Entscheidung. Ich möchte hingegen da sein, wo mit den Kindern gearbeitet wird, möchte von den Beteiligten persönlich hören, wo ich als Sozialministerin Hilfe und Unterstützung gewähren kann.

Frage: Nach Ihren bisherigen Kita-Besuchen: Welche Probleme gibt es dort noch immer ? Wie wollen Sie Abhilfe schaffen ?

KitaKitaManuela Schwesig: Die bisherige Bilanz läßt sich wie folgt skizzieren: Die Einrichtungen und Erzieher sind total bemüht sind, sich jeden Tag mit viel Engagement und Herzblut ihrer Arbeit zu widmen, um den Kinder eine bestmögliche Betreuung und Entwicklung zukommen zu lassen.

Dieses Engagement ist so unglaublich wichtig, da man es mit keinem Gesetz verordnen kann. Wir müssen die Arbeit der Erzieherinnen und der leider noch zu wenigen Erzieher unheimlich wertschätzen. Sie sind jeden Tag um das bemüht, was für unser Leben am wichtigsten ist, nämlich unsere Kinder, die unsere Zukunft symbolisieren. Das hohe Engagement in den einzelnen Einrichtungen vor Ort ist das, was mir besonders auffiel.

KitaKitaKitaUnsere Kitas haben hierzulande auch davon profitiert, dass mehr Geld in die Einrichtungen investiert haben. Wir wollen jetzt, mit der Kita-Tour, darüber sprechen, zusätzliche Unterstützung zu geben, dort wo Kinder noch mehr Förderung brauchen und Probleme zu Hause haben.

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Zwei weitere Fragen aus aktuellen Anlässen …

Ministerin Manuela Schwesig über die frühere Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt, über die sie im Rahmen der Veranstaltung „1000 Frauen für den Frieden“ referiert, und die Bedeutung des 1.Mai

RHSPDFrage: Am heutigen Donnerstag lädt das Willy-Brandt-Forum und die Bernogemeinde aus Anlass der Veranstaltungsreihe „1000 Frauen für den Frieden“ um 19.00 Uhr zum Regine-Hildebrandt-Abend in das Willy-Brandt-Haus in Schwerin ein.

Sie werden gemeinsam mit dem Ehemann der verstorbenen Sozialdemokratin, Jörg Hildebrandt, die engagierte Sozialpolitikerin würdigen. Regine Hildebrandt – für Sie ein Vorbild ?

Manuela Schwesig: Regine Hildebrandt war eine Pragmatikerin, die immer das Ohr an der Basis hatte, die nie die Bodenhaftung verlor, sich in der Sprache der Menschen äußerte. Sie war couragiert, sprach Dinge an, die mitunter unbequem waren.

Sie hat mich insbesondere mit ihrer geradlinigen Art immer beeindruckt. Regine Hildebrandt war eine Politikerin, der man gerne zugehört hatte, weil sie Probleme auf den Punkt bringen konnte. Letztendlich hat sie selbstlos für den sozialen Frieden gekämpft und daher gehört ja auch Regine Hildebrandt zu den „1000 Frauen für den Frieden“.

Frage: Morgen ist der „Tag der Arbeit“ und zugleich „Freitag“ im doppelten Sinne. Vor 90 Jahren wurde dieser (wenn auch erst einmal nur für 1919 offiziell) gesetzlicher Feiertag in Deutschland. Welche Bedeutung hat für Sie der 1.Mai ?!

BUGA-BlumenManuela Schwesig: Der 1.Mai ist nicht nur ein Tag der Arbeit, sondern für mehr (fair) bezahlte Arbeit und ein besonderer Tag für die arbeitende Bevölkerung, die unsere Gesellschaft aufrecht erhält. Es gibt aber noch jede Menge zu tun, um Arbeitsplätze zu sichern bzw. neue zu schaffen.
Gute Arbeit muß aber auch gut und entsprechend bezahlt werden – Stichwort „Mindestlohn“.

Wenn Menschen, die ganze Woche arbeiten und davon nicht leben können, ist das ein Unding, dann ist das sittenwidrig. Der Kampf für mehr Arbeit und fair bezahlte Arbeit – das symbolisiert der 1.Mai vor allem ! Und, wenn Familien dann noch einen zusätzlichen freien Tag haben, Eltern und Kinder einen weiteren freien Tag miteinander verbringen können, so ist das doch ein weiterer sympathischer Effekt !

Marko Michels

F.: Impressionen zum Besuch der Sozialministerin Manuela Schwesig am 30.April 2009 in der integrativen Kindertagesstätte „Seebad Wendorf“: „Unsere Kita-Welt in Mecklenburg-Vorpommern ist bunt – mit unterschiedlichen Konzeptionen !“, so die Ministerin. Die Kita „Seebad Wendorf“ feierte im letzten Jahr ihr 40jähriges Jubiläum, wie Leiterin Marlies Kreft stolz anmerkte. M.M.

(Regina Hildebrandt, 1941-2001 – die unvergessene Brandenburger Sozialministerin. SPD)


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