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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Künstler-Ehepaar Lohmeyer aus Jamel mit Paul-Spiegel-Preis geehrt

Zivilcourage-Preis des Zentralrats der Juden im Schweriner Schloss übergeben

Schwerin – Der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden wurde heute im Schweriner Schloss an das Ehepaar Horst und Birgit Lohmeyer aus Jamel verliehen. Mit dem Preis soll das besondere Engagement und die Courage der Eheleute Lohmeyer im Kampf gegen die Neo-Nazis in Mecklenburg-Vorpommern gewürdigt werden. „Durch ihr überaus beherztes Auftreten in Jamel setzen sie nicht nur selbst ein ganz besonders mutiges Zeichen im Kampf gegen den Rechtsextremismus, sondern ermuntern ebenso andere, auch über die Landesgrenzen hinaus, nicht aufzugeben und sich den rechten Strukturen ohne Furcht und entschlossen entgegenzustellen“, begründete der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, die bereits Anfang des Jahres getroffene Auswahl der Preisträger.

Nazi-Dorf Jamel
Das Dorf Jamel bei Wismar hat als „Nazi-Dorf“ traurige Berühmtheit erlangt. Nach der Terrorisierung und Vertreibung einzelner Dorfbewohner, liegt der 30-Seelen-Ort fast komplett in der Hand von Neo-Nazis. Eine Ausnahme: Das Ehepaar Lohmeyer. Seit sie in den Ort gezogen sind werden auch sie regelmäßig bedroht und beschimpft. Und in diesem von Braunen besetzten Dorf begehren die Lohmeyers auf. Mitunter durch ihr seit 2007 jährliche stattfindendes Musik-Festival „Jamel rockt den Förster“ – ein Event für Toleranz und Demokratie.

In seiner Eröffnungsrede lobte Dr. Graumann heute die „ganz und gar außergewöhnliche“ Leistung der Lohmeiers. Gleichzeitig zeigte er sich über den Umstand, dass in einem Dorf in Deutschland die Neonazis das Sagen haben, erschüttert und fragte wie es sein könne, dass zwei aufrechte Menschen in diesem Dorf quasi alleine stehen, dass Behörden und Teile der Politik offenbar doch zu wenig, viel zu wenig tun und taten, und das über viele Jahre hinweg?

„Unser Bundesland braucht mutiges Engagement“
Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider erklärte anlässlich der Verleihung des Paul-Spiegel-Preises: „Unser Bundesland braucht in besonderer Weise mutiges Engagement, welches Familie Lohmeyer beispielhaft vorlebt. Wie wir wissen, stehen die rechtsextremistischen Umtriebe im Heimatort der Lohmeyers in engen Zusammenhang mit den Aktivitäten der NPD im Landtag.“

In ihren einzelnen Redebeiträgen bekräftigten alle Anwesenden die Notwendigkeit eines NPD-Verbotes. „Ich erinnere zahlreiche Situationen, bei welchen die NPD unverhohlen die nationalsozialistische Herrschaft verharmloste, deren millionenfache Opfer und unsere demokratische Werteordnung verhöhnte. Gleichwohl der Landtag nicht als Kläger in einem juristischen Verfahren in Erscheinung treten kann, so mahne ich doch die unverminderte und unveränderte Notwendigkeit eines NPD-Verbotes an“, so Sylvia Bretschneider.

Der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden wird in Erinnerung an seinen früheren Präsidenten Dr. h.c. Paul Spiegel sel. A. und dessen unermüdliches Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, sowie für eine starke Bürgergesellschaft vergeben. Mit dem Preis, der mit 5.000,- Euro dotiert ist, ehrt der Zentralrat der Juden Menschen, die sich in besonderem Maße für eine lebendige und stabile Demokratie engagiert und Zivilcourage bewiesen haben.

Der Preis wurde im Jahr 2009 zum ersten Mal an den sächsischen Polizeipräsidenten Bernd Merbitz in Dresden vergeben.

Quelle: Landttag MV / Zentralrat der Juden in Deutschland


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