Die Wissenschaft ist weiblich

Universität Rostock: Gleichstellung der Frauen ist bei der Anzahl der Studentinnen und Promotionen bereits Realität

Die Wissenschaft ist weiblich – in der deutschen Grammatik. Aber in Forschung und Lehre sind Frauen bis heute noch immer unterrepräsentiert. Bei der Gleichstellung haben die Universitäten zweifellos Nachholbedarf. Im Bundesdurchschnitt arbeiten 18,3 Prozent Professorinnen an deutschen Universitäten. In Rostock beträgt ihr Anteil 14,4 Prozent. An der Universität Rostock zeichnet sich dennoch ein erfreulicher Trend ab: Zunehmend verteidigen Frauen Promotionen. Der Frauenanteil an den Promotionen ist in Rostock relativ hoch. Im vergangenen Halbjahr erwarben 60 Frauen und 63 Männer den Doktorgrad. Der Anteil der Studentinnen an der Universität Rostock beträgt 49,8 Prozent. Gleichstellung ist hier praktisch schon Realität.
„Wir sind aber auf einem guten Weg, damit Frauen ihren Mann stehen können“, sagt Privatdozentin Dr. Heidi Reinholz. Die Physikerin und vierfache Mutter ist kommissarische Gleichstellungsbeauftragte der Universität Rostock. „Frauen sorgen nicht nur dafür, dass die Arbeit läuft, sondern sind auch Motor im Universitätsbetrieb“, unterstreicht Heidi Reinholz. Sie selbst tritt dafür als Wissenschaftlerin den besten Beweis an.

An der Universität Rostock wirken 603 Wissenschaftlerinnen. „Das Gefüge in der Forschung ist gesünder, wenn die Mischung stimmt“, betont Heidi Reinholz. Sie oder eine ihrer Fakultätsvertreterinnen sind bei Berufungsverhandlungen anwesend. „Das führt unterschwellig dazu, dass Frauen gleichberechtigt mitbeachtet werden, wenn sie beispielsweise durch Kinder nicht so viele wissenschaftliche Veröffentlichungen aufweisen können“. Die Gleichstellungsbeauftragte hat Vetorecht bei Berufungsentscheidungen. Nur in seltenen Fällen musste bisher davon Gebrauch gemacht werden.

Die Universität Rostock ist im Jahr 2009 durch die berufundfamilie gGmbH als familienfreundliche Universität zertifiziert worden und hat sich in der 2011 geänderten Grundordnung Familienfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben. „In der Kinderbetreuung ist viel passiert“, sagt Annette Meier aus dem Gleichstellungbüro. „Es gibt einen Vertrag mit einem Kindergartenbetreiber, der vorsieht, dass Uni-Angehörige bevorzugt einen Kindergartenplatz erhalten. Die Universitätsmedizin Rostock hat einen eigenen Kindergarten für Beschäftigte bauen lassen. An der Universität Rostock gibt es zwei Kinder-Eltern-Spiel-und Studienzimmer (KESS) und darüber hinaus ein Kinderzimmer in der Physik und eines in der Informatik und Elektrotechnik. Annette Meier sagt: „Wir ringen darum, dass Frauen und Männer durch Kindererziehung keine Nachteile haben, die Studien- und Prüfungsbedingungen familienfreundlicher werden. Wir streben jetzt an, dass Mütter oder Väter in Elternzeit trotzdem Prüfungen ablegen können“. In der Physik beispielsweise sind die Zeiten für Kolloquien und Seminare zeitlich kinderfreundlicher gelegt worden.

Die Prorektorin für Forschung, Ursula van Rienen (Professorin für Theoretische Elektrotechnik) „ist sehr engagiert, wenn es um die Belange der Frauenförderung geht“, schätzen Heidi Reinholz und Annette Meier ein. An ihrer Fakultät für Informatik und Elektrotechnik sind 17 Prozent Professorinnen tätig, während in der Physik demnächst die erste Professorin ihre Arbeit aufnehmen wird. An der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik macht der Anteil der Professorinnen zehn Prozent aus. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei neun Prozent. An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät tragen lediglich 5,7 Prozent der Frauen den Professorentitel.

Begegnung mit der Literatur – Frauen der Universität lesen

Anlässlich des Internationalen Frauentages veranstaltet die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Rostock am 8. März 2012 um 20.00 Uhr in „die andere Buchhandlung“, Wismarsche Straße, 18057 Rostock, eine Bücherlesung. Die Gleichstellungsbeauftragte und Fakultätsvertreterinnen stellen – umrahmt von musikalischen Zwischenstücken – ihre Lieblingsbücher vor. Die Veranstaltung wird von PD Dr. Petra Schulz von der Theologischen Fakultät organisiert.

Quelle: Universität Rostock