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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Sonderausstellung am 28. März 2008 zur Architekturgeschichte des Bades in Peenemünde

Peenemünde ist heute ein Ort, der sich durch seine militärisch geprägte Geschichte nicht nahtlos in die schöne Bäderarchitektur der Insel Usedom einfügt.

Gleichzeitig ist Peenemünde ein herausragender Teil der Naturparks „Insel Usedom“ und zudem einer der spannendsten Orte deutscher Geschichte. Im „Dritten Reich“ wurde in dem damals größten Forschungszentrum an der Entwicklung von „Geheimwaffen“ gearbeitet – darunter auch die „V2“, die erste Großrakete der Welt. Sie brachte den Tod für viele tausend Menschen und mit ihr gelang der erste Schuss in den Weltraum. Mit der Eröffnung der beiden Ausstellungsabschnitte „Die Enden der Parabel“ und „Das Raketenerbe von Peenemünde“ zog das Museum in das alte Peenemünder Kraftwerk ein. Bereits dieses Gebäude vermittelt auf eindringliche Weise die Dimensionen der Peenemünder Versuchsanstalt und ist heute das größte technische Denkmal des Landes Mecklenburg – Vorpommern. In den letzten Jahren ist das Peenemünder Kraftwerk eine „Kulturfabrik“ geworden, neben Museums- und Bildungsarbeit finden hier kulturelle Veranstaltungen wie Theater, Lesungen, Konzerte und Sonderausstellungen statt.

Etwa 230.000 Menschen besuchen jährlich das Museum im Kraftwerk.
Damit gehört Peenemünde zu den meist besuchten Museen in Deutschland und ist ein wichtiger Tourismusmagnet auf der Insel Usedom und für die Region Vorpommern.

Am Freitag, dem 28.03.2008 wird um 16.00 Uhr im ehemaligen Turbinensaal des alten Peenemünder Kraftwerks die Sonderausstellung „BALNEA – Architekturgeschichte des Bades“ eröffnet.
Das Thema der Ausstellung „BALNEA“ entführt uns in eine so bekannte wie unbekannte Welt.
Die Aufklärung brachte einen neuen Bautypus hervor: Das Badehaus. Nach dem Tiefstand der Körperpflege im 17. Jahrhundert entdeckte man das Baden in stehendem und fließendem Wasser wieder. Für die gewandelte Vorstellung von Hygiene auf der Basis neuer medizinischer Erkenntnisse und für eine bewusstere Körperkultur wurden Bauten entworfen, in denen das Baden zelebriert wurde. Badeschiffe, Entwürfe zu Badehäusern und die im 18. Jahrhundert entstehenden Seebäder an Nord- und Ostsee boten den Architekten Gelegenheit, ganz neue Raum- und Bautypen auszubilden.

Als nach 1790 die ersten deutschen Seebäder entstanden, musste der Umgang mit der See erst erlernt werden, und dazu erfand man uns heute kurios erscheinende Bademechanismen. Die Badeschaluppe, ein am Strand vertäutes Segelboot, wurde zum Baden ins Meer gebracht. Wenn es vom Strand ausreichend entfernt war, entkleideten sich die Badegäste hinter geschlossenen Gardinen und stiegen über eine Treppe hinunter in den kleinen, 2 m langen und 1 m tiefen Holzkäfig, der in die See abgesenkt wurde. Dies garantierte das gefahrenfreie Bad, beziehungsweise ein kurzes Abtauchen in das bewegte Seewasser. Die als „Aalkästen“ bezeichneten Käfige wurden auch in den Flussbädern benutzt. Bald wurden die Badeschaluppen von den in England entwickelten Badekarren, fahrbaren Kabinen, abgelöst. Das von einem Pferd ins Wasser gezogene Vehikel bot die Möglichkeit, unbeengt die See zu genießen. Nachdem man sich in seiner Kabine umgekleidet hatte, stieg man nach Belieben die Stufen herab und konnte, sich an einem Seil festhaltend, ganz im Wasser untertauchen.

Selbstverständlich müssen wir davon ausgehen, dass diese Form des Badevergnügens nur einer wohlhabenden Schicht zu Gute kam. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts folgten auf die im Binnenland wie an der See, den wohlhabenden Schichten vorbehaltenen Luxusbäder die öffentlichen Wasch- und Badeanstalten für die arme Stadtbevölkerung.
Markante Stationen, verschiedene Formen und Phänomene der wieder erstarkenden Badekultur und der daraus resultierenden Badearchitektur werden in der Ausstellung „BALNEA“ vorgestellt. Studierende des Instituts für Darstellen und Gestalten der Architekturfakultät Stuttgart haben unter Anleitung von Kunsthistorikern und Gestaltungsfachleuten Modelle gebaut, die die verschiedenen Formen der Badearchitektur und Badekultur nachvollziehbar illustrieren. Diese aus unterschiedlichen Materialien kunstvoll gebauten Modelle stellen den Nukleus der Ausstellung dar, um die einzelnen Themenschwerpunkte gruppieren sich Erläuterungen und Exponate.

Die Sonderaustellung „BALNEA/ Architekturgeschichte des Bades“ wird vom 28.03.2008 bis 31.08.2008 in der Turbinenhalle des Peenemünder Kraftwerks zu sehen sein.

Zur Ausstellung ist im Jonas Verlag Marburg 2006 der von Susanne Grötz und Ursula Quecke herausgegebene Katalog „BALNEA Architekturgeschichte des Bades“ erschienen. Das Buch mit sachkundigen Beiträgen zu verschiedenen Aspekten dieses Themas ist im Museumsshop des HTI Peenemünde erhältlich.


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