Der Rudersport 2012/2016

Nein, die Ruderboote werden natürlich über die Adventszeit, Weihnachten und den Jahreswechsel nicht „eingemottet“. Im Gegenteil, die Ruderinnen und Ruderer „reißen“ sich „am Riemen“ und haben Olympia 2016 schon fest im Blick.

Überall wird fleißig trainiert, auch in wärmeren Gefilden oder „im hiesigen Trocken-Dock“.

Wie sieht aber der aktuelle olympische Zyklus im Rudersport aus?! Wer war bei den wichtigsten globalen Meisterschaften, also bei den WM 2013-2015, am besten?!

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Die Ruder-Weltmeisterschaften 2013 in Chengju

Zwar riss 2013 die goldene Erfolgsserie des Deutschland-Achters der Herren, aber hinter den siegreichen Briten gab es für Hannes Ocik, Felix Drahotta & Co. WM-Silber vor den USA, Polen, den Niederlanden und Frankreich. Wobei es eine ziemlich „knappe Kiste“ zwischen den Briten und Deutschen war – fast hätte der deutsche Achter Großbritannien kurz vor der Ziellinie noch abgefangen. Die Zeiten sprechen für sich: Großbritannien 5:30,35 Minuten und Deutschland 5:30,89 Minuten. Silber ist dennoch aus deutscher Sicht ein großartiger Erfolg.

Wie lief es jedoch für die anderen Ruderinnen und Ruderer mit mecklenburgisch-vorpommerschen „Wurzeln“ in Chengju?! Wer war aus M-V seinerzeit eigentlich am Start?!

Die Ruderinnen und Ruderer mit „M-V-Background“ bei den WM in Chengju waren Paul Heinrich (Doppelvierer, 1991 in Rostock geboren, Rostocker Ruder-Club von 1885), Hannes Ocik (Achter, 1991 in Rostock geboren, Schweriner Rudergesellschaft), Stephan Krüger (Doppelzweier, 1988 in Rostock geboren, Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock), Julia Lepke (Vierer ohne, 1989 in Rostock geboren, Rostocker Ruder-Club von 1885), Marcus Klemp (Para-Rudern/Mix-Doppelzweier, 1982 in Rostock geboren, Ribnitzer Sportverein von 1919), Felix Drahotta (Achter, 1989 in Bad Doberan geboren, früher Rostocker Ruder-Club von 1885, jetzt RTHC Leverkusen), Philipp Naruhn (Zweier ohne, 1983 in Schwerin geboren, HRV Böllberg/Nelson), Wiebke Hein (Leichtgewichts-Einer, 1992 in Rostock geboren, früher Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock, jetzt Potsdamer RC) und Marlene Sinnig (Zweier ohne, 1984 in Rostock geboren, früher Olympischer Ruder-Club von 1956 Rostock, jetzt Crefelder RC).

Übrigens war Chengju insgesamt eine WM der Rekorde, denn es nahmen 948 Ruderinnen und Ruderer aus 73 Nationen in 27 Bootsklassen auf dem Tangeum-See teil.

Die WM-Ausbeute aus M-V-Sicht lautet nach dem Abschluß der WM folgendermaßen: Für Hannes Ocik und Felix Drahotta gab es, wie erwähnt, mit dem Achter Silber. Paul Heinrich wurde mit dem Doppelvierer ebenfalls Zweiter. Marcus Klemp konnte im Para-Rudern, mit dem Mix-Doppelzweier, auch Vize-Weltmeister werden. Knapp verpassten Stephan Krüger (Doppelzweier) und Julia Lepke (Vierer ohne) mit Platz vier das Podium. Marlene Sinnig (Zweier ohne) schaffte in der Endabrechnung Platz acht. Wiebke Hein (Leichtgewichts-Einer) und Philipp Naruhn (Zweier ohne) belegten jeweils Rang zehn (jeweils vierte Plätze im B-Finale).

Alles in allem bedeutet diese Ausbeute eine beachtliche Bilanz für die Ruderinnen und Ruderer aus M-V 2013, auch wenn das erhoffte Gold leider fehlte.

Die WM 2013 aus allgemeiner Sicht

Ansonsten holten die deutschen Ruderinnen und Ruderer in den 27 olympischen bzw. nicht-olympischen Bootsklassen sowie im Para-Rudern acht Medaillen – so viel wie jeweils auch Italien, Großbritannien und die USA.

Im Medaillenspiegel der Ruder-WM 2013 wurde Italien mit 3 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze Erster vor Australien mit 3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze, Großbritannien mit 3 x Gold, 5 x Bronze, den USA mit 2 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze und Norwegen mit 2 x Gold, 1 x Bronze. Deutschland wurde Achter mit 1 x Gold, durch den Frauen-Doppelvierer mit Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Richter und Britta Oppelt, 5 x Silber, 2 x Bronze – eine sehr, sehr gute „Medaillensammlung“.

Was ließe sich zur WM abschließend sagen?! Es wurde in Chengju großartiger Rudersport geboten, dort wurde wieder einmal bewiesen, wie beliebt und global der Rudersport ist. 26 Länder erkämpften Medaillen, davon 17 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Amsterdam 2014 – ein Resümee

Und folgend… Wie sah es 2014 in Amsterdam aus? Ruderinnen aus Mecklenburg-Vorpomern – zumindest mit „MV-Bindungen“ – waren bei den WM`14 Julia Lepke vom Rostocker Ruder-Club von 1885 (Frauen-Achter), Stephan Krüger vom Olympischen Ruder-Club Rostock von 1956 (Doppelzweier), Marcus Klemp vom Ribnitzer SV von 1919 (Para-Mixed-Doppelzweier), Wiebke Hein, einst Olympischer Ruder-Club Rostock von 1956, jetzt Potsdamer Ruder-Club Germania (Leichtgewichts-Doppelvierer), Felix Drahotta, früher Rostocker Ruder-Club von 1885, nun RTHC Bayer Leverkusen (Herren-Achter), und Malte Daberkow vom Olympischen Ruder-Club Rostock von 1956 „als WM-Ersatz für alle Fälle“.

Starke Teams aus Australien und Neuseeland

Global betrachtet waren bei den Ruder-WM 2014 in den olympischen bzw. nicht-olympischen Bootsklassen sowie im Para-Rudern Neuseeland (6 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze), Großbritannien (4 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze), Australien (2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze), Deutschland (2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze), die Ukraine (2 x Gold), die USA (1 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze), Italien (1 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze) und Griechenland (1 x Gold, 1 x Silber) die erfolgreichsten Nationen. Insgesamt errangen Ruderinnen und Ruderer aus 26 Ländern WM-Edelmetall 2014. 16 Staaten davon erkämpften eine oder mehrere Goldmedaillen.

Die 81 Medaillen, darunter 27 Goldmedaillen, verteilten sich dabei wie folgt auf die einzelnen Kontinente/Welt-Regionen 2014: Europa sicherte sich 44 Medaillen, darunter 17 Goldene. Australien/Ozeanien jubelte über 17 x Edelmetall, davon acht Titel. Asien holte sechs Medaillen, auch Israel schaffte einen Podestplatz. Für Nordamerika gab es neun Medaillen, darunter einmal Gold, und für Mittel- bzw. Südamerika zwei Medaillen. Afrika war mit zwei Plaketten, darunter einen Weltmeister-Titel, bei der Medaillen-Vergabe dabei.

WM-Bilanz 2014 aus deutscher und mecklenburgischer Sicht

Aus deutscher Sicht gab es – wie erwähnt – achtmal Edelmetall. Goldmedaillen erkämpften der Frauen-Doppelvierer mit Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier sowie Lisa Schmidla und der leichte Herren-Achter mit Tobias Franzmann, Simon Barr, Torben Neumann, Stefan Wallat, Daniel Wisgott, Jonas Kilthau, Sven Kessler, Can Temel und Frederik Böhm.

Die MV-Starterinnen und –Starter jubelten über zwei Medaillen. Der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta belegte mit dem olympischen Herren-Achter Rang zwei hinter Großbritannien. Die gebürtige Rostockerin Wiebke Hein wurde mit dem leichten Frauen-Doppelvierer Dritte. Stephan Krüger (Rostock/Herren-Doppelzweier) erreichte WM-Rang fünf und der gebürtige Rostocker Marcus Klemp schaffte im Para-Mixed-Doppelzweier zwar nicht das Finale, aber Amsterdam war für Marcus ohnehin nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Rio 2016.
Insgesamt nahmen 1168 Ruderinnen und Ruderer aus 60 Nationen an den WM 2014 teil.

Die WM im Rudern 2015 in Aiguebelette

Bei den 45.Weltmeisterschaften im Rudersport in Aiguebelette, an denen 1300 Athletinnen und Athleten aus 77 Ländern teilnahmen, waren insbesondere die Britinnen und Briten am erfolgreichsten.

Großbritannien wurde mit fünfmal Gold, neunmal Silber, einmal Bronze die erfolgreichste Nation vor Neuseeland mit fünfmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze, Deutschland mit dreimal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze, Australien mit dreimal Gold, zweimal Silber und den USA mit dreimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze. Gastgeber Frankreich präsentierte sich ebenfalls stark und schaffte jeweils zweimal Gold, Silber und Bronze.

78 Medaillen, darunter 26 x Gold, waren – kompakt betrachtet – in Aiguebelette zu vergeben, denn es gab 13 Entscheidungen für die Herren, neun Entscheidungen für die Damen und vier Entscheidungen im Para-Rudern.

Europa „sammelte“ dabei am fleißigsten Medaillen. 51 Plaketten sicherten sich die europäischen Ruderinnen und Ruderer, was einem Medaillen-Anteil von mehr als 65 Prozent entspricht. 14 von 26 Weltmeister-Titeln blieben dazu auf dem „alten Kontinent“ – das wiederum entspricht einem Anteil von fast 54 Prozent.

Die restlichen WM-Medaillen gingen nach Australien/Ozeanien (14), Nordamerika (9), Asien (3) und Afrika (eine). Bei den WM-Titeln holten Australien/Ozeanien acht erste Plätze, Nordamerika drei und Asien einen.

Die M-V-Bilanz

Aus M-V-Sicht waren zwei Medaillen zu verzeichnen – allerdings beide im Herren-Achter. Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik, für die Schweriner Rudergesellschaft startend, und der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta (jetzt Leverkusen) erkämpften Silber im Deutschland-Achter, der nur ganz knapp vom britischen Achter distanziert wurde. Marie-Louise Dräger (Rostock) schaffte hingegen mit ihrer Bootskollegin Fini Sturm im leichten Doppelzweier der Frauen einen guten sechsten Platz.

Der Rostocker Stephan Krüger „schrammte“ mit seinem Bootskollegen Marcel Hacker noch knapper am Edelmetall „vorbei“… Am Ende wurde es ein vierter Platz im Herren-Doppelzweier. Der deutsche Frauen-Achter (mit der Rostockerin Julia Wärmer) bleibt hingegen das rudersportliche „Sorgenkind“ des Deutschen Ruderverbandes. In Aiguebelette wurde es nur der zehnte und letzte Platz.

Goldene deutsche Momente

Für die „goldenen Momente“ aus deutschem Ruder-Blickwinkel sorgten aber der Herren-Doppelvierer (Philipp Wende, Karl Schulze, Lauritz Schoof, Hans Gruhne), der leichte Herren-Achter (Tobias Schad, Simon Barr, Torben Neumann, Florian Roller, Tobias Franzmann, Stefan Wallat, Claas Mertens, Can Temel, Felix Heinemann) und der leichte Frauen-Doppelvierer (Katrin Thoma, Leonie Pieper, Lena Müller, Anja Noske). Die Bilanz der deutschen Ruderinnen und Ruderer in Aiguebelette war schon sehr gut, wenngleich in einigen Bootsklassen, gerade in den olympischen, Gefahr besteht, den Anschluß an die absolute Weltelite zu verpassen. Dennoch: Nach wie vor ist Deutschland eine starke, traditionsbewußte Ruder-Nation.

Großbritannien insgesamt am besten

Die erfolgreichsten Nationen im Rudersport im aktuellen olympischen Zyklus, bei den drei WM 2013, 2014 und 2015 (inklusive der nicht-olympischen und paralympischen Konkurrenzen), sind Großbritannien (12 x Gold, 13 x Silber, 8 x Bronze), Neuseeland (12 x Gold, 8 x Silber, 3 x Bronze), Australien (8 x Gold, 7 x Silber, 4 x Bronze) und Deutschland (6 x Gold, 12 x Silber, 7 x Bronze).

Rio 2016 wird sicherlich auch im Rudersport bestimmt mehr als spannend.

Marko Michels

Foto (Detlef Nuelken/Olympiastützpunkt M-V): Rostocks Ruder-Ass Marie-Louise Dräger.