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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Zwischen Eis und Schnee

Wintersport 2010/11 in Mecklenburg-Vorpommern

Eisige Zeiten stehen den Sportfreunden ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern bevor. Auch für die sportiven Fans hierzulande dürften die Weltcup-Wettbewerbe, die verschiedenen EM und WM in den Eissportarten, wie Eishockey, Eisschnelllaufen, Short Track oder Eiskunstlaufen, von großem Interesse sein.

Ein Österreich(er) aus Rostock mit Olympia-Silber in Österreich
So feiert am 5. Dezember 2010 der Rostocker Eiskunstlauf-Verein seinen zehnten Geburtstag, Und MV, speziell Rostock, hat ja in puncto Eiskunstlaufen eine besondere Erfolgstradition Rolf Österreich, beispielsweise Olympia-Zweiter 1976 im Paarlauf mit Partnerin Romy Kermer, stammt von der Ostseeküste genauso wie der dreimalige DDR-Meister im Eiskunstlauf Ralph Borghard, zweimal EM-Sechster 1963 sowie 1966 und Olympia-Teilnehmer 1964 in Innsbruck, oder der Eistänzer der Meisterklasse Jochen Bode. Robin Szolkowy, mit Partnerin Aljona Sawtschenko im Paarlauf sehr erfolgreich und Olympia-Dritter 2010, zuvor schon u.a. Weltmeister 2008 sowie 2009, wurde in Greifswald geboren.

Karin und Jacqueline – zwei goldene Hanseatinnen im Eisschnelllaufen
Im Eisschnelllaufen hat MV auch Erfolgsgeschichten zu vermelden: Im Jahre 1975 wird Karin Kessow aus Rostock Eisschnelllauf-Weltmeisterin. Die gebürtige Wismarin Jacqueline Börner erkämpfte dann 1992 auf der 1500 Meter-Distanz im Schnelllauf Gold!
Nicht zu vergessen ist dabei der Schnellläufer Jörg Lange aus Rostock, der in den 80er Jahren mit respektablen Ergebnissen an nationalen und internationalen Meisterschaften teilnahm.

Rostocker Eishockey-Hochburg
Nicht zuletzt hatte und hat der Eishockeysport hierzulande, speziell in Rostock, stets eine gute Heimat. Heute sind die „Piranhas“ ein Zuschauer-Magnet. Viele gute Eishockeyspieler haben in der Hansestadt zudem ihre Wurzeln. So nahm der Rostocker Eishockeyspieler Dietmar Peters 1968 an den Olympischen Winterspielen teil und wurde Achter mit der DDR. EM-Bronze 1965/66 gab es für einen weiteren Eishockey-Crack aus Rostock, für Bernd Karrenbauer, der 1962 von der Ostseeküste zu Dynamo Berlin wechselte. Dietmar Peters und Bernd Karrenbauer – nur zwei Beispiele von vielen.

Short Tracker von der Ostseeküste – eine Erfolgsgeschichte
Und die Kurzbahn-Eischnellläuferinnen und –Eisschnellläufer des ESV Turbine Rostock sind seit 1998 ständig Teilnehmer bei Olympischen Winterspielen. Insbesondere Aika Klein, Ulrike Lehmann, Katrin Weber, Anne Eckner, Andre Hartwig und Arian Nachbar stehen für zahlreiche nationale und internationale Erfolge im Short Track.
Außerdem: Die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin 1960 über 500 Meter Helga Obschernitzki-Haase lebte einige Zeit in Schwerin-Neumühle.

Sogar im Biathlon „mischte“ ein Mecklenburger „mit“. Der Biathlet Frank-Peter Roetsch, 1964 in Güstrow geboren, wurde zweifacher Olympiasieger 1988.

Bob-Trio aus MV mit meisterlichem Können
Und auch im Bob ging es nicht ohne MV … Der Bobfahrer Ulf Hielscher aus Neubrandenburg wurde 1994 im Vierer-Bob Olympia-Dritter und 1995 Weltmeister. WM-Medaillen – wie der schon erwähnte Ulf Hielscher im Bobsport – holte 1995 bis 1997 auch der Zehnkampf-Weltmeister von 1987, Torsten Voss. Torsten Voss wurde 1963 in Güstrow geboren, war als Zehnkämpfer für den SC Traktor Schwerin aktiv und erkämpfte Silber in Seoul`88.

Für die meisten olympischen und weiteren internationalen Wintersportmedaillen „made“ in M-V sorgte zwischen 1976 und 1980 Meinhard Nehmer von der Insel Rügen, dabei dreimal Olympiasieger 1976/1980.

Eiskanäle statt Bergringrennen – Sandro Stielicke
Während Meinhard Nehmer, Torsten Voss und Ulf Hielscher im Bobschlitten wintersportliche Karriere machten, schaffte dieses Unterfangen ein gebürtiger Teterower zunächst im Rennrodeln dann im Skeleton. Sandro Stielicke, der Junioren-Weltmeister 2009 im Skeleton in Königssee, schaffte 2010 auch die Teilnahme an den olympischen Wettkämpfen in Whistler. Dort wurde Sandro, Jahrgang 1986, sehr guter Zehnter. Bereits bei den WM 2009 belegte er Platz sechs und bei den EM 2010 folgte erneut der sechste Rang.
Der Wintersportler mit den vorpommerschen Wurzeln kam eher durch einen Zufall zum Wintersport. Petra Stielicke, Sandros Mutter und als Meteorologin tätig, mußte sich nach Schließung der Wetterstation in Teterow eine neue berufliche Herausforderung suchen. Sie fand diese in Bayern, auf dem Kahlen Asten. Und so landete Sandro nicht auf dem Speedway-Motorrad beim Bergringrennen in Teterow, sondern in den „Eiskanälen dieser Welt“ beim Rennrodeln, dem er sich mit beachtlichem Erfolg bis 2005 widmete, und letztendlich beim Skeleton. Dort konnte er sich schnell seinen Traum von Olympia erfüllen – mit weiteren Ambitionen für die kommenden Jahre.
Sandro ist übrigens Mitglied beim BSC Winterberg und trainiert bei Frank Schwarz.

Doch wie sieht die Situation gegenwärtig im Eissport direkt in MV aus?

Nachgefragt bei Maik Thiel, Präsident des Landeseissportverbandes MV

„Hohes Engagement der Trainer und Betreuer in unserem Bundesland, aber …“

Frage: Herr Thiel, es ist wieder so weit: Die Wintersport-Saison hat begonnen, auch die im Eissport. Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Eiskunstläufer, Eisschnellläufer, Eishockeyspieler und Short Tracker für die kommenden Herausforderungen, wie Weltcup, EM und WM, ein?

Maik Thiel: Nach den olympischen Spielen in Vancouver stehen alle Nationalteams im bzw. vor dem Umbruch. Dazu kommen in einigen Disziplinen die Wechsel der jeweiligen Bundestrainer. Im Eisschnelllauf liegen die Hoffnungen wohl zu aller erst auf Jenny Wolf und Stephanie Beckert. Im Short Track war der Aderlass besonders groß. Aber vielleicht können ja unsere Kröger–Brüder für Überraschungen sorgen.

Ob die Eishockeynationalmannschaft ihre guten Ergebnisse wiederholen kann, ist schwer zu prognostizieren. Der Modus der WM kann sich diesmal schnell gegen das „Team Germany“ wenden, denn mit Russland und Gastgeber Slowakei warten zwei harte Brocken in der Vorrunde. Im Eiskunstlauf hoffe ich, dass unser Weltmeister-Paar von 2008 und 2009 Robin Szolkowy/Aljona Sawtschenko zur alten Stärke zurückfindet.

Frage: MV ist zwar nicht das klassische Eissportland, aber in den Eissportarten brachte M-V schon eine Reihe großartiger Athletinnen und Athleten hervor. Wie bewerten Sie den Stellenwert des Eissportes in M-V?

Maik Thiel: Der Stellenwert des Eissports in M-V ist sicher nicht der, den sich der Landeseissportverband  M-V wünscht. Aber die Anzahl und Nutzbarkeit von Eisflächen ist bei uns nun einmal sehr begrenzt. Um den Eissport weiter zu entwickeln, bräuchten wir unbedingt mehr Eisflächen und vor allem auch eine neue Eisportstätte in Rostock. Aber die Kassenlage der Kommunen lässt dies zurzeit nicht zu. Aber träumen darf man ja …

Frage: Die Eishockey-„Piranhas“, der Rostocker Eiskunstlauf-Verein oder der ESV Turbine Rostock stehen für großes Engagement in puncto Eissport in M-V. Wie viele Eissport-Begeisterte, ob im Eishockey, Eiskunstlaufen oder Short Track, gibt es eigentlich im Land? Wie sehen die Trainingsbedingungen aus?

Maik Thiel: Im Landeseissportverband M-V sind im Moment circa 700 Eissportlerinnen und Eissportler organisiert. Die Trainingsbedingungen sind leider unterdurchschnittlich. In M-V existieren nur drei Eisflächen die für unseren Sport nutzbar sind. Die Eishalle in Rostock von September bis April, die Eisbahn in Malchow von Oktober bis März und die Eisbahn in Heringsdorf von November bis Februar.

Die Eishalle in Rostock ist an den Wochentagen maximal ausgelastet und an den Wochenenden wird die Halle überwiegend zum öffentlichen Eislaufen genutzt. Unter diesen Bedingungen ist ein geregelter Trainings- und Wettkampfbetrieb nur schwer möglich. Umso höher sind die Leistungen unserer Sportler, Trainer, Übungsleiter und Betreuer zu bewerten.

Frage: Aika Klein, die Miss Short Track aus Rostock, trat in diesem Jahr zurück. Zuletzt sorgten Hannes und Torsten Kröger beim Weltcup in Quebeck für gute Resultate. Wie beurteilen Sie die Zukunft des Short Track am Standort Rostock? Insbesondere Trainerin Karin Schmidt sorgt ja seit Jahren dafür, dass die Kurzbahn-Eisschnellläufer hier gute Bedingungen haben …

Maik Thiel: Auch die Zukunft des Short Tracks in Rostock hängt davon ab, wie sich die Sportstätten-Situation entwickelt. Mittelfristig muss sich da etwas tun. Denn wenn man zum Beispiel nach Dresden und Hamburg schaut, dann sind dort neue Eishallen entstanden.

Nur mit dem Einsatz und Engagement unserer Trainer und Betreuer alleine, wird die hohe Qualität des Short Tracks in Rostock nicht zu halten sein. Noch steht die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft/DESG, der Spitzenverband, zum Standort, aber die Entwicklung in Rostock wird genau beobachtet.

Frage: Welche Eissportart bevorzugen Sie eigentlich selbst?

Maik Thiel: Als Zuschauer bin ich bei den Piranhas zu beobachten. Meine Kinder sind im Eiskunstlauf und Eishockey engagiert

Dann trotz aller Widrigkeiten maximale eisige Erfolge!

Die Fragen stellte Marko Michels.


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