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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Zwischen Deutschen Nachwuchs-Meisterschaften und Elite-WM: Der Boxsport 2017

Nachgefragt bei Dieter Berg vom BC Traktor Schwerin

Der boxsportliche Jahreshöhepunkt 2017 sind zweifellos die 19.Amateur-Weltmeisterschaften im Männer-Boxsport seit 1974 in etwas mehr als vier Monaten in Hamburg.

In der Geschichte der bisherigen Amateur-Box-Welttitelkämpfe bei den Herren ist Kuba mit 128 Medaillen, darunter 71 x Gold, die erfolgreichste Box-Nation.

Deutsche Faustkämpfer gewannen bis dato 64 Medaillen, darunter 5 x Gold. Die deutschen Amateur-Box-Weltmeister sind dabei Henry Maske (1989 in Moskau, Halbschwergewicht), Marco Rudolph (1991 in Sydney, Leichtgewicht), Torsten May (1991 in Sydney, Halbschwergewicht), Zoltan Lunka (1995 in Berlin, Fliegengewicht) und Jack Culcay-Keth (2009 in Mailand, Weltergewicht).

Welche wichtigen Turniere in M-V und darüber hinaus gibt es aber in den kommenden Wochen vor den WM in Hamburg?!

Nachgefragt bei Dieter Berg vom BC Traktor Schwerin

D.Berg über die kommenden boxsportlichen Herausforderungen und einen baldigen Box-Jubilar

„Ein ereignisreiches Box-Jahr 2017…“

Frage: Der vierte Junior-Traktor-Cup fand kürzlich in Schwerin statt. Wie war der Zuspruch zur Veranstaltung? Wie war das Niveau und wer war besonders erfolgreich?

Dieter Berg: Der vierte  Juniors-Cup für die Altersklassen U 13 und U 15 war wieder ein großer Erfolg. 106 Boxer aus ganz Deutschland und Dänemark waren am Start. Die Kämpfe hatten – wie auch in den letzten Jahren – erneut ein insgesamt sehr hohes Niveau. Aus Schweriner Sicht konnten die Trainer mit insgesamt sechs Turniersiegen auch sehr zufrieden sein.

Frage: Welches sind die kommenden Herausforderungen für die jüngeren und reiferen Traktor-Boxer in den nächsten Monaten?

Dieter Berg: Für die Nachwuchs-Athleten der verschiedenen Altersklassen stehen demnächst die Deutschen Meisterschaften an. In Binz sind die Boxsportler der Altersklasse U 17 vom 18.April 2017 bis 22.April 2017 gefordert. Es folgen die  Altersklasse U 15  vom 3.Mai 2017 bis 7.Mai 2017 in Lindow und die Altersklasse U 19 vom 13.Juni 2017 bis 17.Juni 2017 in Velbert. In Rostock werden vorher vom 2.Juni 2017 bis 4.Juni 2017 zudem die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Boxen ausgetragen.

Für die Elite-Sportler stehen im Männer-Bereich die EM vom 14.Juni bis 25.Juni in Karkiv, gleichzeitig WM-Qualifikationsturnier, und insbesondere die WM vom 25.August bis 2.September in Hamburg auf dem Programm, wobei unsere deutschen Faustkämpfer hoffentlich eine sehr gute Rolle spielen werden.

Frage: In acht Monaten feiert der erste Box-Olympiasieger aus Schwerin, Jochen Bachfeld, seinen 65. Was zeichnet den Boxer und Menschen Jochen Bachfeld aus?

Dieter Berg: Jochen ist einfach ein feiner aufgeschlossener Mensch, der immer noch so jung und sportlich geblieben ist, wie noch vor mehr als 40 Jahren! Ein super Typ…

Letzte Frage: Zurzeit hört man wenig vom Frauen-Boxen… Wie ist da die Resonanz beim BC Traktor?

Dieter Berg: Mit Sahra Scheurich haben wir eine der erfolgreichsten Boxerinnen Deutschlands beim BC Traktor Schwerin. Auch wenn sie 2016 knapp das Olympia-Ticket nach Rio verpasst hat, ist sie als mehrfache Deutsche Meisterin, Vize-Europameisterin 2014 und Dritte der Europa-Spiele 2015 eine sehr ambitionierte Sportlerin. Aber auch im Nachwuchs-Bereich haben wir einige gute und sehr gute weibliche Talente. Im Frauen-Boxen geht es bei uns ebenfalls voran.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Boxsport!

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Exkurs: Vor mehr als 40 Jahren: Das olympische Box-Turnier 1976 in Montreal / Erster Box-Olympiasieg für M-V / Jochen Bacheld – 65 Lenze im Dezember 2017

Der Boxsport und Mecklenburg-Vorpommern. Das war, das ist seit 1920 ff. eine große Erfolgsgeschichte. Box-Legende Max Schmeling wurde 1905 im vorpommerschen Klein Luckow geboren. Erfolgs-Trainer Ulli Wegner boxte Anfang der 1960er Jahre für den ASK Vorwärts Rostock. Bekannte Box-Trainer aus M-V sind zudem unter anderem Michael Timm, Uwe Behrendt, Dieter Berg,  Fiete von Thien, Horst Femfert, Uwe Fox, Karsten Röwer oder Christian Morales.

Der leider viel zu früh verstorbene Fritz Sdunek entdeckte, formte und trainierte hier jahrzehntelang Boxsportler, die zu olympischen, weltmeisterlichen und europameisterlichen Ehren kamen.

Namen, wie Bruno Guse, Paul Nickel, Dieter Neidel, Karl Degenhardt, Jürgen Schlegel, Manfred Weidner, Bernd Wittenburg, Rene Breitbarth, Dieter Berg, der früh verunglückte Sven Lange, Torsten Schmitz, Jan Quast, Michael Timm, Martin Dreßen, Sebastian Zbik, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer oder insbesondere Andreas Zülow, Andreas Tews und Jochen Bachfeld, der im Dezember 65 Lenze jung wird, haben weit über die mecklenburgischen bzw. vorpommerschen  Box-Grenzen hinaus einen ausgezeichneten Klang. Der Amateur-Boxsport „Made in M-V“ hatte (und hat durchaus noch immer) „Weltruf“.

Montreal 1976 – Goldene Momente

Vor 40 Jahren gab es dann auch endlich das erste boxsportliche Olympia-Gold für Mecklenburg-Vorpommern. Beim olympischen Box-Turnier 1976 in Montreal  schaffte der 1952 in Sülten geborene Jochen Bachfeld, der für den SC Traktor Schwerin kämpfte, im Weltergewicht die Überraschung. Überraschend deshalb, weil sich der Wahl-Schweriner vor den Spielen verletzte, rechtzeitig aber wieder fit und nachnominiert wurde…

In Montreal konnte den Mecklenburger niemand aufhalten. In der ersten Runde besiegte er den Iraner Ali Bahri Khomani durch RSC 1.Runde, dann bezwang er den Griechen Athanasis Illiadis in der zweiten Runde mit 5:0, glänzte folgend gegen den Russen Waleri Rachkow in der dritten Runde mit 4:1 (Ein vorweg genommenes Finale!), ließ dem Kanadier Carmen Rinke im Viertelfinale keine Chance (5:0), erreichte anschließend ein 3:2 gegen den Rumänen Victor Zilberman im Halbfinale – und im Finale gab es einen spannenden Fight gegen den Venezuelaner Pedro Gamarro, den Jochen Bachfeld zu seinen Gunsten knapp entschied (3:2).

Der erste Olympiasieg im Boxsport für „M-V“ war damit am 31.Juli 1976 perfekt.

Silber-Medaille im Federgewicht

Im Federgewicht sorgte ein weiterer mecklenburgischer Boxer 1976 für Furore – Richard Nowakowski, Jahrgang 1955, Geburtsort: Sztum, Verein: SC Traktor Schwerin.

Richard Nowakowski konnte bis zum Finale alle Kämpfe gewinnen, so in der zweiten Runde gegen Ruben Mares (Philippinen) mit 5:0, in der dritten Runde gegen Behzad Ghaedi Bardeh aus dem Iran durch RSC 3.Runde, im Viertelfinale gegen Gheorghe Ciochina (Rumänien), der in der dritten Runde den Westdeutschen Rene Weller mit 4:1 besiegt hatte, durch RSC 3.Runde und im Halbfinale gegen Leszek Kosedowski (Polen) mit 5:0. Im Finale unterlag Richard Nowakowski dann dem Kubaner Angel Herrera durch K.O. in der 2.Runde.

Gute Kämpfe von Bernd Wittenburg

Ein weiterer mecklenburgischer Boxer in Montreal 1976 war der gebürtige Neuklosteraner Bernd Wittenburg, Jahrgang 1950. Dieser trat im Mittelgewicht an. In der ersten Runde konnte Bernd Wittenburg klar gegen den Kanadier Bryan Gibson mit 5:0 gewinnen, unterlag folgend jedoch dem Kubaner Luis Felipe Martinez in der 2.Runde umstritten mit 2:3.

Das Box-Turnier 1976 – ein Resümee

Das olympische Box-Turnier 1976, das in der fast 18000 Zuschauer umfassenden „L`Arena Maurice Richard“ in Montreal zwischen dem 18.Juli und 31.Juli 1976 ausgetragen wurde, litt unter dem Boykott der afrikanischen Länder.

Diese gewannen bei den ersten Amateur-Weltmeisterschaften im Männer-Boxsport 1974 in Havanna unter anderem WM-Gold durch Ayub Kalule aus Uganda im Halbweltergewicht und WM-Silber durch Stephen Muchoki aus Kenia im Halbfliegengewicht. Hatten – mit den afrikanischen Boxern – ursprünglich 348 Teilnehmer aus 69 Nationen gemeldet, so waren es nach dem Abzug der afrikanischen Box-Teams nur noch 267 Teilnehmer aus 51 Ländern.

Die erfolgreichste Box-Staffel 1976 in Montreal war nicht jene aus Kuba, sondern aus den USA, die 5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze verbuchen konnte. Die US-Olympiasiege im Boxsport`76 gingen auf das sportliche Konto von Leo Randolph (Fliegengewicht), Howard Davis junior (Leichtgewicht), Sugar Ray Leonhard (Halbweltergewicht), Michael Spinks (Mittelgewicht) und Leon Spinks (Halbschwergewicht).

Die erfolgsverwöhnten Kubaner kamen hingegen auf 3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze. Jorge Hernandez (Halbfliegengewicht), der erwähnte Angel Herrera (Federgewicht) und der legendäre Teofilo Stevenson (Schwergewicht) waren Kubas Olympiasieger im Box-Ring 1976.

Die restlichen drei olympischen Goldmedaillen im Boxsport`76 gingen an Nordkorea (Gu Yong-Jo, Bantamgewicht), Polen (Jerzy Rybicki, Halbmittelgewicht) und eben die DDR (Jochen Bachfeld, Weltergewicht).

Für die DDR gab es dank Jochen Bachfeld bzw. Richard Nowakowski (SC Traktor Schwerin) je einmal Gold und Silber. Für die westdeutsche Staffel holte Reinhard Skricek (Bayer Leverkusen) in der „Jochen-Bachfeld-Gewichtsklasse“ die Bronze-Medaille.

Medaillen für 16 Länder

Insgesamt erkämpften Boxer aus 16 Ländern olympisches Edelmetall in Montreal 1976. Neben den genannten Bilanzen für die USA, Kuba und die beiden Deutschländer konnten sich auch die Boxer aus Nordkorea (1 x Gold, 1 x Silber), Polen (1 x Gold, 4 x Bronze), Rumänien (2 x Silber, 3 x Bronze), der Sowjetunion (1 x Silber, 4 x Bronze), Jugoslawien (1 x Silber, 1 x Bronze), Venezuela (1 x Silber) sowie Puerto Rico, Thailand, Großbritannien, Mexiko, Bulgarien und von den Bermudas (je 1 x Bronze) in das olympische Medaillen-Ranking 1976 „fighten“.

Die Auszeichnung für den besten Techniker des Olympia-Turnieres 1976 (Val-Barker-Pokal) erhielt der Amerikaner Howard Davis junior.

Für „M-V“ folgten dann 1988 in Seoul (Andreas Zülow, SC Traktor Schwerin) und 1992 in Barcelona (Andreas Tews, Schweriner SC) weitere olympische Goldmedaillen im Boxsport.

Marko Michels

 

 

 


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