Politischer Kapitän in stürmischen Zeiten…


„Niemand stirbt, der in der Erinnerung bleibt!“.

Helmut Schmidt, der deutsche Jahrhundert-Politiker, der aufrichtige Hanseate, der politische Kapitän in den stürmischen Zeiten der 1970er, der Elder Statesman und der Wegbereiter der deutschen Einheit, hat dem irdischen Dasein „Goodbye“ gesagt. … Im Frühjahr noch ein Buch mit dem Titel „Was ich noch sagen wollte“ veröffentlicht, in dem er der aktuellen politischen Klasse die „Leviten las“ und damit den Abschied vorbereitet, und nun bereit für die letzte ganz große Reise…

Politischer Kapitän in stürmischen Zeiten

Ein politischer Kapitän ging von Bord, der nicht nur einen Kompass hatte, sondern mit diesem auch umgehen konnte. Der nicht danach lechzte, wie manch andere, die eigene Bedeutung an der Anzahl der Dienstjahre in einem Amt zu bemessen. Jemand der stand, wenn andere umfielen oder über ihn „herfielen“.

„Schmidt-Schnauze“ hätte wahrscheinlich mit jeder anderen Partei locker vier Amtszeiten durchziehen können – nur nicht mit der eigenen, der SPD, die es in ihrer Geschichte immer wieder fertig brachte, eigene potenzielle Kanzler zu verhindern bzw. vorhandene zu stürzen. So erging es indirekt Willy Brandt. Später dann direkt Gerhard Schröder, ohne dessen Agenda 2010 Deutschland noch immer der „kranke Mann Europas“ wäre. Und so erging es – zwischen Brandt und Schröder – auch Helmut Schmidt.

Hanseate mit Weitsicht

Er erkannte früh den Expansionsdrang der Breschnew-Administration Ende der 1970er Jahre, als diese die SS 20 gegen Westeuropa und gegen China bzw. Japan in ihrer Einflußsphäre stationierten. Entgegen den Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten. Der NATO-Doppelbeschluß, von Helmut Schmidt maßgeblich initiiert, führte dazu, dass dem imperialen Bestreben der UdSSR Einhalt geboten wurde, dass die UdSSR sich letztendlich auf ein „Wettrüsten“ einließ, in ein „Gleichgewicht des Schreckens“, was zu deren Zusammenbruch führte.

Ohne Schmidt wäre auch die von Brandt begonnene „neue Ostpolitik“ nicht fortgesetzt worden, die letztendlich von Helmut Kohl erfolgreich zu Ende gebracht wurde und zur deutschen Einheit führte.

Ohne Schmidt wäre auch nicht der KSZE-Prozess eingeleitet worden – die friedlichen Koexistenz der unterschiedlichen Systeme. Dessen Menschenrechts-Charta beförderte die Bürgerrechtsbewegungen in Polen, in Ungarn, in der Tschechoslowakei, in Rumänien, in Bulgarien und letztendlich auch in der DDR.

Stets klare Worte

Schmidt war zudem ein Meister im Bewältigen von Konflikten und Krisen, ein brillanter Denker, ein herausragender Redner, jemand der wirklich etwas sagen konnte und auch etwas zu sagen hatte.

Keine „Sprechblaseritis“, wie man sie heute von den meisten Rednerinnen und Rednern im Deutschen Bundestag kennt.
Helmut Schmidt war ein überzeugter Antifaschist und Antikommunist. Für ihn war der „Führer“ nur „Adolf Nazi“, Erich Honecker nur „ein höchst mittelmäßiger Mann“.

Ein ganz Großer

Was zeichnete den fünften Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland noch aus?! Er war und blieb stets authentisch und bescheiden, verlor nie die Bodenhaftung und war ein Hamburger mit ganzem Herzen.

Seine Größe ist so immens, dass seine politischen Nachfolger in der SPD immer kleiner gerieten. Schaut man auf die SPD des Jahres 2015, so ist man nur noch eines: Entsetzt darüber, wer dort alles „Steuerfrau“ und „Steuermann“ spielen darf.

Was Helmut Schmidt aber so ganz besonders macht, was ihn auf eine Stufe mit Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Willy Brandt und Helmut Kohl stellt, ist sein ausgeprägter Charakter, gepaart mit brillantem Intellekt und einem ausgeprägten Pragmatismus im besten Sinne. „In der Krise beweist sich der Charakter!“ ist eines seiner vielen wichtigen Zitate. Helmut Schmidt bewies diesen stets – auch bei stärkstem Gegenwind. Lieber verlor er sein Amt, als vor falschen Konzepten einzuknicken.

Schmidt bewegte und bewegt

Er war ein Politiker, der bewegen wollte und konnte. Helmut Schmidt zog Freund und Feind in seinen Bann. Seine Zwischenrufe, Bücher und Reden wird man vermissen. Es wird wieder ein Platz in der deutschen Politik leer bleiben. Noch ist keiner würdig, diesen einzunehmen – und noch ist keine bzw. keiner in Sicht, der diesen Platz ausfüllen könnte.

Gibt es eigentlich noch etwas zur Amtszeit von Helmut Schmidt zu sagen?! Ja… Unter ihm wurde Deutschland Fußball-Weltmeister (1974). Etwas, was vor ihm nur Konrad Adenauer (1954) und danach nur Helmut Kohl (1990) bzw. Angela Merkel (2014) gelang. Zu jeder erfolgreichen Kanzlerschaft gehört nun einmal so ein WM-Titel…

Selbst das „schaffte“ Helmut Schmidt. Wie meinte schon Franz Josef Strauß über seinen politischen „Weggefährten“ aus dem deutschen Norden: „Es gibt nur einen, der keine Fehler macht – und das ist Helmut Schmidt!“.

„Auf Wolke 7“ schreibt dieser wohl schon an seinem nächsten politischen Bestseller. Natürlich mit einer schmackhaften Zigarette!

Marko Michels