Zu viel Praxis und zu wenig Theorie!

Seiteneinsteiger im Lehramt in M-V

Hauptgebäude der Universität Rostock am Universitätsplatz, Foto: ITMZ

Seit Jahren herrscht in Mecklenburg-Vorpommern – und nicht nur dort – ein erhöhter Bedarf an Lehrkräften in den Schulen. Deshalb ist das Land seit längerem gezwungen, zur Abdeckung des Unterrichts Seiteneinsteiger bzw. Seiteneinsteigerinnen einzustellen, die keine didaktische und pädagogische Ausbildung haben.

„Dieses Vorgehen ist eine gewisse Zeit erforderlich“, räumt auch Professorin Carolin Retzlaff-Fürst, Direktorin des landesweiten Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZLB), ein. Sie weist jedoch darauf hin, dass es dringend einer begleitenden Qualifizierungen bedürfe, damit die Seiteneinsteiger die erforderlichen didaktischen und pädagogischen Fähigkeiten erwerben könnten, die sie für den Umgang mit Schülerinnen und Schülern sowie für das Unterrichten benötigten. Derzeit unterrichteten diese Lehrkräfte in M-V ohne vorherige Schulung vollständig und eigenverantwortlich mit dem vollen Stundendeputat, so die Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung. Eine Fortbildung werde meist erst Monate nach Einstellung und begonnener pädagogischer Arbeit angeboten. „Dies ist für die betroffenen Lehrkräfte, aber auch für Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern eine unzumutbare Situation“, sagt Professorin Retzlaff-Fürst.

Die vom Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern angebotene Fortbildung steht nicht nur von Seiten des ZLB in der Kritik. Die Fachdidaktikerin Retzlaff-Fürst weiß zu berichten, dass selbst bei den Seiteneinsteigern damit Unzufriedenheit herrsche. Die fehlende Orientierung an den Standards der Lehrerbildung und die konzeptionellen Schwächen seien durch das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung immer wieder angemahnt worden. Professor Retzlaff-Fürst: „Seit 2013 suchen wir umfangreich das Gespräch und unterbreiten dem Land konkrete Vorschläge, wie man die Fortbildung der Seiteneinsteiger verbessern kann und damit die Qualität von Schule und Unterricht sichert – bisher jedoch ohne Erfolg“.

In anderen Bundesländern, wie beispielsweise Hamburg oder Sachsen, werden mit den Universitäten abgestimmte Masterstudiengänge für Seiteneinsteiger entwickelt. Ein solches Bekenntnis zur Qualifizierung der Lehrkräfte wünscht sich Professorin Retzlaff-Fürst auch von der hiesigen Bildungsministerin Birgit Hesse und betont ihre Bereitschaft, mit der Kompetenz des Zentrums für Lehrerbildung die Qualifizierung der Seiteneinsteiger federführend übernehmen zu wollen zum Wohle der Lehrkräfte, der Eltern und aller Schülerinnen und Schüler des gesamten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern.

Pressemitteilung der Universität Rostock