Projekt zum Mitsingen und Mitspielen

Blick auf den Greifswalder Marktplatz. Foto: M.M.

Neun Mal ist es in Greifswald schon gelungen, das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in sechs Teilen unter der Leitung von KMD Prof. Jochen A. Modeß zur Aufführung zu bringen. Vom 24. Dezember 2017 bis 6. Januar 2018 gibt es das Projekt zum Mitsingen und Mitspielen zum zehnten Mal im Dom St. Nikolai: ein kleines Jubiläum! Und damit Anlass für ein kurzes Interview mit Prof. Modeß.

Herr Prof. Modeß, seit 1999/2000 führen Sie das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach alle zwei Jahre in sechs Gottesdiensten im Greifswalder Dom auf, in diesem Jahr zum 10. Mal – wird Ihnen das nicht langweilig?

M.: Nein, überhaupt nicht. Es ist ein sehr populäres Stück mit vielen Facetten. Jedes Mal gibt es Nachfragen von Interessierten, die mitmachen möchten, es scheint also auch für die Mitwirkenden nicht langweilig zu sein. Und durch die immer wieder neue Zusammensetzung des Ensembles ist jede Aufführung des Weihnachtsoratoriums anders.

Nur selten wird heute noch Bachs Idee realisiert, die einzelnen Teile an verschiedenen Sonn- und Feiertagen an und nach Weihnachten zu musizieren – was macht Bachs ursprüngliche Idee so besonders?

M.: Die Musik ist von Bach für den Gottesdienst angelegt, so wie auch die Bachkantaten, die wir während der Bachwoche aufführen. Besonders ist, dass sich diese Aufführungsform mit sechs Konzerten an den Weihnachtstagen eigentlich nur mit Freiwilligen realisieren lässt, es sei denn, man verfügt über sehr große finanzielle Möglichkeiten. Vor allem besonders ist aber auch die Atmosphäre, die von der weihnachtlichen Stimmung und der Weihnachtsfreude der Mitwirkenden und der Gottesdienstbesucher geprägt ist.

Was ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung?

M.: Die größte Herausforderung liegt eindeutig in der Organisation der Mitwirkenden. Es ist jedes Mal eine kleine Überraschung, ein kleines Abenteuer, manchmal bis kurz vor der Aufführung, ob alle Positionen der Solisten und Instrumentalisten besetzt sind. Und dann kann es auch immer zu plötzlichen und unerwarteten Ausfällen kommen, so dass ich auch selbst schon einmal die Solorolle des Bassisten übernommen habe.

Das Projekt ist zum Mitsingen und Mitspielen ausgeschrieben, wie viele Mitwirkende werden wir in diesem Jahr erleben und wie lässt sich das freiwillige Engagement der Mitwirkenden am besten beschreiben?

M.: Die genaue Zahl und Konstellation ist auch für mich immer wieder eine Überraschung. Sie schwankt von Kantate zu Kantate. In den letzten Jahren hatten wir mal 40, aber auch bis zu 70 Chorsänger. Der Domchor bietet uns da glücklicherweise eine gute Grundlage. Beim Orchester liegt die Mindestbesetzung bei 20 Instrumentalisten, um alle Stimmen zum Klingen zu bringen. Hinzu kommen dann noch die Solisten.

Wir haben viele Mitwirkende, die dem Projekt langjährig verbunden sind. Manche kommen von weit außerhalb und verbringen nur die Weihnachtszeit bei ihren Familien in Greifswald wie z. B. eine Oboistin aus Kanada oder eine Flötistin aus München.

Und auch jetzt ist ein Einstieg noch möglich. Wer die musikalischen Voraussetzungen mitbringt ist herzlich zu den Generalproben am 21. Dezember für die Kantaten I-III und am 28. Dezember für die Kantaten IV-VI eingeladen.

Wie unterscheidet sich die zehnte Fassung von den bisherigen Aufführungen?

M.: Musikalisch probiere ich etwas Neues aus, indem ich Orgel-Zwischenspiele in die Choräle einer Kantate einfüge. Da die Originalfassung von Bach nicht erhalten ist, können wir vieles nur erahnen und uns demnach nur durch kleine Experimente herantasten. Das habe ich in all den Jahren immer wieder versucht.

Die Aufführung ist aber auch für mich persönlich etwas Besonderes, nicht nur, weil es die zehnte Fassung ist, sondern auch, weil es mein letztes Weihnachtsoratorium in Greifswald sein wird. Im nächsten Jahr verabschiede ich mich in den Ruhestand und gehe nach 25 Jahren Greifswald zurück nach Bielefeld.

Vielen Dank für das Interview!

Aufführungstermine Weihnachtsoratorium 2017

Sonntag, 24. Dezember 2017, 22:00 Uhr, Kantate I

Montag, 25. Dezember 2017, 10:00 Uhr, Kantate II

Dienstag, 26. Dezember 2017, 10:00 Uhr, Kantate III

Montag, 1. Januar 2018, 17:00 Uhr, Kantaten IV und V

Samstag, 6. Januar 2018, 18:00 Uhr, Kantate VI

Pressemitteilung / Universität Greifswald