Sechswöchiger Forschungsaufenthalt beendet

Die beiden Rostocker Wissenschaftler, Dipl.-Biol. Gesche Kohlberg und Dr.-Ing. Gerd Niedzwiedz, sind von einem sechswöchigen Forschungsaufenthalt auf der chilenischen Antarktisstation „Prof. Julio Escudero“ (King-George-Island) zurück in Rostock. Sie arbeiteten dort gemeinsam mit drei chilenischen Studenten und dem deutschen Gastdozenten Prof. Dr. Dirk Schories, der noch bis 2013 an der Universidad de Austral Chile/ Valdivia (UACH) angestellt ist, an einem Projekt über die Biodiversität mariner, antarktischer Lebensformen.

Wesentliche Methode und Grundlage für die Daten- und Materialsammlung bildeten hierbei Forschungstauchereinsätze. Chilenische Studenten der UACH erhielten zu diesem Zweck in den letzten zwei Jahren eine Forschungstaucherausbildung, die sich an europäischen Ausbildungsrichtlinien orientierte, also auch von Deutschland anerkannt wird. Dabei trat die Universität Rostock in Person des Leiters ihres wissenschaftlichen Tauchzentrums, Dr. Gerd Niedzwiedz, bereits als Kooperationspartner in Erscheinung. Die drei chilenischen Teilnehmer an der Antarktisexpedition gehörten zu den Besten in ihren Forschungstaucherlehrgängen.

Das Team konnte am Ende seines Aufenthaltes auf insgesamt 215 wissenschaftliche Tauchgänge verweisen. Trotz des antarktischen Sommers lagen die Wassertemperaturen in jeder Tiefe bei ca. 0°Celsius, so dass die Tauchzeiten nur selten eine Stunde überschritten. Die wissenschaftlichen Taucheinsätze beinhalteten u.a. auch 16 abgetauchte Transsekten (= vorgegebene Tauchprofile mit definierter Richtung) bis in 30 Meter Tiefe, die mit Hilfe von Unterwasser-Fotografie und z.T. UW-Videografie dokumentiert wurden. Hierbei bewährte sich ein neues Verfahren, welches in den vergangenen zwei Jahren ebenfalls in enger Kooperation zwischen der Universität Rostock und der UACH entwickelt wurde: die UW-Aufnahmen wurden durchweg mit Hilfe eines durch die Taucher verwendeten UW-GPS georeferenziert. Im Ergebnis sind die Bilder (das waren ca. 2200 wissenschaftliche UW-Fotos und ca. 20h UW-Videoaufnahmen) 4-dimensional archivierbar. Neben dem geografischen Ort der Aufnahme (GPS-Position) wird zusätzlich zu Datum und der Zeit der Bildentstehung auch die zugehörige Tauchtiefe festgehalten. Dazu wurden in Rostock entwickelte Softwarekomponenten eingesetzt und vor Ort, also im praktischen Einsatz entsprechend weiter angepasst. Mit dieser Verfahrensweise gelingt es nunmehr, UW-Langzeituntersuchungen und -beobachtungen, die sich nicht an geländespezifischen Besonderheiten vor Ort orientieren können, in verbesserter Form vergleichbar zu machen. Wesentliche Teile dieser Technologie wurden im Dezember 2010 an der Universität Rostock zum Patent angemeldet.

Viele Tauchgänge hatten darüber hinaus natürlich das Ziel, die vorhandene Biodiversität nicht nur durch Fotos / Videos zu belegen:  so wurden im Verlauf der Expedition mehr als 400 Proben verschiedenartiger Invertebraten (wirbellose Tiere) und Algen gesammelt, fixiert und taxonomisch bearbeitet. Die Bestimmung einiger Tiere erwies sich dabei nicht immer als einfach.

Die Arbeit der chilenisch/deutschen Wissenschaftlergruppe fand am 4. Februar 2011 eine ganz besondere Würdigung. An diesem Tag besuchte der chilenische Präsident, Sebastian Pinera, gemeinsam mit dem Präsidenten aus Ekuador die chilenischen Antarktisstationen „Eduardo Frei“ und „Prof. J. Escudero“.

Quelle: Universität Rostock