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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Winter-Olympia 2010: Auf in das Mutterland des modernen Eishockeysportes!

Mit der bayrischen Eishockeyspielerin Franziska Reindl-Wessely im Gespräch

Sogar in Schwerin hat der Eishockeysport jährlich zumindest zeitweise eine Heimat. Um den Jahreswechsel findet sogar ein freizeitsportliches Eishockey-Turnier auf dem Alten Garten und vor dem Schweriner Schloss statt.In wenigen Stunden beginnen die XXI.Olympischen Winterspiele, dann haben endlich die Aktiven das „Sagen“. 86 Entscheidungen in 15 Sportarten stehen auf dem Programm, darunter auch die Eishockey-Turniere für Damen und Herren. Favorisiert sind sowohl die kanadischen Männer wie Frauen.
Doch wie ist hierzu die Meinung von Franziska Reindl-Wessely, Jahrgang 1982, aus Garmisch-Partenkirchen, die 2002 selbst Olympionikin war und deren Vater Franz Reindl 1976 Bronze mit der bundesdeutschen Auswahl erkämpfte ?!

Frage: Frau Wessely, auch wenn Sie selbst nicht mit Puck und Schläger auf dem olympischen Eis stehen. Gibt es bei Ihnen auch ein „gewisses Kribbeln“ so kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele 2010, speziell vor Beginn der olympischen Eishockey-Turniere ?

Franziska Wessely: Die Olympischen Spiele sind immer etwas ganz besonderes in der Karriere eines Sportlers und ein großes Ziel, das mit harter Arbeit verbunden ist. Das Kribbeln und die Vorfreude fängt ja schon bei der Einkleidung an und zieht sich hin bis zur Abschlussfeier. Das olympische Eishockey-Turnier in Kanada wird noch mal alle Erwartungen übertreffen, schon alleine wegen der top-besetzten Teams. Eishockey ist in Canada eine Lebenseinstellung und als Nationalspieler, egal welcher Nation, wirst Du dort auf Händen getragen.

Frage: Während beim olympischen Frauen-Turnier alles auf das Duell USA gegen Kanada hinausläuft, so dürfte das Herren-Turnier ziemlich spannend werden. Der Gastgeber Kanada, Weltmeister Russland, die Tschechische Republik, Schweden und Finnland werden sich sicherlich packende Spiele liefern. Wie beurteilen Sie das internationale Leistungsniveau im Eishockeysport so kurz vor Olympia ? Was erwarten Sie von den deutschen Eishockey-Herren ?

Franziska Wessely: Die russische Mannschaft wird mit Stars wie Ovechkin und Kovaltschuk sicherlich sehr schwer zu schlagen sein. Aber auch Team Canada hat einen herausragenden Kader mit nur einem Ziel und das ist Gold.  Wir werden sehr packende Duelle mit phantastischem Eishockey sehen. Das deutsche Team spielt hier eine Außenseiterrolle, wird auch mit dem nötigen Respekt auftreten, sich jedoch bestimmt nicht „verstecken“ müssen. Gerade nach dem Sieg im Vorbereitungsspiel gegen Lettland ist die Mannschaft motiviert und wird mit vollem Kampfgeist in jedes Spiel gehen.

Frage: Sie wurden in Garmisch-Partenkirchen geboren. Bei den Winterspielen in Vancouver und in Whistler starten zahlreiche Athletinnen und Athleten, die entweder in Garmisch-Partenkirchen geboren und/oder dort wohnen, so beispielsweise die Curlerinnen Andrea Schöpp, Stella Heiss, deren Vater ja Eishockey-Goalie des deutschen Teams war, die alpinen Schwestern Maria und Susanne Riesch, Slalom-Spezialist Felix Neureuther sowie die Biathletinnen Martina Beck bzw. Magdalena Neuner. In GAP laufen sich die wintersportlichen Asse förmlich „auf die Füsse“. Gibt es eigentlich rege Kontakte – disziplinübergreifend – in GAP ? Haben Sie unter den Aktiven in Vancouver/Whistler gute Bekannte ? Und: Was werden Sie sich außer Eishockey bei den Winterspielen anschauen ?
Franziska Reindl, verheiratete Wessely, hat die Eishockey-Gene vom erfolgreichen Papa geerbt.
Franziska Wessely: Klar kennt man sich untereinander, gerade auch von der Grundschule und Gymnasium. Felix hat von unserem Direktor früher öfter mal „die Ohren lang gezogen bekommen“, er war halt immer ein kleiner Lausbub. Die Familie Riesch wohnt fast nebenan, Maria war eine Klasse unter mir im Gymnasium. Stella Heiss wollte vor ein paar Jahren ihrem Vater Peppi nacheifern und hat bei unserer Mannschaft (SC Riessersee / Frauen-Bundesliga) mittrainiert. Jetzt ist sie beim Curling, und ich freue mich sehr für Stella, dass sie diese tolle Erfahrung in Ihrem jungen Alter schon erleben darf.

Aber am meisten werde ich wohl Anja Huber im Skeleton die Daumen drücken. Mit ihr habe ich während der Ausbildung die Berufsschule in Starnberg besucht, und wir sind seit Jahren sehr gut befreundet!

Frage: Sie spielten 2002 im deutschen Eishockey-Team der Damen in Salt Lake City. Was verbinden Sie mit Olympia ? Wird die viel zitierte „olympische Idee“ gerade bei den Winterspielen tatsächlich gelebt ?

Franziska Wessely: Mit Olympia verbinde ich eben dieses „Kribbeln im Bauch“, es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, das man schon bei der Ankunft hat. Das olympische Dorf ist der Treffpunkt für alle Aktiven, man lernt Sportler aus der ganzen Welt kennen und schließt lebenslange Freundschaften. Wenn die Zeit da ist, besucht man auch die anderen Wettkämpfe und feuert sich gegenseitig an.

Olympia ist ein Ziel, auf das man jahrelang hinarbeitet, und wenn man die Nominierung dann in der Hand hat, ist es unfassbar. Vancouver wird noch mal alles toppen, alles wird perfekt organisiert sein und man kann sich 100% auf den Wettkampf konzentrieren. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Kanadier werden diese Olympischen Spiele zu etwas ganz Besonderem machen.

Frage:
Bislang gingen die Eishockey-Olympiasiege bei den Herren und Damen an nur sechs Länder: Kanada (9 x), Sowjetunion/Russland (8 x), USA (3 x), Schweden (2 x), die Tschechoslowakei/Tschechische Republik (1 x) und Großbritannien (1 x). Wie würde das All-Star-Team von Franziska Wessely bei Herren und Damen im Eishockeysport aussehen ? Wer hat aus Ihrer Sicht die besten Chancen zum Eishockey-Star bei Winter-Olympia 2010 zu avancieren ?

Olympia-MaskottchenFranziska Wessely: Das Aufgebot der Mannschaften ist bei diesen Spielen einmalig und gespickt mit herausragenden Talenten. In meinem All-Star-Team stünden Luongo im Tor, in der Verteidigung Nicklas Lidström und unser deutscher Star Christian Ehrhoff, an dem im Moment  nur schwer einer vorbei kommt. Im Sturm würde ich die Reihe mit Ovechkin, Crosby und Heatley auflaufen lassen.

Beim weiblichen All-Star-Team würden die kanadischen und amerikanischen Spielerinnen dominieren – auf jeden Fall mit Hayley Wickenheiser (Canada) und Natalie Darwitz (USA).

Gespannt bin ich auf Zach Parise vom US-Team, aber auch auf unsere deutschen NHL Spieler und die Entwicklung, die sie in den letzten Jahren gemacht haben. Ich hoffe, dass wir  eine positive Überraschung erleben werden.

Frage:
Deutschland ist nicht nur ein Fußball- sondern auch ein Eishockey-Land. An der Ostseeküste sorgen die „Piranhas“ aus Rostock für viel Stimmung und Furore in der Eishockey-Regionalliga Nord. Gegenwärtig sind Sie im Organisationskomitee zu den Eishockey-WM 2010 tätig. Wie sieht Ihr Arbeitspensum aus ?

Franziska Wessely: Ich hoffe, die Piranhas bleiben auch in der Meisterrunde so „bissig“ wie bisher. Karol Bartanus ist ja voll in Fahrt und auch der erst 19-jährige Thomas Dreischer punktet kräftig. Das tut der Stimmung im „Schillingdom“ gut, und es wird kräftig gefeiert!

Zur Eishockey-WM 2010: Die Vorbereitungen auf die 2010 IIHF-Weltmeisterschaft laufen auf Hochtouren. Jetzt wird es schon sehr detailliert, speziell im Teambereich: An-und Abreiseorganisation, Hotelzimmer- und Meetingraumausstattung, Menüvorgaben besprechen, Festlegung der Mengen an Obst, Snacks, Getränken, Handtüchern, etc. die in den Kabinen täglich zweimal aufgefüllt werden. Es gibt unzählige Vorgaben der Internationalen Ice Hockey Federation (IIHF) und diese müssen 100% umgesetzt werden.

Die Verkaufszahlen der Tickets liegen im Moment bei ca. 306.000 Stück, womit wir schon ein wichtiges Etappenziel erreicht haben. Es wird im Moment auch verstärkt das Rahmenprogramm und die Eröffnungsfeier organisiert, für die wir Scooter als musikalischen Kracher gewinnen konnten. Mit mehr als 25 Millionen verkauften Tonträgern, über 80 Gold- und Platin-Schallplatten aus aller Welt und mit 23 Top Ten-Hits ist Scooter die erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten seit Einführung der Chart.

Mit ihrem Song „Stuck on Replay“, dessen einprägsame Refrain-Zeile „I got this feeling down deep in my soul that I just can’t lose – Guess I’m on my way“ lädt nicht nur mächtig zum Mitsingen ein, sondern steht auch sinnbildlich für die Einstellung, mit der die 16 WM-Teams auf dem Eis zur Sache gehen werden.

Jetzt sind es noch gut 80 Tage die vollgepackt sind mit viel Arbeit. Aber wenn am 07.Mai 2010 dann das Eröffnungsbully eingeworfen wird, fällt auch vom Organisationskomitee ein bisschen Druck ab, und man kann sich auf aufregende 56 Spiele freuen.

Dann Schläger raus, Puck aufs Eis und „ab durch die Mitte“ !

Vielen Dank und maximale Erfolge auf und neben dem Eis, speziell in puncto „Eishockey-WM 2010“ !!

> > Übrigens: Auch Eishockeyspielen aus Rostock (SG Dynamo Rostock/SC Empor Rostock) schrieben schon Eishockey-Geschichte, so Dietmar Peters, der 1968 an den Olympischen Winterspielen teilnahm, wurde Achter mit der DDR und ist zugleich Rekord-Nationalspieler der DDR. EM-Bronze 1965/66 gab es für einen weiteren Eishockey-Crack aus Rostock, für Bernd Karrenbauer, der 1962 von der Ostseeküste zu Dynamo Berlin wechselte. Weitere bekannte Eishockeyspieler, die einst für Rostock auf dem Eis standen, waren u.a. Rainer Patschinski (238 DDR-Länderspiele), Dietmars Bruder Roland Peters oder Friedhelm Bögelsack (188 DDR-Länderspiele).

Marko Michels

Foto Eishockey in Schwerin: Michels

Foto Franziska Wessely:  SC Riessersee


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