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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Von „Whistleblowern“ und Olympia-Boykotteuren

Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 „im Gespräch“

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“, meinte schon der berühmte Albert Einstein.

Was nun jedoch ein amerikanischer Senator ins Spiel brachte, scheint das zu bestätigen. Falls Russland „Whistleblower“ Edward Snowden tatsächlich Asyl geben sollte, müsse man einen Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi in Erwägung ziehen …

Das, was bereits im „Kalten Krieg“ eine geistig-charakterliche Bankrotterklärung war, soll nun – in der „kalt-heißen Nachkriegsära der politischen Warmduscher“ – wieder angewandt werden.

Wie schon 1976 in Montreal („Afrika-Boykott“), 1980 in Moskau („Westblock-Boykott“) und 1984 in Los Angeles („Ostblock-Boykott“) wollen einflussreiche Politiker wieder einmal die Werte des Sportes, den olympischen Gedanken, ja die Träume der ambitionierten Sportlerinnen und Sportler zerstören. Noch sind es Einzelstimmen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses auch so bleibt.

Weder der Boykott von 1976, noch jene von 1980 und 1984 bewirkten irgendetwas. Im Gegenteil. Am Ende traf der jeweilige Boykott die Verursacher selbst.

Olympia und „Gegenspiele“ – 1980 und 1984

Vor 33 Jahren wurden – wie dann 1984 ebenfalls – „Gegenspiele“ organisiert, die von vielen Spitzensportlern gemieden oder bei diesen nur wenig „Gegenliebe“ erhielten.

Am 16. und 17.Juli 1980 fanden – vor Beginn der Olympischen Spiele in Moskau – die „Liberty Bell Classic“ an der „University of Pennsylvania“ in Philadelphia statt, an denen Athletinnen und Athleten aus 29 Ländern teilnahmen, die aus politischen Gründen nicht in Moskau starten durften.

Bei diesen Wettkämpfen in der Leichtathletik – es folgten seinerzeit Events in anderen Sportarten für die „Boykott-Länder“ – dominierten die USA mit 55 gewonnenen Medaillen, davon 20 x Gold. Es gab in Philadelphia – wie dann in Moskau – große Siegerinnen und Sieger, wie zum Beispiel Mary Decker (USA) über die 1500 Meter, Renaldo Nehemiah (USA) über die 110 Meter Hürden, Zhou Zhenxian (China) im Dreisprung, James Walker (USA) über die 400 Meter Hürden oder Kip Rono (Kenia) über die 5000 Meter. Freude darüber war vorhanden, aber die Enttäuschung über entgangenes echtes olympisches Edelmetall viel, viel größer.

Für Westdeutschland gab es in Philadelphia fünf Medaillen, darunter Bronze für die Hochspringer Dietmar Mögenburg und Carlo Thränhardt. Beide wären sicher lieber in Moskau gestartet und hätten dort gern mit dem Olympiasieger`80, Gerd Wessig vom SC Traktor Schwerin, „die Kräfte gemessen“…

Von 1980 zu 1984 – Olympisches „Handball-Gegen-Turnier“ in Rostock

Ähnlich war es vier Jahre später: beim Boykott der Spiele in Los Angeles durch viele „Ostblock“-Staaten.

Wiederum wurden „Gegenspiele“ veranstaltet – dezentral und zeitlich gestreckt. Der Titel fast zynisch – „Wettkämpfe der Freundschaft“ … So fanden zwischen Juli und September 1984 Events in 24 Sportarten in neun Ländern des real existierenden Sozialismus statt.

Auch in Rostock … Ja, Rostock war vor fast 30 Jahren – neben Magdeburg – Austragungsort des Handball-Turniers der Männer, das die DDR, wie das Olympia-Turnier 1980 in Moskau, knapp gegen die UdSSR für sich entschied. In der DDR-Auswahl 1984 agierten auch Spieler, wie zum Beispiel Frank-Michael Wahl oder Rüdiger Borchardt vom SC Empor Rostock.

Beim Box-Turnier in Havanna gab es unter anderem Gold durch Torsten Schmitz (SC Traktor Schwerin/Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm) und Michael Timm (SC Traktor Schwerin/Gewichtsklasse bis 71 Kilogramm). Kuba holte damals die restlichen elf Goldmedaillen im Box-Ring.

Im Kanu-Rennsport wurden die Siegerinnen und Sieger auf der Regatta-Strecke in Berlin-Grünau ermittelt, darunter war Rüdiger Helm (SC Neubrandenburg), der „Druschba“-Gold im K 1 über 1000 Meter und im K 4 über 1000 Meter erkämpfte.

Die Entscheidungen im Radsport hatten drei Austragungsorte: das Schleizer Dreieck und Forst (für den Straßen-Radsport) und Moskau (für den Bahn-Radsport). Die Einzelwertung im Straßen-Radsport gewann Alexander Sinowjew aus der UdSSR und die Team-Entscheidung war eine Angelegenheit der DDR mit Uwe Ampler, Falk Boden, Bernd Drogan und Mario Kummer.

„Freundschafts“-Medaillen für Rostock im Wasserspringen

Medaillen wurden bei den „Wettkämpfen der Freundschaft“ auch im Wasserspringen vergeben. Budapest war Austragungsort der Wettbewerbe, bei denen insbesondere Rostockerinnen und Rostocker große Erfolge feierten. Im Kunstspringen gewann Dieter Waskow Silber hinter Alexander Portnow (UdSSR). Im Turmspringen gab es einen Rostocker Doppel-Erfolg durch Dieter Waskow und Thomas Knuths. Im Turmspringen bei den Frauen belegte Ramona Wenzel vom SC Empor Rostock Platz zwei.

M-V-Erfolge bei den „Druschba“-Entscheidungen

Weitere Erfolge „aus M-V-Sicht“ bei den „Druschba-Wettkämpfen“ 1984 waren beispielsweise die Silbermedaille des gebürtigen Neustrelitzers Ulf Hoffmann mit der Turn-Riege der DDR in Olomouc, das Judo-Gold von Andreas Paluschek (Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm) beim Turnier in Warschau, das Ruder-Gold von Klaus Kröppelien (Rostock) im Doppelvierer sowie das Ruder-Silber (Achter) von Hans Sennewald (auch Rostock) in Moskau, die segelsportliche Silbermedaille in der 470er Klasse von Jörn Borowski/Egbert Swensson (SC Empor Rostock) vor Tallinn, die Goldenen des Wittenbergers Jens Potteck mit der Luftpistole sowie des Demminers Axel Wegner (zusammen mit Bernhard Hochwald) im Skeetschießen in Moskau, Ringer-Bronze des Woldegkers Roland Gehrke (Freistil-Ringen/Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm) beim Turnier in Sofia, das Schwimm-Gold des späteren Greifswalder Mediziners Sven Lodziewski über die 200 Meter Freistil und die 4 x 200 Meter Freistil in Moskau und auch die Bronzene der DDR-Mannschaft mit M-V-Beteiligung im Frauen-Volleyball-Turnier in Varna.

In den „Druschba“-Entscheidungen in der Leichtathletik 1984 (Männer in Moskau, Frauen in Prag) gelang unter anderem Zehnkämpfer Torsten Voss (SC Traktor Schwerin/Silber), Weitspringerin Helga Radtke (SC Empor Rostock/Silber) und 400 Meter-Läuferin Marita Koch (SC Empor Rostock/Gold) „der Sprung aufs Treppchen“.

Leichtathletik-Gold gab es zum Beispiel auch für Alberto Juantorena (Kuba, zusammen mit Ryszard Ostrowski aus Polen) über die 800 Meter, für Javier Sotomayor (Kuba, zusammen mit Waleri Sereda aus der Sowjetunion), für Oswaldo Lara (Kuba) über die 100 Meter, für Marlies Göhr (DDR) über die 100 Meter und für Bärbel Wöckel über die 200 Meter.

Den Marathonlauf gewann der Äthiopier Dereje Nedi.

Auch das alles große Siegerinnen und Sieger, wie die wirklichen Olympiasiegerinnen und Olympiasieger 1984 in Los Angeles – aber auch sie betrogen, um einen echten Olympia-Start 1984 durch die Politik.

Der Sport als Spielball von Politik und Wirtschaft

Soll nun der Sport wieder Spielball der Politik werden?! Um abzulenken von den wirklichen Problemen und wirklichen Brennpunkten auf der Welt?! Allein die Diskussion um einen möglichen Olympia-Boykott 2014 schadet der olympischen Bewegung!

Aber das interessiert die „Koryphäen“ aus der „großen Politik“ mit dem „kleinen Geiste“ eh nicht. Hauptsache, sie brauchen ihren unsportlichen Unrat vor der eigenen Haustür nicht zu beseitigen!

Der Hochleistungssport anno 2013 ist ohnehin nur noch eine Fassade für die Selbstdarstellung von Sportfunktionären und Sportpolitikern, die sich – gerade in Zeiten des Wahl“krampfs“ – im Medaillen-Glanz erfolgreicher Sportlerinnen und Sportler sonnen wollen. Hierzulande lässt ja diesbezüglich die HanseSail grüßen!

Außerdem ist der Sport zudem ein willkommenes Marketing-Instrument für wirtschaftliche Interessen. Immer neue, so genannte (aber zweifelhafte) „Fun-Sportarten“ werden von „Brause-Herstellern“ kreiert, um angebliche sportive Interessen der Teenies zu befriedigen. Befriedigt wird jedoch nur das eigene Unternehmenskonto – sogar ohne Viagra-Zusätze.

Anstatt der politisch-wirtschaftlichen Vereinnahmung Einhalt zu gebieten – was man, wie erwähnt, in der jüngeren Vergangenheit versäumte – wird auch in M-V üble Vereinsmeierei betrieben, die aufrichtige Öffentlichkeitsarbeit in vielen Sportarten vermissen lässt. Stattdessen werden unfaire Spiegelfechtereien gegen ernsthafte sportliche Berichterstattungen betrieben – nur um dem eigenen Ego zu huldigen. Der Sport, seine Werte und nicht zuletzt die aufstrebenden Talente bleiben so auf der Strecke.

Es gibt aber wohltuende Ausnahmen – im großen wie im kleinen Sport. Diese sind die Hoffnung. Auf eine bessere sportive Zukunft. Ohne Boykotte, die sowieso zum K… sind!

Marko Michels

 

 

 

 


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