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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Von der olympischen Ringer-Matte in Rio zu neuen Herausforderungen

Aline Focken, Weltmeisterin 2014, über Rio, ihre Kämpfe dort und ihr Leben neben dem Ringen

Der Frauen-Ringkampfsport erfreut sich weltweit immer größerer Beliebtheit – seit seiner Aufnahme in das olympische Programm bei den Spielen 2004 in Athen. Insbesondere Asien – und dabei Japan – ist führend. Gerade die Japanerinnen haben ihre Förderung in puncto Frauen-Ringen noch weiter intensiviert, ist doch Tokyo 2020 Austragungsort der 32.Olympischen Spiele der Neuzeit. Aber auch die Europäerinnen haben ihre Anstrengungen erhöht, versuchen das Welt-Niveau in einigen Gewichtsklassen mitzubestimmen.

Japanerinnen in Rio sehr erfolgreich

Das olympische Freistil-Turnier mit den sechs Entscheidungen im Frauen-Ringen war fast so etwas wie „eine offene japanische Meisterschaft“, denn neben Kaori Icho (Gewichtsklasse bis 58 Kilogramm, damit vierfache Olympiasiegerin) errangen für „Nippon“ auch Eri Tosaka (Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm), Risako Kawai (Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm) und Sara Dosho (Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm) jeweils Gold. Der „Rest der Ringerinnen-Welt“ teilte sich die verbleibenden zwei olympischen Goldmedaillen. Helen Maroulis (USA) holte sich Gold in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm und Erica Wiebe (Kanada) schaffte Gold in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm.

Aline Focken mit starkem Olympia-Einstieg…

Aline Focken, Jahrgang 1991, vom Deutschen Ringer-Bund, Weltmeisterin 2014 bzw. WM-Dritte 2015 in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm, startete mit einem spektakulären Erfolg in das olympische Turnier, bezwang die Asien-Meisterin von 2014, Zhou Feng aus China, klar mit 11:3 im Achtelfinale. In der Runde der besten acht Ringerinnen ihrer Gewichtsklasse unterlag Aline dann leider der Schwedin Jenny Fransson mit 1:9, die sich letztendlich gemeinsam mit der Kasachin Elmira Syzdykowa Bronze sicherte. Olympiasiegerin in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm wurde die bereits erwähnte Sara Dosho aus Japan vor Natalja Worobjowa aus Russland.

Asien auch kontinental betrachtet „eine Macht“

Asiens Ringerinnen-Streitmacht war in Rio letztendlich dominant, erkämpfte 13 der 24 Medaillen, was einem Anteil von mehr als 54 Prozent entspricht. Europa errang 8 Medaillen, Nordamerika zwei (und dann gleich zwei Goldene!) und Afrika eine.

Erfolgreichste Ringerinnen-Nation 2016 wurde – natürlich – Japan mit 4 x Gold, 1 x Silber, vor den USA bzw. Kanada mit jeweils 1 x Gold, Russland mit 2 x Silber, 1 x Bronze und Aserbaidschan mit 1 x Silber, 1 x Bronze. Insgesamt qualifizierten 344 Ringerinnen aus 68 Ländern für die Spiele in Rio.

Nachgefragt bei Aline Focken

Aline über das olympische Ringerinnen-Turnier 2016, die Stimmung in Rio und ihr Leben neben dem Ringen

„Ich weiß, dass ich schon viel erreicht habe…“

Frage: Aline, auch wenn es mit der ersehnten Medaille in Rio nicht klappte, dennoch ein „Chapeau“ an Dich… Wie bewertest Du – mit ein wenig Abstand – das Turnier in Rio?

Aline Focken: Natürlich ist mein Abschneiden für mich noch immer enttäuschend, aber mit ein wenig Abstand kann ich das Erreichte ein wenig anders sehen. Es ist schade, dass ich meine Top-Form, die ich im ersten Kampf unter Beweis stellen konnte, nicht noch weiter genutzt habe. Trotzdem weiß ich, dass ich schon viel erreicht habe, und kann darauf auch stolz sein. Das ändert nichts an der verpassten Medaille und am zerplatzten Traum, aber mittlerweile bewerte ich das Gesamterlebnis Olympische Spiele etwas anders.

Frage: Welche Ziele hast Du jetzt im Blick? Eine WM steht ja 2016 auch noch auf der Agenda…

Aline Focken: Ja, das ist richtig, es steht noch eine Weltmeisterschaft im Dezember an, diese ist jedoch nur für die nicht-olympischen Gewichtsklassen. Die sind bei den Frauen nur 55 und 60 Kilogramm. Das heißt damit kommt diese WM für mich nicht infrage. Es gibt noch eine deutsche Mannschafts-Meisterschaft, die zum ersten Mal in meinem Heimatverein ausgetragen wird und noch einen Europa-Cup im November, für den sich meine deutsche Nationalmannschaft qualifiziert hat bei dem ich auch teilnehmen werde.

Frage: Wie war ansonsten die olympische Stimmung in Rio – bei den Wettkämpfen, im olympischen Dorf und in der gesamten Stadt?

Aline Focken: Anders als viele meiner Sportkameradinnen und -kameraden habe ich die Stimmung in Rio als super empfunden. Die Ringer-Halle war stets gut gefüllt, insbesondere sogar ganz besonders beim Frauen-Ringen. Das lag sicherlich auch daran, dass viele Brasilianerinnen am Start waren, aber auch weil die Brasilianer einfach ein offenes Volk sind und sich gerne Ringen ansehen. Diese Olympischen Spiele wären niemals eine solche Erfahrung für mich geworden, hätten sie nicht in Rio stattgefunden. Mir hat es jedenfalls super gefallen.

Frage: Was beeindruckte Dich in Rio, was weniger?

Aline Focken: Wie schon vorher gesagt, war die Stimmung an sich und auch das brasilianische Volk einfach etwas Besonderes. Sie sind so offen, freundlich und lebensfroh. Aber auch die Stadt an sich ist ein einziger Traum – die vielen Strände, die vielen Sehenswürdigkeiten und einfach auch die gesamte Mentalität der Cariocas.

Letzte Frage: Welche beruflichen Ambitionen hast Du? Wie sieht Dein Leben neben der Ringer-Matte aus?

Aline Focken: Ich arbeite ja nebenher als Sporttherapeutin bei der „medicoreha welsink GmbH“. Diese Arbeit hatte ich zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele ein wenig heruntergefahren. Jetzt ist die Zeit gekommen, wieder in den Alltag zu finden, arbeiten zu gehen und auch einmal normale Dinge zu machen – wie  Zeit mit Freundinnen und Familie zu verbringen, sich einmal für eine Weile künstliche Nägel machen zu lassen, die sonst im Training nicht erlaubt sind…, und die Freizeit durch trainingsfreie Abende zu genießen!

Vielen Dank, weiterhin maximale Erfolge und alles erdenklich Gute – persönlich, beruflich und sportlich! Dann klappt es eben in Tokyo 2020 mit der olympischen Medaille.

… Weitere Infos zu Aline Focken: Jahrgang 1991, Verein: KSV Germania Krefeld, Erfolge (Auswahl): Junioren-EM (Cadets) 2007 Bronze, Junioren-EM (Cadets) 2008 Silber, Junioren-EM (Juniors) 2009 Bronze, Junioren-EM (Juniors) 2010 Gold, Junioren-WM 2010 Bronze, Junioren-WM 2011 Silber, EM 2013 Bronze, WM 2014 Gold, Europaspiele 2015 Bronze und WM 2015 Bronze

… Wichtige Turniere im September und im Oktober 2016 in M-V und für M-V: Vom 30.August bis 4.September finden in Macon (Frankreich) die Junioren-WM im Ringen statt. Dabei ist auch Alexander Ginc (SAV Torgelow), der in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm (Klassik) ringen wird.

Am 3.September starten die Ringer des RV Lübtheen zu Hause gegen den RSV Greiz in die Saison 2016/17 der zweiten Bundesliga (Nord).

Und am 17.September werden die Norddeutschen Meisterschaften im Ringen in Stralsund ausgetragen. Am 15.Oktober folgt der Ostseepokal in Rostock und am 22.Oktober der 11.Skoda-Cup in Demmin.

Marko Michels


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