Uwe-Johnson-Förderpreises 2017 an Shida Bazyar

Die Mecklenburgische Literaturgesellschaft und die Barlachstadt Güstrow veranstalten gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Deutschlands/Landesverband Berlin-Brandenburg und der Kanzlei Gentz und Partner vom 18. September bis zum 29. September die Uwe-Johnson-Tage 2017 zum Thema“Dokumente erzählen – Erzählen mit Dokumenten. Uwe Johnson und das Dokumentarische“.

Programm

Montag, 18. September 2017
Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg, 19.00 Uhr

Eröffnung
durch Prof. Carsten Gansel, Vorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft und Dr. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow

Lesung und Gespräch mit Jan Koneffke, 2016 ausgezeichnet mit dem Uwe Johnson-Preis für den Roman „Ein Sonntagskind“

Moderation: Dr. Gundula Engelhard

Aus der Dankesrede von Jan Koneffke: „Uwe Johnson, der, wie seine Marie und Gesine, aus dem deutschen Osten kam, wandte sich mit ihnen, den von der deutschen Geschichte Vertriebenen, Mitte der 60er Jahre nach Westen: New York. … Johnson schuf mit seinen Jahrestagen das Gegenstück zu einem stumpfen Antiamerikanismus, den die deutsche Linke nach dem Krieg von der deutschen Rechten übernahm. Ich stammte aus dem Westen. Und wandte mich, vier Jahre nach der Wiedervereinigung, erst dem Süden, und bald dem Südosten zu. Mit Sicherheit war dieser neuerworbene exzentrische Aufenthaltsort ein Gewinn. Nun begann ich, mir die Fragen zu stellen, die Marie ihrer Mutter gestellt hatte. Die Familiengeschichte musste auf den Prüfstand – und damit meine eigene Geschichte.“

Jan Koneffke, geboren 1960 in Darmstadt, studierte und arbeitete ab 1981 in Berlin. Nach seinem Villa-Massimo-Stipendium 1995 lebte er für weitere sieben Jahre in Rom und pendelt heute zwischen Wien, Bukarest und dem Karpatenort M?neciu. Jan Koneffke schreibt Romane, Lyrik, Kinderbücher, Essays und übersetzt aus dem Italienischen und Rumänischen.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Regionalbibliothek Neubrandenburg.

Dienstag, 19. September 2017
Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow, Am Wall 2, 18273 Güstrow, 19.00 Uhr

Die Kannmacher-Trilogie

Lesung und Gespräch mit Jan Koneffke, Uwe Johnson-Preisträger 2016
Moderation: Dr. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek

Mit der Kannmacher-Trilogie hat Jan Koneffke eine Pommersche Familiensaga geschaffen, die sich über drei Generationen und das ganze 20. Jahrhundert erstreckt. Nach “Eine nie vergessene Geschichte” (2008) und “Die sieben Leben des Felix Kannmacher” (2011) erhielt er für den dritten Band “Ein Sonntagskind” (2015) im vergangenen Jahr den Uwe Johnson-Preis. Seine Fragen danach, was Heimat, Fremde und Identität bedeuten, erinnern an Johnsons Grundthemen. Zudem schafft er es durch seine lyrische Sprache eine erzählerische Kraft zu entwickeln, die den Leser mitreißt und völlig in die Geschichte eintauchen lässt.

Mittwoch, 20. September 2017
Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg, 19.00 Uhr

Mathias Kopetzki: Bombenstimmung – Wenn alle denken, du bist der Terrorist

Ob am Strand, im Zug, in der Schule, oder gar bei der ersten Begeg¬nung mit der leiblichen Mutter – Schauspieler Mathias Kopetzki (“Alarm für Cobra 11?, “Soko Köln”, etc.) hat im Lauf seines Lebens schon die absurdesten Geschichten erlebt, die ihn immer wieder daran erinnern, dass er “nicht ganz deutsch” ist und als “Ausländerkind” adoptiert wurde. Mit schwarzem Humor, viel Ironie und zugleich hoch emotional erzählt er nun von kleinen Sticheleien und großen Kränkungen, seltsamen Verwechslungen und von skurrilen Begegnungen mit begriffsstutzigen Sicherheitsleuten, unbelehrbaren Lehrern bis hin zu überfreundlichen Flüchtlingshelfern.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Regionalbibliothek Neubrandenburg.

Donnerstag, 21. September 2017
Uwe Johnson-Bibliothek Güstrow, Am Wall 2, 18273 Güstrow, 19.00 Uhr

Neuentdeckung Johnson?

Vorstellung der neuen Werkausgabe mit Live-Hörspielszenen.
Von Dr. Katja Leuchtenberger und den Schauspieltalenten Kai Liemann, Anton Luezer, Cinja Schinkovich und Sascha Weißing.

Moderation: Dr. Tilmann Wesolowski, Uwe Johnson-Bibliothek

Was ist ein Akademievorhaben? Was ist eine historisch-kritische Ausgabe? Was sind die Besonderheiten der Uwe Johnson-Werkausgabe? Was bedeutet es, direkt aus dem Archiv eines Schriftstellers zu edieren? Dr. Katja Leuchtenberger erklärt die Besonderheit der neuen Werkausgabe und warum es sich lohnt, Johnson neu zu entdecken. Johnson selbst und seine Romanfiguren kommen dabei ebenfalls zu Wort, wofür junge Schauspieltalente in drei Live-Hörspielinszenierungen sorgen, die zur neuen Werksausgabe für den Abend extra einstudiert wurden.

Montag, 25. September 2017
Regionalbibliothek, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg, 19.00 Uhr

Heinrich Gerlach: Odyssee in Rot

Vortrag und Diskussion von und mit Prof. Dr. Carsten Gansel

Die Entdeckung von Heinrich Gerlachs “Durchbruch bei Stalingrad” in einem russischen Archiv durch Carsten Gansel war ein großer Bucherfolg. Der Roman stand mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste, Übersetzungen ins Niederländische und Französische folgten. Jetzt wird der Herausgeber mit der “Odyssee in Rot” jenen Dokumentarroman und bisher unveröffentlichtes Material aus zahlreichen russischen Archiven vorstellen, das den Weg von Heinrich Gerlach durch russische Kriegsgefangenenlager beschreibt. Anhand der von ihm aufgefundenen Tagebücher Gerlachs wird er zeigen, wie schwer dieser es nach seiner Entlassung und Flucht in der BRD hatte, wo er statt als Widerstandsheld erst einmal als Verräter galt.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Regionalbibliothek Neubrandenburg.

Freitag, 29. September 2017
Schauspielhaus/Probebühne, Pfaffenstraße 22, 17033 Neubrandenburg, 19.30 Uhr

Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises 2017 an Shida Bazyar für ihren Roman „Nachts ist es leise in Teheran“,

gestiftet von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft, der Kanzlei Gentz und Partner und dem Humanistischen Verband Deutschlands/Landesverband Berlin-Brandenburg.

Begrüßung: Silvio Witt, Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg
Laudatio: Dr. Mithu Melanie Sanyal, Journalistin und Autorin, Düsseldorf

Lesung und Gespräch mit Shida Bazyar
Moderation: Michael Hametner, Literaturkritiker, Leipzig

„Durch die gelungene Erzählkonstruktion wird ein mehrdimensionaler Blick auf die Geschichte(n) geworfen. Es wird ganz im Sinne von Uwe Johnson eine ‚Version von Wirklichkeit‘ angeboten, die es nunmehr zu vergleichen gilt mit jener, die die Leser ‚unterhalten und pflegen‘. Abgezielt wird auf den ‚unterschiedlichen Blick‘ und die Fähigkeit, die ‚andere Seite mit ihren Augen zu sehen‘. Shida Bazyar erhält den Uwe-Johnson-Förderpreis 2017, weil sie in ihrem Roman ein vielfältiges Panorama des Daseins zwischen unterschiedlichen Welten entfaltet und dabei einfache Antworten vermeidet.“ (aus der Jurybegründung)

Pressemitteilung / Mecklenburgische Literaturgesellschaft