Hohes Interesse für Medizin- und KommunikationstechnologienJSDie Anfang 2008 gestartete neue Verbund- und Technologieförderung des Landes trifft in Mecklenburg-Vorpommern auf eine steigende Nachfrage. Darüber informierte heute der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Jürgen Seidel auf der 4. Landesstrategiekonferenz Wissenschaft und Wirtschaft in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald. „Klares Ziel für den neuen Kurs sind zukunftsorientierte Arbeitsplätze. Wir wollen jungen Familien im Land Perspektiven aufzeigen, hierzu gehören attraktive und wissensbasierte Jobs in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte Seidel. Im Rahmen der Verbundforschung wurden 21 Projekte mit 92 Anträgen und einem Zuschussvolumen in Höhe von 25,8 Mio. Euro an Unternehmen und Forschungseinrichtungen in M-V ausgereicht. Die Mittel aus den Europäischen Fonds EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) und ESF (Europäischer Sozialfonds) flossen vorrangig in die Biomedizintechnik (37 %) sowie die Informations- und Telekommunikationstechnologien (23 %).

„Wir werben im gesamten Land für die Verbundforschung. Von entscheidender Bedeutung ist, dass das Potenzial und bereits vorhandenes Know-how der Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen auch im Land bleibt. Mit unserer Neuausrichtung der Verbundforschung geben wir die dafür nötigen Anreize, Forschung und Entwicklung im Praxisverbund mit kleinen und mittelständischen Firmen in Mecklenburg-Vorpommern durchzuführen“, so Seidel weiter. Der Wirtschaftsminister nutzte die 4. Strategiekonferenz (erste Konferenz: Rostock, zweite: Neubrandenburg, dritte: Wismar), um gemeinsam mit den beteiligten Partnern zwei neue Verbundprojekte vorzustellen und Fördermittelzusagen in Höhe von 700.000 Euro zu überreichen. Im Mittelpunkt stehen zwei eHealth-Projekte in der Präventivmedizin und Dermatologie. Hierbei handelt es sich um eine Systemlösung zur Analyse des Gesundheitszustandes und sich entwickelnder Gesundheitsgefährdungen wie Stress und ungenügende Fitness sowie eine moderne telemedizinische Lösung für die Nachsorge von Patienten mit schweren Hauterkrankungen. Projektpartner sind das Institut für Präventivmedizin der Universität Rostock, die Universitätshautklinik Greifswald und das Neubrandenburger Unternehmen Infokom GmbH. „Gesunderhaltung des Menschen ist eines der großen Themen des 21. Jahrhunderts. Die Anwendung telemedizinischer Technik trägt dazu bei, die Effizienz des Gesundheitswesens zu erhöhen“, unterstrich Seidel.

Telemedizin von der Prävention bis zur Nachsorge

Mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien werden immer mehr intelligente Lösungen für eine individuelle Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Nachsorge entwickelt. Das Institut für Präventivmedizin der Universität Rostock (www.ipm.uni-rostock.de), das Institut für Automatisierungstechnik Rostock (www.iat.uni-rostock.de) und die Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH Neubrandenburg (www.infokom.de) arbeiten an einem Geräte- und Übertragungssystem, mit dem die Beanspruchung im täglichen Leben bei Bewegung, aber auch bei Stresszuständen erfasst wird. Durch neue Sensorsysteme kann die Veränderung der Leistungsfähigkeit anhand von kardiovaskulären Parametern, also Herz- und Gefäßeigenschaften, und der Lungenfunktion überwacht werden. Die Informationen werden in Echtzeit und kabellos an ein mobiles Endgerät mit einem Mikrocomputer gesendet und von dort aus an eine Datenbank weitergeleitet.

Über diese wird die Auswertung der einzelnen Aktivitäten mittels eines Verfahrens der Modellbildung und der künstlichen Intelligenz vorgenommen und bei Bedarf eine Rückmeldung für notwendige Maßnahmen gegeben.

Hauptzielgruppen sind chronisch kranke Patienten, die ständig unter medizinischer Kontrolle bleiben sollten. In die Umsetzung fließen die langjährigen Erfahrungen des Instituts für Präventivmedizin unter der Leitung der Privatdozentin Dr. Regina Stoll ein. Das Institut beschäftigt sich mit der individuellen Leistungsdiagnostik, tätigkeitsspezifischen Belastungs- und Beanspruchungsreaktionen, Mensch-Maschine-Interaktionen sowie präventivmedizinischen Strategien für Risikogruppen.

Gesundheitsbranche immer mehr durch e-health-Lösungen geprägt

Ein zweites Projekt befasst sich mit der technischen Umsetzung eines teledermatologischen mobilen Diagnose- bzw. Überwachungssystems. In der Praxis müssen Dermatologie-Patienten, beispielsweise mit offenen Beinen, oder auch mit chronischen Krankheiten häufig über einen langen Zeitraum Besuchstermine bei den jeweiligen Fach- und Hausärzten wahrnehmen. Dies ist neben der Kostenbelastung auch mit erheblichem Aufwand für die Patienten verbunden. Ein mobiles System zur Erfassung und Weiterleitung von patientengebundenen medizinischen Daten und Wundfotos an den behandelten Arzt soll es ermöglichen, die Fahrten deutlich zu reduzieren. Die Universitätshautklinik in Greifswald wird erstmals in einer Machbarkeitsstudie unter wissenschaftlicher Leitung ihres Direktors, Prof. Michael Jünger, untersuchen, inwiefern teledermatologische Prozesslösungen mit mobilen Endgeräten zum Heilungsprozess und zur Verbesserung der Abläufe für Patient und Arzt beitragen können (www.medizin.uni-greifswald.de/haut). Die Untersuchung schließt die telemedizinische Planung der Therapie zwischen zuweisendem Arzt und der Hautklinik zu Beginn des klinischen Behandlungspfades ein. In Frage kommen könnte dieses System später auch für die Beurteilung von Therapien bei autoimmun- oder allergisch bedingter Hauterkrankungen.

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationsanwendungen erfolgt bei beiden Projekten durch die in Neubrandenburg ansässige Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH. Diese bietet kundenbezogene Komplettlösungen im IT-Bereich an, insbesondere Systemlösungen für Anwendungen auf dem Gesundheitssektor.

Netzwerkstrukturen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ausbauen

EHealth-Technologien haben längst die Medizin revolutioniert und wesentlich schneller gemacht. Elektronische und digitale Systemlösungen tragen darüber hinaus erheblich dazu bei, auch künftig eine flächendeckend anspruchsvolle Krankenversorgung zu sichern. „Mecklenburg-Vorpommern nimmt in der Telemedizin eine Vorreiterrolle ein“, erklärte Seidel. Das spiegelt sich auch unmittelbar im Antragsverhalten in der Verbundforschung wider. Jeder zweite Antrag befasst sich mit zukunftsfähigen Ansätzen in der Biotechnologie und Medizintechnik.

Hier kommt die Neuausrichtung der Verbundforschung zum Tragen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen erhalten nur noch dann eine Unterstützung aus der Technologie- und Forschungsförderung, wenn sie zusammen mit einem Unternehmen des Landes neue Produkte entwickeln. „Das bedeutet konkret, Forschungs- und Entwicklungsförderung fließt nur dann, wenn es den Arbeitsplätzen im Land gut tut. Die Verbundförderung erleichtert es den klügsten Köpfen des Landes, gemeinsam mit regionalen Unternehmen innovative Produkte und Leistungen auf den Markt zu bringen.“ Der Minister appellierte an Forscher und Unternehmer, das Instrumentarium der landestypischen Verbundforschung noch stärker zu nutzen. „Bis 2013 steht dafür ein großzügiges Fördermittelbudget von insgesamt 155 Mio. Euro zur Verfügung.“

Fotos: www.videomagic-gmbh.de aus dem Imagefilm Verbundforschung Wissenschaft/Wirtschaft

Am Rostocker Präventivmedizininstitut werden Zukunftsmodelle für die Gesundherhaltung im Alltag und Freizeit entwickelt. Dabei spielen eHealth-Lösungen eine immer größere Rolle.