Minister Dr. Backhaus sichert Schafhaltern Unterstützung zu
Wie ein Schafzuchtbetrieb aus Woosmer (Landkreis Ludwigslust) heute mitteilte, haben vergangene Nacht vermutlich ein oder mehrere Wölfe in einem Nachtpferch an der Rögnitz mehrere Schafe, darunter ein Mutterschaf und etwa zehn Jungtiere, gerissen bzw. verletzt. Der genaue Schaden an den Tieren, aber auch an den Zäunen wird noch ermittelt. Ein weiterer Schäfereibetrieb mit Sitz in Preten (Amt Neuhaus, Niedersachsen) habe ebenfalls Risse an Schafen, die vermutlich durch Wölfe verursacht wurden, auf mecklenburgischem Territorium angezeigt.

„Selbst wenn der exakte Nachweis schwierig und zeitaufwendig sein wird, dass die Schafe tatsächlich von einem oder mehreren Wölfen gerissen wurden, werden wir die bereits angekündigten Forderungen auf Schadensausgleich bzw. -minimierung für gerissene Schafe wohlwollend prüfen“, reagierte der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Till Backhaus heute umgehend. Hierfür stünden Mittel bereit, die zum Einsatz kommen, wenn im Einzelfall Schäden durch besonders geschützte Tierarten verursacht würden.

„Auch für den komplizierten Nachweis, dass es sich im aktuellen Fall tatsächlich um Wolfsrisse handelt, kann ich die Unterstützung durch unsere Fachbehörden und deren Partner signalisieren“, ergänzte der Minister. Ohnehin arbeite man im Zusammenhang mit der möglichen Ausbreitung bzw. natürlichen Wiederansiedlung von Wölfen im Osten Deutschlands seit letztem Jahr intensiver mit Sachsen und Brandenburg sowie mit dem Nachbarland Polen zusammen, von wo aus die Wölfe verstärkt einwandern. Dort bestehe auch das Know How für den exakten Wolfsnachweis auf genetischer Grundlage, was allerdings viel Zeit in Anspruch nehme.

„Im aktuellen Fall geht es zunächst um Beweissicherung“, so Dr. Backhaus. Belegfotos sollten zusammen mit einer Schadensanzeige ordnungsgemäß dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur Schwerin zugeleitet werden. „Ein Experte für Raubsäuger aus Mecklenburg-Vorpommern wird sich außerdem einen Eindruck von den Schäden verschaffen und anhand von Spurenfunden an dem Nachweis mitwirken, dass es sich tatsächlich um Wölfe und nicht um streunende Hunde handelt.“

Sachverständige für die bislang noch sehr seltenen Fälle dauerhaft vorzuhalten, sei aber verständlicherweise noch nicht angezeigt. „Sollte Mecklenburg-Vorpommern demnächst aber zu einem „Wolfsland“ werden, wird auch an eine entsprechende Ausbildung und Bestellung zu denken sein“, gab der Minister zu Bedenken. Im Übrigen bewerte er die Ausbreitung des nur in Märchen und Mythen gefürchteten Jägers positiv. „Ich gehe davon aus, dass die Ausbreitung der westpolnischen Wolfspopulation nach Mecklenburg-Vorpommern durch selbständig zuwandernde Einzeltiere als ein natürlicher Vorgang anzusehen ist“, stellte Minister Backhaus fest. Dies zeige auch, dass Wölfe sich hier wohl fühlen und die Fauna des Landes bereichern könnten.

„Was ich in diesem Zusammenhang betonen möchte: Für Menschen stellt der Wolf keine Gefährdung dar! Es besteht überhaupt kein Grund zur Panik“, machte der Minister deutlich. Was dagegen die Nutztierhaltung vor allem der Schafe anginge, so könnten Tierhalter geeignete Vorkehrungen treffen. „Tagsüber sind Schäfer und Hütehunde bei den Herden. Nachts sollten die Schafe in Problemgebieten wie zwischen Lübtheen und der Elbniederung in Gattern oder Ställen so untergebracht sein, dass ein Wolf keinen Zugang findet. Dies kann bereits durch unter Strom gesetzte Maschendrahtgatter erreicht werden.“

Unabhängig davon ist das Ministerium weiterhin bemüht zu helfen. Hinsichtlich der Schadensausgleichproblematik gab es 2007 Gespräche zwischen betroffenen Schäfern und entsprechenden Naturschutzverwaltungen, und es wurden Ausgleichslösungen aufgezeigt. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie hatte darüber hinaus im Mai 2007 in Neu Kaliß eine erste Informationsveranstaltung zum Thema „Rückkehr der Wölfe nach Mecklenburg-Vorpommern“ angeboten, die eine gute Resonanz erfahren hatte.

„Auch ein Angebot, die wissenschaftlichen Grundlagen für ein Wolfsmanagement zu erarbeiten, liegt mir bereits vor“, teilte Dr. Backhaus mit. „Unsere gemeinsame Verpflichtung und Ziel eines Wolfsmanagements in Mecklenburg-Vorpommern muss es sein, solche Bedingungen zu schaffen und Vorkehrungen zu treffen, die möglichen Konflikte so gering wie möglich halten. Schließlich soll die Rückkehr der Wölfe große Akzeptanz auch bei der ortsansässigen Bevölkerung finden.“

Die Wiederbesiedlung bleibt trotz spektakulärer Berichte aber ein langsamer Vorgang. Ein weitergehendes Pilotprojekt „Wolf“ hänge daher in erster Linie davon ab, wie sich die Gesamtsituation in Mecklenburg-Vorpommern weiter entwickelt. „Sollten Wölfe in der Lübtheener Heide oder auch andernorts regelmäßig nachgewiesen werden oder sich sogar dauerhaft als so genanntes Pack etablieren, dann wäre nicht nur die Basis, sondern auch die Notwendigkeit für ein solches Projekt oder eine ständige Arbeitsgruppe gegeben“, wagte Minister Dr. Backhaus einen Ausblick.