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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Regionalmusikschule Malchin seit 15 Jahren in freier Trägerschaft

„Wir sollten nie den Optimismus verlieren und immer bedenken, die Musik ist das Ziel“

Bei der 775-Jahrfeier Malchins zeigten sich Ministerpräsident Erwin Sellering und Landrat Siegfried Konieczny zeigten sich von dem Kammerorchester der Musikschule begeistert. (Foto: Fridolin Zeisler/Musikschule Malchin)Vor genau 15 Jahren erblickte der Verein „Regionalmusikschule Malchin e.V.“ das Licht der Welt. Es war eine ungeplante und dennoch gewollte Geburt. Als kreisliche Einrichtung konnte die Musikschule nicht weiter bestehen. Die Stellen der Musikschullehrkräfte waren 1996 mit dem „kw“-Vermerk gebrandmarkt, der den Sinn „kann wegfallen“ gut verschleiert. Eine Musikschule ohne Mitarbeiter. Einer Einrichtung wird damit die Existenzgrundlage genommen. Da die von den Schülern erhobenen Entgelte noch nicht einmal der Höhe der Personalausgaben entsprechen entspricht die Kürzung einem Todesstoß.

Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass die Arbeit der Musikschulen für das Umfeld essentiell ist. Die wissenschaftlichen Ergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, musikalische Bildung fest in der Bildungspolitik zu verankern. Sie zeigen auch, dass Investitionen in musikalische Bildung zwar kurzfristig kosten, sich aber langfristig mehrfach auszahlen.
Innenminister a. D. Otto Schily umriss das Thema im Jahr 2004 prägnant: „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit.“ Und gerade für die Einwohner eines Landkreises, der es sehr schwer hat, seinen Bürgern eine Zukunftsperspektive zu bieten, ist die Bildung eines der wenigen Güter, mit denen sie sich nicht nur auf dem Arbeitsmarkt behaupten sondern auch persönlich entfalten und wertgeschätzt fühlen können.

Finanzielle Schwierigkeiten

Eine Lösung für den drohenden Verlust einer der wenigen Kultureinrichtungen des Landkreises musste her. Ein eigens für die Trägerschaft der Musikschule gegründeter Verein mit Hans-Volker Fischer an seiner Spitze löste die Einrichtung aus dem kommunalen Schoß und ließ sie auf eigenen Beinen stehen. Oftmals auf sehr wackeligen Beinen. Mit dem Wechsel des Trägers einher gingen viele Veränderungen, die oftmals auch mit Existenzängsten verbunden waren, auch wenn das Startkapital des Vereins, die Instrumente, vom ehemaligen Träger zur Nutzung überlassen wurden. Zwar wird die kulturelle Einrichtung von Land, Kreis und Städten gefördert, als üppig kann man die finanzielle Ausstattung jedoch nicht bezeichnen.

Freude mit der Gitarre - an der Pestalozzi-Grundschule können Kinder innerhalb eines Jahres lernen, eigene Lieder auf der Gitarre zu begleiten. (Foto: Fridolin Zeisler/Musikschule Malchin)Noch jetzt muss Karin Knöfel, die die Musikschule vor rund 21 Jahren als eigenständige Einrichtung an den Standorten Malchin, Stavenhagen, Dargun und Demmin etablierte und seitdem leitet, in regelmäßigen Abständen bei potentiellen Förderern „Türklinken putzen“ und um Hilfe bitten. „Das Potential der Musikschule ist den Entscheidern durchaus bewusst“ erklärt Karin Knöfel „der finanzielle Rahmen war und ist immer noch sehr eng.“ Da die Förderung von Kultur freiwillige Leistung von Land, Kreis und Gemeinden ist, ist es auch für eine durchsetzungsfähige Musikschulleiterin wie Karin Knöfel nicht immer leicht, überlebenswichtige Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Ein musikalischer Traum

Musizieren und Singen – das sind unverlierbare Schätze. Musik hilft dabei, eine eigenständige Persönlichkeit zu werden, eine Persönlichkeit, die sich ihrer selbst sicher ist, weil sie die Erfahrung kennt, aus eigenen Anlagen, aus eigenen und erworbenen Fähigkeiten Neues entstehen zu lassen. Auch der gesellschaftliche Wert, den das Musizieren darstellt, ist nicht zu unterschätzen.

Begeisterung für die Musik entfachen und musikalisch Brücken schlagen - das Projekt Seit dem Jahr 1995 unterrichten die acht angestellten und 16 freien Mitarbeiter der Musikschule konstant über 800 Babys, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Eine Aufgabe die nur mit sehr engagierten Lehrkräften möglich ist. Lehrkräfte, die seit dem Bestehen der Musikschule immer bereit sind, über die Arbeitszeit hinaus ehrenamtlich in ihrer Freizeit für die Schüler und die Musik da zu sein. Lehrkräfte, die neben ihrem hochqualifizierten Unterricht auch immer neue Projekte initiieren. Lehrkräfte die sich nicht als bloße Mitarbeiter verstehen, sondern die Vermittlung ihres musikalischen Traums zu einer Lebensaufgabe gemacht haben.

Jahrelange konstante Qualität

1998 wurde das Traumzauberfest zu der Musik des berühmten Kinderliederkomponisten Reinhard Lakomy veranstaltet. (Foto: Fridolin Zeisler/Musikschule Malchin)Seit dem Bestehen des Vereins sind regelmäßig stattfindende Veranstaltungen, die weit über die klassische Musik hinausgehen, ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Jährlich finden ca. 100 Veranstaltungen mit ca. 10.000 Zuschauern, die von Schülern und Lehrern der Regionalmusikschule Malchin organisiert und begleitet werden, statt. Neben der musikalischen Umrahmung zahlreicher Veranstaltungen des Kreises und der Städte, Ausstellungseröffnungen, Schülervorspielen und Weihnachtskonzerten organisiert die Musikschule regelmäßig größere Projekte.

Höhepunkte der letzten Jahre waren sicherlich das Traumzauberfest zu den Liedern von Reinhard Lakomy, die „Vier Jahreszeiten“ zur Musik von Antonio Vivaldi, die „Jahresuhr“, das „Tier-ABC“, und das „Kolumbuskonzert“ im letzten Jahr. Allesamt Projekte, die in Kooperation mit allgemeinbildenden Schulen im Landkreis und unter der Federführung der Musikschule stattfanden.

Aktuell werden zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto „Jung und alt – Musik macht Freu(n)de“ zusammen mit dem Verein „Gemeinsam für Musik“ durchgeführt. Ein Projekt, in welchem die Generationen in Kontakt kommen, wo Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Senioren in der universellen Sprache der Musik miteinander kommunizieren.

Zukunftsperspektiven

Der Landkreis Demmin hat bundesweit die höchste Arbeitslosenquote und eines der niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen. Um den Einwohnern ein attraktives Angebot in dem Bereich kultureller Bildung und musikalischer Betätigung zu bieten ist es wichtig, den Unterricht zu vertretbaren Konditionen stattfinden zu lassen. Derzeit ist es möglich, dass Schüler und Schülereltern lediglich 38% der tatsächlichen Kosten bezahlen müssen um sich oder Ihr Kind in den Genuss musikalischer Bildung kommen zu lassen. Wie lange sich der niedrige Beitrag halten kann ist, gerade in Hinblick auf die drohende Kreisgebietsreform, fraglich. „Wir versuchen die Entgelte so lange wie möglich auf diesem Niveau festzusetzen“ betont Karin Knöfel. Leicht ist das jedoch nicht, denn auch vor kulturellen Einrichtungen macht die allgemeine Preissteigerung nicht halt.

Eine herzliche Einladung

Das Festkonzert am 27. Mai um 19 Uhr in der Turnhalle Lindenstraße soll Anlass geben, an Vergangenes zu erinnern und musikalisch auf die nächsten 15 Jahre einzustimmen. Karin Knöfel stellt die kommenden Jahre unter ein prägnantes Motto: „Wir sollten nie den Optimismus verlieren und immer bedenken, die Musik ist das Ziel.“ Der Abend wird also eine weitere Veranstaltung sein, in der die Musikschule ihre Qualität unter Beweis stellen wird. Eine Veranstaltung unter dem Stern eines der bedeutendsten Komponisten der Spätromantik.

So werden Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ von Lars Grünwoldt und Bettina Berg und das Klavierquartett a-moll von den Dozenten der Musikschule gesungen und gespielt. Auch das Kammerorchester wird den Abend musikalisch versüßen und unter anderem das Lied „Wenn ich einmal reich wär“ von Jerry Bock und den „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß erklingen lassen. Ganz besonders freut sich Frau Knöfel über das Kommen derjenigen, die die Musikschule in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben: „Wir laden alle Musikbegeisterten und -interessierten, alle Eltern und vor allem alle Förderer und Unterstützer der Musikschule zu unserem Festkonzert ein!“

Von Fridolin Zeisler


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