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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Prof.Dr.Alexander Wöll zum „Ukrainicum“ an der Universität Greifswald

Zweisemestrige Zusatz-Ausbildung ab Wintersemester 2009/10

GDas Ukrainicum, eine zusätzliche Ausbildung in ukrainischer Sprache und Kultur, kann ab Wintersemester 2009/10 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu Greifswald belegt werden.

Aber warum gerade „Ukrainistik“ mag mancher Außenstehende denken, verbindet man mit der Ukraine vor allem die kluge und anmutige Politikerin Julija Timoschenko, die Klitschko-Brüder im Boxsport und Fußball-Stars wie Oleg Blochin oder Andrij Schewtschenko sowie den Stabhochspringer Sergej Bubka.

MV-Schlagzeilen befragte dazu Prof.Dr.Alexander Wöll, Institut für fremdsprachliche Philologien/Slawistik, Lehrstuhl für West- und Ostslawische Philologien an der Universität Greifswald

„Ein Land von höchster Bedeutung …“

> Frage: An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu Greifswald wird in Verantwortung des Lehrstuhles für Ost- und Westslawische Philologien eine zusätzliche Ausbildung in ukrainischer Sprache und Kultur angeboten – das Ukrainicum. Ab wann kann diese Ausbildung bei Ihnen absolviert werden ? Wer kann, wer darf sich dieser Ausbildung widmen ? Und: Welcher Abschluss kann gemacht werden ?

AW– Prof.Dr.Alexander Wöll: Die Ausbildung kann ab Wintersemester 2009/10 an der Universität Greifswald begonnen werden. Für dieses erste Ukrainicum entfällt die Anmeldefrist, so dass sich Interessenten bis 15. Oktober anmelden können.

Es handelt sich um ein zweisemestriges Zusatzzertifikat, das allen Studierenden der Universität Greifswald und allen Gasthörern offen steht.
In der Zukunft ist auch geplant, das Ukrainicum für Interessenten aus Politik und Wirtschaft zu öffnen.

> Frage: Nun heißt es ja, die wirtschaftliche Zukunft liege in Asien, in China, Korea, Indien, Indochina, Japan. Warum soll sich eine Studentin, ein Student mit dem Ukrainischen statt mit z.B. Mandarin beschäftigen ?

– Prof.Dr.Alexander Wöll: Die Ukraine liegt genau in der Mitte zwischen der europäischen und der asiatischen Kultur- und Wirtschaftssphäre. Momentan sieht es so aus, als würde Russland eher den Weg gen Osten und die Ukraine den Weg gen Westen einschlagen.

Es handelt sich insofern um ein Land, das politisch von höchster Bedeutung ist und dessen Wirtschaft sich immer noch in einem gewaltigen Transformationsprozesse befindet, der für kompetent und klug agierende Akteure große Chancen und Entwicklungsperspektiven bietet – besonders dadurch, dass die Ukraine gerade noch nicht zur EU gehört.

> Frage: Was macht für Sie persönlich die Geschichte, Kultur und Sprache der Ukraine so interessant ? Was bedeuten Ihnen Ihre ukrainischen Studienangebote ?

Ukraine– Prof.Dr.Alexander Wöll: Die ukrainische Gegenwartsliteratur ist spannend und von guter Qualität. Umso erstaunlicher, dass die meisten Autoren erst heute langsam im Westen entdeckt und übersetzt werden. Neben Jurij Andruchovyc tauchen nun auf in deutschen Buchhandlungen Bücher von Serhij Zhadan, Ljubko Deresch, Taras Prochazko und anderen auf.

Die Ukraine ist das multikulturellste und hybdrideste Territorium Europas, wo die polnische, litauische, russische, türkische, rumänische, ungarische, slowakische und ukrainische Kultur eng verwoben ist. Daneben gibt es die Bojken, Lemken und Huzulen in den Karpaten mit einer spannenden Folkloretradition.

Die Ukraine ist also ein kulturell spannendes Gebiet, das leider in der Slawistik zur Zeit der Sowjetunion viel zu wenig Beachtung fand und erst seit kurzem der Forschung offen steht. Zudem gibt es keine Visumpflicht für die Ukraine.

JT> Frage: Die Ukraine ist ja ein politisch gespaltenes Land in die eher westlich orientierte West-Ukraine und in die eher hin zu einer engen Kooperation mit Russland orientierte Ost-Ukraine.
Wie beurteilen Sie diese Mentalitätsunterschiede ? Könnten diese langfristig zu einem Auseinanderdriften des Landes führen ?

– Prof.Dr.Alexander Wöll: Aus meiner Sicht droht keine Spaltung der Ukraine, was sich bereits an den ersten Wahlen nach der Sowjetunion zeigte, wo keine signifikanten Unterschiede zwischen Ost- und Westukraine auftraten.

Erst in letzter Zeit werden geschichtliche Unterschiede von mächtigen Wirtschaftsclans instrumentalisiert. Kulturell kommen spannende Autoren heute auch aus der Ostukraine.

> Frage: Wie viele interessierte Studentinnen und Studenten haben Sie eigentlich schon für Ihre neue Ausbildungsrichtung begeistern können ?

– Prof.Dr.Alexander Wöll: Es gab bereits zahlreiche Anfragen. Erst an diesem Mittwoch hat die Studien- und Prüfungsordnung dieses zweisemestrigen Zusatzstudiums die letzte Instanz an der Universität Greifswald passiert, so dass nun grünes Licht für die Werbung und Einschreibung gegeben ist.

Wir lassen uns überraschen und freuen uns über jeden Ukrainebegeisterten, der das deutschlandweit einmalige Angebot nutzen möchte. Das Anmeldeformular findet sich unter www.ukrainicum.de .

Die Fragen stellte: Marko Michels.

F.: Universität Greifswald / Buch-Tipp: Dimitri Popov/Ilia Milstein: „Die Zukunft der Ukraine nach der Orangenen Revolution“, DuMont.


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