Nachgefragt bei der mecklenburgischen Politikerin Jacqueline Bernhardt

Vielleicht kann ja Jacqueline Bernhardt von Ludwigslust (Impression vom Ludwigsluster Schloss) und Parchim aus die Welt ein wenig zum Positiven verändern… M.M.

Ein Jubiläum folgt derzeit dem nächsten… Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648, der vor 400 Jahren, am 23.Mai 1618, begann, gilt bei einigen Historikern als „Blaupause“ für die Kriege des 21.Jahrunderts. Vordergründig handelte es sich um einen vermeintlichen Religionskrieg.

Es ging jedoch auch insbesondere um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa. Wer heutige kriegerische und religiöse Konflikte verstehen möchte, kann dabei viel aus dem Anlass und Verlauf des Dreißigjährigen Krieges lernen…

Zudem fand vor 70 Jahren die Novemberrevolution 1918 in Deutschland statt, die zum Sturz der Monarchie in Deutschland führte.

Ein wichtiges Datum ist zudem die Gründung des Staates Israel am 14.Mai 1948 als Folge des Holocaust oder der 200.Geburtstag des Philosophen Karl Marx.

Die meisten Menschen blicken eher geschichtsvergessen auf diese Jubiläen, was dazu führt, dass aus der Geschichte in der Tat nicht gelernt wird.

Wie beurteilt nun eine Politikerin aus der Region, Jacqueline Bernhardt, Jahrgang 1977, studierte Juristin, Vergangenes und Aktuelles, in der „kleinen“ wie in der „großen Welt“?!

Jacqueline Bernhardt über aktuelle Gegebenheiten, neue Herausforderungen und ihre Ambitionen bzw. Ziele

„Politik mit den Menschen zusammen gestalten und nicht an ihnen vorbei…“

Frage: Frau Bernhardt, die Welt ist zurzeit in Bewegung, nicht gerade zum Guten. 2018 ist nun ein Jahr der vielen Jubiläen, die eigentlich nachdenklich machen sollten, aber Entscheidungsträger und die Mehrzahl der Menschen eben nicht.

Schauen Sie auf M-V und speziell Westmecklenburg, den Landkreis Ludwigslust-Parchim: Was sehen Sie dort an positiven Entwicklungen? Was fällt negativ ins Gewicht?

Jacqueline Bernhardt. Foto: DIE LINKE. Ludwigslust-Parchim.

Jacqueline Bernhardt: Zunächst sehe ich, dass sich unser Landkreis gut entwickelt hat. Es haben sich neben bestehenden weitere starke Unternehmen angesiedelt, die gute Arbeitsplätze bieten. Natürlich profitieren wir von der A24 und der Metropolregion Hamburg.

Wir haben eine vielfältige Kulturszene. Und ja, wir haben gute Kitas und Schulen, an denen man aber noch viel verbessern kann. Da denke ich an den baulichen Zustand, an die Situation bei den Erzieherinnen und Erziehern und bei den Jugend- und Schulsozialarbeitern.

Ein nächstes großes Thema ist die Mobilität, die alle Generationen betrifft – Schülerinnen und Schüler, Beschäftigte, vor allem Pendler, bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Und Mobilität ist nicht nur, von A nach B zu kommen. Es geht auch um digitale Mobilität.

Frage: Politik heute, ganz gleich ob von „links“, „rechts“ oder „in der Mitte“, wird heute nicht mehr dem gemeinen Volk gegenüber kommuniziert, erklärt und erläutert, nein, diese wird „vollzogen“.

Die Folgen sind gar nicht einmal die Wahl von vermeintlich extremistischen oder radikalen Parteien, sondern das Desinteresse und die völlige Gleichgültigkeit der Mehrzahl der Menschen an politischen Entwicklungen. Wie ist Ihre Meinung dazu – angesichts des politischen Handelns der „GroKos“ in Schwerin und in Berlin?

Jacqueline Bernhardt: Eben weil sich eine Politikmüdigkeit ausgebreitet hat, bin ich ja dafür, die Menschen mehr einzubeziehen, ihnen Prozesse mehr und besser zu erklären, sie zum Mitmachen anzuhalten. Nur meckern, nein, das reicht nicht aus. Politik muss mit den Menschen zusammen gestaltet werden und nicht an ihnen vorbei.

Das sehen Sie doch am Beispiel der Südbahn. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat es vorgemacht. Warum sollte das Ludwigslust-Parchim nicht schaffen? Mobilität für alle gehört für mich zur Daseinsvorsorge. Es kann nicht sein, dass immer zuerst erklärt wird, was alles nicht geht.

Frage: Für die Demokratie wurden zahlreiche Opfer gebracht, ob gegen Kaiser, Führer oder Staatsratsvorsitzende. Auch gegen autoritäre Kanzler nach 1945 galt es stets, wachsam zu sein. Im Jahre 2018 hat der interessierte Bürger aber immer mehr den Eindruck, dass sich die Demokratie in Deutschland zur „Demokratur“ entwickelte – auch in M-V.

Wehe man ist Freidenker, gehört nicht zu den guten Bekannten der politischen Entscheidungsträger, hat keinen kurzen Draht in die Verwaltungen – dann bekommt diejenige/derjenige keinen Fuß auf den Boden, wird mit Bürokratie und Desinteresse „abgewimmelt“.

Angenommen Sie würden neue Landrätin im Landkreis Ludwigslust-Parchim… Was würden Sie „im Kleinen“, im Landkreis LWL-PCH, besser machen, um wieder mehr Bürgerinnen und Bürger für eine Demokratie zu gewinnen, die diese Bezeichnung verdient?

Jacqueline Bernhardt: Meine erste Amtshandlung wird sein, ein Bürgerforum in Parchim zu organisieren, grundsätzlich eine anderen Politikstil zu pflegen, so wie ich es als Landtagsabgeordnete seit Jahren mache: Hin zu den Leuten, sich stellen, erklären und wenn es notwendig ist, auch zu korrigieren. Dieses „von-oben-herab“ hat sich bei uns im Land schon wieder ganz schön eingeschlichen.

Frage: Für Sie persönlich… Was ist für Sie anno 2018 „echte Demokratie“? Wie würden Sie Ihr politisches Handeln daran ausrichten?

Jacqueline Bernhardt: Ich habe zum Beispiel größten Respekt vor der Bürgerinitiative Südbahn, die unermüdlich und mit vielen tollen Ideen das Thema im Spiel hält, Aufmerksamkeit dafür bekommt und Sympathie. So wie die Frauen und Männer sich ins Zeug legen – Respekt! Das ist beispielgebend.

Letzte Frage: Was ist eigentlich Ihr Eindruck: Haben die politischen Akteure, nicht nur in Deutschland, aus der Historie der letzten 400 Jahren hinreichend gelernt? Mit Blick auf die Anzahl der Konflikte/ Kriege derzeit, der zunehmenden globalen Rüstungsexporte und drohender Handelskriege könnte man eigentlich skeptisch sein – oder?

Jacqueline Bernhardt: Ich sehe es als eine sehr wichtige Aufgabe an, das Bewusstsein für die Geschichte zu schärfen, von Kindesbeinen an. Nur wenn man die Geschichte kennt, kann man aus ihr lernen.

Viele Menschen machen sich Sorgen und sagen mir: Kann nicht endlich mal Schluss sein mit den Rüstungsexporten, die immer wieder den Feinden der Demokratie Waffen in die Hand geben? Ich finde, sie haben Recht. Internationalen Konflikten ist wirklich nichts Positives abzugewinnen. Die Leidtragenden sind immer Frauen, Männer und Kinder.

Vielen Dank und weiterhin bestes politisches Engagement!

M.Michels