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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Olympia früher und heute

Olympische Gesprächsrunde in der Landeshauptstadt M-V mit früheren Schweriner Olympioniken

Neun Olympiasiegerinnen und Olympiasieger, die entweder in Schwerin geboren wurden oder einen Schweriner Verein angehörten, kann die Landeshauptstadt M-V vorweisen, so im Boxsport Jochen Bachfeld (1976), Andreas Zülow (1988) bzw. Andreas Tews (1992), in der Leichtathletik Gerd Wessig (1980) bzw. Jürgen Schult (1988), im Schwimmen Andrea Pollack, 1976, 1980), im Rudersport Michael Wolfgramm (1976), im Bahn-Radsport Stefan Nimke (2004) und im Kanu-Rennsport Peter Kretschmer (2012).

Dazu konnten die Zwillingsschwestern Ramona (2004, 2012) und Carmen Brussig (212) auch Gold bei den Paralympics gewinnen.

Einige von ihnen, so der Olympiasieger im Diskuswerfen von 1988, Jürgen Schult, der Olympiasieger im Hochsprung von 1980, Gerd Wessig, und der Olympiasieger im Boxsport (Leichtgewicht) von 1988, Andreas Zülow, weilten am 11.August zu einer olympischen Gesprächsrunde im Cafe Honig des Kaufhauses Kressmann in Schwerin.

MV-Schlagzeilen befragte am Rande der Veranstaltung die früheren Leichtathleten Jürgen Schult und Gerd Wessig zum olympischen Geschehen in Rio de Janeiro aus deren persönlicher Sicht.

Nachgefragt bei Jürgen Schult, Jahrgang 1960, Geburtsort: Neuhaus, SC Traktor Schwerin, Schweriner SC, Diskuswerfen, Olympiasieger 1988, Weltmeister 1987, Europameister 1990, Olympia-Zweiter 1992, Olympia-Sechster 1996 und Olympia-Achter 2000

„Der olympische Funke ist noch nicht rübergesprungen…“

Frage: Herr Schult, welche beruflichen Verpflichtungen haben Sie zurzeit?

Jürgen Schult: Ich bin derzeit leitender Bundestrainer Wurf, das heißt meine Zuständigkeit umfasst alle Wurf-Disziplinen. Das beinhinhaltet zudem auch Aufgaben in der Planung und Organisation, zum Beispiel im Hinblick auf Trainingslager und Aus- bzw. Weiterbildung. Zusätzliche Verantwortung habe ich für den Bereich Diskuswurf der Männer – von der Elite bis zum Nachwuchs.

Frage: Und nach Rio konnten oder wollten Sie nicht?

Jürgen Schult: Jein. Es ist ja so, dass ich seit dem letzten Jahr keine eigenen Athleten habe. Der Arbeitsumfang als Bundes- und Disziplintrainer  lässt dieses einfach nicht mehr zu. Das eine würde unter dem anderen leiden…

Des Weiteren sind die olympischen Trainerplätze limitiert. Auf zwei bis drei Athleten kommt ein Betreuer und selbst diese Plätze sind gestückelt, das heißt, der Schwimm-Trainer, der jetzt noch da ist, gibt seinen Platz dann weiter an zum Beispiel an einen Tennis-Trainer und der wiederum an einen Leichtathletik-Trainer – je nachdem, wer später noch kommt.

Natürlich wäre ein Dabeisein vor Ort schön gewesen, aber so hat eben ein Trainer eine Chance, der seine Athleten vor Ort persönlich betreuen kann.

Frage: Wenn Sie, aus der Ferne, aktuell so auf Rio schauen: Wie ist Ihre Stimmung angesichts der sportlichen Resultate und der ganzen „olympischen Nebenschauplätze“?

Jürgen Schult: Wenn ich mir das olympische Hauptprogramm so anschaue, dann habe ich den Eindruck, dass die Fußball-EM zwar gerade Geschichte ist, aber auch unter den fünf olympischen Ringen wieder der Fußballsport dominiert. Viele Sportarten, sofern man nicht den Livestream im Internet verfolgen möchte, finden im TV kaum statt…

Offen gesagt, bin ich auch noch nicht so ganz in das olympische Geschehen reingekommen, was auch damit zusammenhängt, dass meine Sportart, die Leichtathletik, ja erst in der zweiten Olympia-Woche beginnt.

Außerdem bin ich – beruflich betrachtet – ohnehin schon im nächsten Jahr, denn es gilt, notwendige sportliche Planungen für 2017 bereits jetzt vorzunehmen.

Durch die Zeitverschiebung sind ja die wichtigen Wettkämpfe erst in der Nacht, dann sehe ich mir morgens lieber die Zusammenfassung an. Im Hinblick auf die Leichtathletik werde ich mir allerdings auch in der Nacht einiges ansehen.

Bis jetzt, ist wie erwähnt, der olympische Funke noch nicht rüber gesprungen, was auch mit den Diskussionen um Doping, Kommerz, den Skandalen im IOC, den exorbitanten Olympia-Kosten usw. im Vorfeld zu tun hat. Da verstehe ich einige Leute, die sagen: Olympia interessiert mich kaum.

Frage: Was erwarten Sie nun von den deutschen Startern im Wurf-Bereich?

Jürgen Schult: Ich hoffe natürlich auf maximale Erfolge. Wir haben mit Robert Harting, Christoph Harting sowie Daniel Jasinski im Herren-Diskuswerfen drei Leute dabei, die sehr ambitioniert sind.

Die letzten Informationen, die ich erhielt, sind, dass alle gut drauf und leistungsfähig sind. Wichtig ist, dass alle dann, wenn es darauf ankommt, ihre Leistung abrufen können.

Wie schnell Träume zerplatzen können, mußten wir aktuell bei den Schwimmern, Straßen-Radsportlern, Boxsportlern, Judoka oder Fechtern erleben.

Ich hoffe, dass das uns Leichtathleten in Rio nicht passieren wird. Die deutschen Leichtathleten sind aber gut vorbereitet und müßten gute Endkampf-Chancen haben. Wenn ich mir als Wurf-Bundestrainer etwas wünschen dürfte, so wären das vier bis fünf Medaillen.

Frage: Wie beurteilen Sie die olympischen Chancen von Schwerins Stabhochspringerin Martina Strutz?

Jürgen Schult: „Strutzi“ kenne ich ja seit 20 Jahren, als sie noch Schülerin an der Sportschule war. Ich hatte sie noch 2011 getroffen, als sie seinerzeit Vize-Weltmeisterin in Daegu wurde. Ihre Entwicklung „im höheren Alter“ ist schon bemerkenswert. Ich glaube aber, dass Martina in diesem Jahr nicht in der Form ist, um in Rio vorn mitzuspringen. Aber ich irre mich gern und „Strutzi“ ist immer für eine Überraschung gut.

Letzte Frage: Sind Sie eigentlich selbst sportlich noch aktiv?

Jürgen Schult: Ja, schon. Ich widme mich dem aktiven Fußball- und Tennissport, halte mich so persönlich fit.

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Statement von Gerd Wessig, Jahrgang 1959, Geburtsort Lübz, SC Traktor Schwerin, Hochsprung-Olympiasieger 1980 in Moskau mit dem Weltrekord von 2,36 Meter

„Hoffe auf die Leichtathleten…“

Frage: Wie beurteilen Sie, auch aus der Ferne, „die Atmosphäre“, das Fluidum in Rio, Herr Wessig? Wie beurteilen Sie dabei die Ergebnisse des deutschen Olympia-Teams?

Gerd Wessig: Also, Fluidum Rio… Das ist doch ziemlich weit weg. Ungünstige Übertragungszeiten und schlechtes Wetter – das ist bei mir so hängen geblieben.

Die deutsche Erfolgsbilanz ist sehr durchwachsen – von ganz schlecht bis hin zu mitunter recht gut, wenn ich auf die heutigen (11.8.16) drei Goldmedaillen im Rudern und im Schießsport blicke. Das war endlich einmal ein Lichtblick.

Ansonsten müssen sich einige etwas einfallen lassen – insbesondere im Hinblick auf das deutsche Sportsystem.

Unseren Leichtathleten drücke ich natürlich ganz fest die Daumen, dass zumindest deren Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen. Olympia ist eben Olympia. Das ist keine WM oder EM. Es sind Olympische Spiele, die stehen noch einmal unter einem ganz besonderen „Winkel“. Der Athlet, ganz gleich, ob er das erste Mal oder schon öfter dabei war, steht unter einem anderen Druck als bei kontinentalen oder globalen Titelkämpfen. Man will unbedingt Bestmögliches erreichen – und dann muß man auch die nötige Lockerheit mitbringen.

– Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

… Übrigens: Aus dem Gastgeberland der kommenden Olympischen (Sommer-)Spiele 2020 in Tokyo, also aus Japan, war eine siebenköpfige Sport-Delegation zu Gast in Schwerin, wie die Pressestelle der Stadtverwaltung Schwerin mitteilte. Vom 2.August bis 7.August weilten die japanischen Sportlerinnen zwischen 16 und 21 Jahren, die aktive Schwimmer, Fußballspieler, American Footballer, Basketballer, Handballer und Karateka sind, in der Landeshauptstadt M-V. Dort besuchten sie auch ein Judo-Training. Noch bis zum 14.August sind die japanischen Sportler in Güstrow sowie im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Marko Michels

 

 


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