Wann arbeiten Deutschland-West und Deutschland-Ost endlich ihre Dopingpraktiken auf…


„Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht…“, lautete der Titel über Doping-Praktiken in Russland. Gespieltes Entsetzen allerorten. Sportpolitiker, Sportfunktionäre und Sportsponsoren geben sich erschüttert. Die Sportfans angeblich ebenfalls. So viel Pharisäertum, so viel Verlogenheit, so viel Einseitigkeit und so viel „heiße Luft“ in Sachen Doping war hierzulande selten!

Nun sollen die russischen Leichtathletinnen und Leichtathleten sogar von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ausgeschlossen werden. Sportfunktionäre fordern sogar, dass es am besten wäre, wenn Russland gar nicht an den Olympischen Spielen 2016 teilnehmen würde.

Deutschland, einig Dopingland

Ausgerechnet Deutschland, das Land, in dem in der DDR und in Westdeutschland bis 1990 nachweislich exorbitante Dopingmittel und leistungsfördernde Substanzen stete Anwendungen fanden, gibt sich als Sauberland, reiht sich in die Reihe der Russland-Kritiker ein. Das ist schon keck, dreist und frech!

Mit dem Finger auf andere

Man zeigt mit dem Finger auf andere – in diesem Fall Russland – um vom eigenen Versagen abzulenken und eigenes Fehlverhalten zu relativieren… Russland passt ja ohnehin bestens, ist es doch längst wieder das „Reich des Bösen“ und „Westeuropa nebst  USA“ sind die „Engel auf Erden“.

Sind sie das wirklich?! Schaut man auf die Leistungsbilanzen dieser Länder – in der Leichtathletik, im Schwimmen, im Gewichtheben, im Radsport, im Triathlon, in den Kraftsport-Disziplinen, im Skisport, usw., usw., usw. – bis 1990 und nach 1990, so erkennt man, wie arglistig diese Diskussion ist.

Ja, die überführten russischen Leichtathletinnen und Leichtathleten gehören ausgeschlossen. Aber: Was ist mit den Athletinnen und Athleten aus Westeuropa, Nordamerika, Australien oder Afrika, die noch schneller waren als die „dopingverseuchten“ Russinnen bzw. Russen?! Sind die alle „sauber“?! Sind die nur deshalb so schnell, weil die amerikanisches Fastfood, deutsches Sauerkraut aßen oder italienischen Rotwein tranken? Was ist mit den zerstörten Dopingproben und nicht gemeldeten Dopingfällen der USA bis 1990 und auch danach?! Wie oft haben die „Amis“ ihre „dopingverseuchten“ Athleten „geschützt“?! Ja, auf Gold, Silber und Bronze wollte man auch dort nicht verzichten!

Und aus welchen Ländern kamen in den letzten Jahren die größten Dopingsünder?! Man denke nur an Marion Jones, Lance Armstrong & Co. …
Und die „Presseorgane“, der angeblich so „freien Welt“ berichten ziemlich einseitig, so als gebe es nur in Russland oder China Doping-Praktiken! Auch in Deutschland.

Diese Propagandisten sind aber längst nicht mehr von Belang, haben sie es doch – trotz üppig vorhandener finanzieller und materieller Mittel – versäumt, den Dopingsumpf in der DDR und in Westdeutschland schonungslos aufzuarbeiten. An der DDR arbeitete man sich – zumindest etwas – schon ab. Für Westdeutschland gilt noch immer die verlogene Auffassung: Alles waren nur Einzelfälle, obwohl das längst widerlegt ist.

Bei der deutschen Dopingaufarbeitung gilt aber anscheinend: „Wes Brot ich ess, des Lied ich singe!“

Hochleistungssport – ein Unsinn an sich

Der Autor hält weder etwas vom gegenwärtig existierenden Hochleistungssport, noch vom Missbrauch der olympischen Idee noch von den internationalen Sportorganisationen, die in der gegenwärtigen Form keine Daseinsberechtigung besitzen. Diese haben den aufrichtigen Sport längst auf dem Altar des Geldes und des Profites geopfert.

Dopingfechtereien

Kürzlich war zu lesen, dass zwei dopingbelastete Leichtathletinnen aus der ehemaligen DDR in die IAAF-Ruhmeshalle aufgenommen wurden. Ein Irrwitz!

Das ist schon mehr als fragwürdig. Beide stammen sogar aus der DDR… Jedoch: Wenn man die Ergebnislisten vergangener „Olympischer“ Spiele liest, verwundert es doch sehr, dass eine westdeutsche Staffel in Weltrekordzeit Olympia-Gold vor der vermeintlich hoch gedopten DDR-Staffel holte – und alles war aus westdeutscher Sicht „sauber“. Klar doch: West-Schokolade, Bananen oder West-Riegel dürften den entscheidenden „Schub“ gegeben haben!

Das Gleiche gilt – nur ein weiteres Beispiel von vielen  – für ein früheres 100 Meter-Gold einer Westdeutschen gegen eine vermeintlich gedopte DDR-Athletin!

Wann erfolgt eine Aufarbeitung …

Daher noch einmal die Frage: Wann werden endlich die flächendeckenden Dopingpraktiken in Westdeutschland offen gelegt?! Wir hätten nichts dagegen, wenn zwei Dritteln der „DDR“- und „BRD“-Sportler endlich ihre Medaillen bis 1990 aberkannt werden – und auch heute wird doch global extrem betrogen.

Olympia ist eine Farce – die Dopingländer in Ost und West nimmt eh keiner mehr ernst.

Wenn Ihr, liebe Sportpolitiker, Sportfunktionäre und Sportsponsoren, „Olympische“ Spiele wollt, dann bezahlt das Ganze aus Euren Privat-Schatullen, die gut gefüllt sind – und zweckentfremdet dafür nicht die Steuergelder, die hart arbeitende Männer und Frauen erwirtschafteten.

Es kann und darf nicht sein, dass Kinder, auch in Deutschland, hungern und verhungern, während Apparatschiki, Profi-Fußballer, Profi-Golfer, Profi-Boxer, Profi-Tennis-Spieler, Rennfahrer oder „Fun“-Sportler Millionen scheffeln… Wofür eigentlich? Für die Vorstellungen im modernen „circus maximus“…

An die Sportfans …

Werte Sportfans, treibt lieber selber Sport und schaut Euch den Müll a la Profi-Fußball, Profi-Boxen oder Formel 1 nicht mehr an! Euer BMI und IQ werden es Euch danken!

Im Wort „Sport“ steckt das lateinische „disportare“ (sich zerstreuen)! Sport ist also Nebensache und nicht Hauptsache und schon gar nicht ein Mittel zum „Geld“erwerb oder gar ein Beruf. Er ist nur Ausgleich zu einer sinnvollen, aufrichtigen und nachhaltigen Tätigkeit!

Aber Gemach… Feiert dennoch ruhig Eure „Sporthelden“, leckt ihnen die Füße, lasst Euch vom unsportiven GEZ-TV sowie den Boulevard-Spott-Medien weiter berieseln und glotzt 22 Männlein oder Weiblein beim Laufen mit dem Ball zu!

Jammert aber nicht mehr herum, wenn Ihr am Ende des Monats so wenig „netto“ habt… Allerdings: Denkt an den ehrlichen Sport und dessen Bedeutung für Eure Kinder!

Übrigens: Ganz aktuell haben unsere Volksvertreter im Schweriner Schloss entschieden, Forschungsvorhaben über Dopingpraktiken in den drei Nordbezirken (Schwerin, Rostock und Neubrandenburg) bis 1990 zu fördern.

Warum erst jetzt?! Im Jahr 2001/2002 gab es von einem Sportfreund das Habilitationsprojekt zum Themenbereich „Die sportliche Entwicklung in Mecklenburg und Vorpommern – Zwischen der Großherzoglichen Zeit bis zur Durchsetzung realdemokratischer Strukturen“. Darin beinhaltet war auch die Aufarbeitung der Doping-Praxis bis 1990… Damals wollte man davon aber nichts hören… Weshalb wohl?!

Dr. Marko Michels

Foto/Michels